Dienstag, 8. Dezember 2009

Weinralley #28 oder Adventswein



Ein sehr schwieriges Thema wurde zur Weinralley #28 erkoren.

Adventswein oder Wein zum Christstollen



Weine in Gesellschaft trinke ich immer lieber als die, die ich alleine trinken muss, soll oder darf. Ob das an einem Adventssonntag ist oder nicht sehe ich nicht so eng. Man soll die Feste feiern wie sie fallen. Also gibt es sehr viele Weine die dafür in Frage kommen könnten, zu viele wie ich meine.

Also muss ein Wein her, der zu weihnachtlichem Gebäck passt.
Zum Gebäck mit Schokolade würden die Portweine gut passen, oder die leichten Australier mit ihren erfrischenden 16,5%vol.
Zum anderen Weihnachtsgebäck fallen mir spontan nur die üblichen Auslesen TBA´s und BA´s ein. Aus dem Gedächnis wird das nix, hilft da etwa nur durchprobieren?

Inspiriert durch duch die Überlegungen von Eline und Marquee es muss ein alter Wein sein. Eigentlich mag ich keine alten Weine, sie erringen bei mir oft nur einen Mitleidspreis wegen guter Haltungsnoten. Auf der anderen Seite ist es so, wenn mich jemand fragt, welches meine besten jemals getrunken Weine sind kommt es wie aus der Pistole geschossen. Best Wine ever 70er Unico mit schlappen 35 Jahren getrunken, 53er Mouton da hatte er schon über 50 Jahre auf dem Buckel und man hatte den Eindruck der ist noch gar nicht auf dem Höhepunkt, der hat noch Potential. Mein größter Schicksalsschlag in dieser Richtung war aber - da muss ich etwas ausholen. Ich trinke gerne Riesling um nicht zu sagen ich lasse jeden anderen Wein für ein gutes Tässchen Riesling stehen. Es gab Vergleichsproben wo edelsüße Weine angeboten wurden wie Climens, Zind Humbrecht, Tokayer Esszencia, Kracher und ich weiss nicht was noch alles. Für sich genommen alles großartige Weine, aber hinter einem Riesling-Eiswein von Dönnhoff oder einer Riesling-BA von Weil oder Müller werden sie schlichtweg pulverisiert, als wären sie nicht dagewesen, quasi ausgelöscht. Diese Meinung vertrat ich bis zu jenem denkwürdigen Tage wo ich in den Genuss kam einen 37er Yquem zu probieren. Diesen Geschmack habe ich heute noch auf der Zunge, flüssig gewordene Creme Brulee wie sie kein 3 Sterne Koch komponieren könnte, mit einem Wort unerreicht. Nun erfahrene Altweintrinker reden gar von Kindermord wenn ein Yquem vor dem fünfzigsten geöffnet wird, dem kann ich nicht beipflichten, es fehlt mir da schlicht an der Erfahrung. Die Vorstellung es könnte noch mehr solcher Weine geben, lässt mich jedes mal hoffen, wenn ich wieder eine dieser alten Bouteillen öffne, aber ein um´s andere Ma(h)l wird man wieder enttäuscht. " Ja ganz lecker, für DAS Alter, aber vor 10 Jahren bestimmt besser, das sind die Kommentare die zu hören sind. Bis, ja bis man wieder einen solchen Wein vorgesetzt bekommt, der sie alle Lügen straft.

Zurück zum Thema. Doch ein Altwein könnte es sein. Nein, ein Altwein SOLL es sein. Einer jener der im Gedächnis haften bleiben, dessen Etikett sich förmlich in´s Gehirn einbrennt. Doch woher nehmen und nicht stehlen, solche Weine fallen nicht vom Himmel und wenn dann sind sie meist unbezahlbar. Also etwas nicht ganz so altes, nicht ganz so ausgefallenes aber erschwingliches, weil längst im Keller vorhanden und zwischen irgendwelchen Kisten lange vergessen. So ein Wein sollte es sein.


Zum Adventswein 2009 wurde erkoren:

Kosovsko Vino aus dem ehemaligen Jugoslawien

1976 Amselfelder

Dieser Wein, von dem lediglich 30Mio. Flaschen jährlich erzeugt wurden und einen Verkaufspreis von DM 2,29 (entspricht € ca. 1,17) hatte.
100% Spätburgunder verspricht das Etikett. Man höre und staune ohne Stengel und Stiele gekeltert. Ein Qualitätserzeugnis welches hier zur Degustation ansteht.
Entschieden wurde dann auch bei gleicher Gelegenheit einen Langzeittest für den Schraubverschluss zu machen. Den Füllstand der Flasche würde ich ich als High Fill bezeichnen.
Der Schraubverschluss hielt auch nach der langen Lagerung absolut dicht und ließ sich gut öffnen und zerbröselte auch nicht.
Die Farbe für einen Spätburgunder nicht untypisch war Rubinrot an den Rändern mit ganz leichten orangen Reflexen. In der Nase süße Früchte mit Erdbeeraromen. Am Gaumen süßer Frucht-Kompott mit Noten von Zimt-Pflaumen, mittlerer Körper, etwas einfach strukturiert und im nicht ganz so kurzem Abgang lugt eine leichte Säure hervor. Alles in allem würde ich behaupten der Wein hat immer so geschmeckt. Keinerlei Alters- oder Fehltöne waren zu notieren. Die sieben Mitverkoster waren einhellig überrascht. Zur Qualitäts-Sicherung unserer Eichung unserer Geschmacksnerven wurden noch einige andere Frische Weine als auch ein, zwei Altertümchen entkorkt, aber der Adventswein stand ja schon fest.

Kommentar veröffentlichen