Montag, 30. Dezember 2013

Weihanchtsmenü

Ein Weihnachtsmenü
 Kalbsleber, Steinbeißer und Rote Beete

Tartar, Sellerie und Haselnuss
Reh, Steckrübe und Zitronenwirsing
Mandarinensorbet, Tarte Negre und Tonkabohnenschaum

Freitag, 27. Dezember 2013

Weh-Weh-Weh Willis Hausbesuche Heute: Palmer


Jetzt geht es wieder los, zum Jahresende hin drehen die wieder auf, bei Facebook. Welches war Euer bester Wein 2013? Harmlose Frage an sich. Aber dann legt Chris Gampe gleich nach und verlangt: "Aber bitte nix unter 30 Euro!". Und damit ist die Latte noch längst nicht gelegt. A propos Latte, das triffts so ziemlich, denn das ist nicht viel anderes als ein oenologischer Schwanzvergleich. Mit einem harmlosen Montrose 1989 kannst Du da nicht punkten. Da haut Dir direkt einen den Latour aus gleichem Jahr um die Ohren. Guigals La Mouline aus 1994? Schön und gut, aber mindestens drei hatten 2013 den legendären 1991er. Schon wieder verloren! Na gut, ich könnte von unserem legendären Dreierflight La Mouline, La Turque, La Landonne aus 1990 berichten. Aber dann kommt irgend so ein Weinterminator um die Ecke und hatte genau diesen Flight aus Imperialen oder sowas. Was tun, wenn man als harmloser aber durchaus niedlicher Weinigel ernsthaft mithalten will? Gibt eigentlich nur zwei Alternativen: Entweder was bringen, was garantiert kein anderer hatte - und das zum weltbesten Wein erklären. Nicht immer glaubhaft aber, was solls, widerlegen kann es so schnell auch keiner. Bajanos Einsmehr aus 2011 zum Beispiel, der GG-Silvaner aus der Literflasche, das wäre so ein Kandidat. Doch über den schreibe ich erst im neuen Jahr, denn der ist wirklich sensationell und da muss ich erst noch die Restbestände aufkaufen. Zweite Alternative: Man macht sich auf zu einem echten Weltklasseding, wo so schnell keiner dran kommt. Kann auch nicht schaden und bringt überdies ziemlich viel Freude. Auch wenn das Konto ächzt und stöhnt.

Also, was liegt näher, als sich ein wenig mit den gereiften Weinen eines annehmbaren Bordeauxweinguts zu beschäftigen, das nebenher auch noch den Vorteil hat, mein Lieblingsweingut zu sein. Mit anderen Worten: Château Palmer!

Elke Drescher hatte wieder einmal eine sensationelle Probe zusammengestellt und nachdem ich auf den Igelbau eine satte Hypothek aufgenommen hatte, konnte ich dabei sein. Und es ging gleich vergnüglich los, mit einem weißen Palmer aus 1920. Ein Rarität, weiße Weine machen die Palmers, also die Mählers, die Besses und die Sichels schon ewig nicht mehr, ich hatte überhaupt noch nie einen. Sauvignon Blanc und viel Semillon, sicher nicht ganz trocken ausgebaut, heute freilich schon ein wenig über den Punkt. Braune Farbe, sehr müde Nase, etwas laubig, unterholzig, pilzig. An Gaumen aber noch deutlich lebendiger, erstaunlich aufrecht, vorne eine Spur Nuss, etwas Miso, dazu Champignons. Im Abgang voll auf der Pilznote, nur noch reine Cremechampignons, kräftig und durchaus nachdrücklich im Abgang. Zur Pilzessenz durchaus ein interessanter Begleiter, ansonsten aber doch schon so weit über den Höhepunkt, dass ich ihn nicht mehr bepunktet habe.

Montag, 16. Dezember 2013

Hummer, Kerbeknollen und Currycreme



Sous Vide gegarter Hummer auf Kerbelknollen - Püree und Currycreme mit Spinat.







Backofen geröstete Kerbelknollen. Bei 110 C 60 Minuten karamellisiert. Dann in der Pfanne aufgebraten. Dazu teilausgelöste Maishuhnkeulen mit Garnelenhack gefüllt.

Montag, 9. Dezember 2013

Pulpo, Orangen und Tannensirup



Es Weihnachtet sehr. Na was fällt vielen zu Weihnachten ein? Na Klar der Weihnachtsbaum. Diejenigen, die im Mai schon an Weihnachten dachten, haben sich beizeiten ein Tannenspitzensirup gekocht, aus den schönen hellgrünen Seitentrieben der Fichten und/oder Tannen. Auch bei mir schlummert so ein Gläschen, welches es mittlerweile auch käuflich zu erwerben gibt. Ach so wir waren bei Weihnachten, Orangen. Also Orangen gehören auch auch zu Weihnachten. Und wie passt jetzt der Pulpo dazu? Egal, ausprobieren.
Erst einmal hört sich ja Orangensalat mit Tannensirup zu Fisch etwa unpassend an. Wenn man allerdings den Pulpo lediglich mit viel Petersilie, Öl, etwas Essig, Salz und Pfeffer anmacht passt es wiederum sehr gut. Der Pulpo in kräftigem Salzwasser in das man noch einen EL Fenchelsaat gegeben hat, aufkochen und dann samt Topf für 2 Stunden in den Backofen bei 85°C stellen. Im Backofen abkühlen lassen, auch über Nacht ist das kein Problem.
Da unser Pulpo fast 2,5kg wog, kann man die Zeit bei kleineren Exemplaren locker auf 1,5 Stunden reduzieren.
Die Arme in feine Scheiben schneiden. In Öl und Essig marinieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Petersilie und wer mag Schnittlauch dazugeben.
Orangen filetieren und in Tannensirup marinieren. Auf Tellern anrichten, den Pulposalat in die Mitte geben.

PS
Kein Pulpo dieser Welt braucht einen Korken im Kochwasser. Auch das schlagen des armen Tierchens hat nichts mit der Zartheit zu tun. Das haben früher die Fischer gemacht, denen ein Pulpo ins Netz gegangen ist. Damit sie eben diesen wieder dort herausbekommen ohne das Netz zerschneiden zu müssen, wurde kurzerhand der Pulpo erschlagen. Das geht nicht mit einem Schlag, sodass alle Welt dachte die hauen da so oft drauf, damit er mürbe würde.PS


PSPS Seitdem die Geschichte mit dem Novello und Primeurkram beim Wein nicht mehr so funktioniert, hat jetzt die Olivenölbranche die Geschichte entdeckt. Bis dato gab es immer nur vereinzelte Angebote, dieses Jahr hauen sie einen Tod damit. Leider wird aus einem nicht guten Olivenöl, kein besseres durch Novello,

Samstag, 7. Dezember 2013

Weh-Weh-Weh Willis Hausbesuche Heute: Cos d´Estournel


Mein Freund Leo Rosarius hat mich gebeten, ihm zum weihnachtlichen Rint einen besonders guten Boddoh zu empfehlen. Keine leichte Aufgabe, das harmonische Verbinden von fester und flüssiger Nahrung ist schließlich die ganz hohe Schule der Weinkunst.

Erst wollte ich das VIVA überlassen. "VIVA?" höre ich den geneigten Leser mit einem Anflug von Hysterie in den Bildschirm stöhnen? "Jetzt dreht der Igel endgültig durch! Was hat denn der Videokanal für die Coca-Cola-Generation mit Boddoh zu tun?" Erstmal nix, das stimmt. Aber bei VIVA gibt es dieses tolle Tool, das Auskunft dazu gibt, wer zu wem passt. Die Teenies können da gegen eine kleine Bearbeitungsgebühr ihren eigenen Namen und den Namen der oder des Angebeteten hinsimsen und irgendwann erscheinen diese beiden Namen wie von Zauberhand als Einblendung im laufenden Programm, gewürzt mit einer Prozentzahl zwischen Null und Hundert, die den Harmoniegrad zwischen Kevin-Alessandro und seiner Schantalle-Schnalle anzeigt. Paarungspunkte statt Parkerpunkten, könnte man auch sagen. Dazu schenkt VIVA seinen SMS-Kunden einen kurzen Spruch, der nähere Informationen zum Beziehungsstatus gibt, also zum Beispiel: "Auch Turteltauben wollen vögeln" oder so ähnlich.

"Igel, Igel, das alles ist doch der reinste Mumpitz", wird der inzwischen wahrscheinlich nicht mehr so geneigte Leser nun vor sich hin stöhnen, "woher soll der Sender VIVA wissen, wie hoch die Paarungspunktezahlen zwischen seinen bildungsfernen Konsumenten sind?" Na ja, der ansonsten eher bildschirmferne Weinigel wäre nicht der Weinigel, wenn er dazu nicht einen aufwändigen Feldversuch angestrengt hätte. 2005, als ich bei VIVA zum ersten Mal auf dieses Tool gestoßen bin, war Rudolf "Moosi" Mooshammer gerade von seinem Fahrer Herisch mit einem Kabel erdrosselt worden. Also habe ich "Moosi" und "Herisch" in mein Handy getippt, das an VIVA gegeben und - schwupp - wurde eingeblendet: "Moosi, Herisch: 100 Prozent Übereinstimmungsgrad, Moosi, warum stehst Du noch auf der Leitung?" Also fast richtig, auch wenn der Modeschöpfer die Leitung wahrscheinlich noch um den feisten Hals trug und nicht an den Plattfüßen. Respekt! Fürderhin habe ich die Playmates des Monats der weltumspannenden Firma Gebrüder Willi Igel GmbH (die Abkürzung steht für "Geishas mit breiten Hüften" und stellt damit eine dezente Referenz an das Incentivesystem dar, das die Firma Gebrüder Willi Igel GmbH für ihre männlichen Mitarbeiter aufgebaut hat) nur noch mit Hilfe von VIVA ausgewählt. Selbst den Mitarbeitern des Monats, allen voran unserem unglaublich männlichen Firmenherold, habe ich immer erst nach VIVA-Check diesen Ehrentitel verliehen.

Der Neigungswinkel des geneigten Lesers, ich merke schon, geht gegen Null. Weil der rein empirische Befund, dass das mit VIVA im Schnitt sehr gut funktioniert, ja kein wissenschaftlicher Beweis ist. Und wahrscheinlich auch, weil es dem geneigten Leser völlig Boudin ist, ob meine Playmates zu mir passen. Hauptsache sie machen ihn an. Ist schon recht, geneigter Leser, für die Befriedigung dieser Deiner Triebe habe ich ja den XXX-Bereich auf meiner Homepage eingerichtet. Außerdem kann man bei fehlerhafter Paarung den Partner ja beim Bauerntausch oder in einem dieser anderen RTL-Formate wieder loswerden. Kann also nichts passieren.

"Dennoch", bohrt der ehemals geneigte Leser nach, "woher weiß VIVA, wer auf wen scharf ist?" Während Bauknecht nur weiß, was Frauen wünschen - und wie man die chauvinistischste Werbung des Jahrhunderts macht, natürlich. Nun, bei VIVA, da gilt nix anderes als bei Google und Facebook, die arbeiten alle ganz eng mit der NSA zusammen. Und die wissen schon, mit wem Du bis ans Ende Deiner Tage glücklich werden wirst, bevor Du diese Person überhaupt kennen gelernt hast. Hinzu kommt, dass VIVA denjenigen, die sich wegen vermeintlich fehlerhafter Auskünfte an die sendereigene Beschwerdestelle wenden, in enger Kooperation mit dem Werbepartner NSA einen unbegrenzt langen Urlaub auf einem amerikanischen Anwesen an der kubanischen Küste zu spendieren bereit ist. Gebt mal per SMS "VIVA und Gitmo" ein, da kommen immer 100 Prozent Übereinstimmung raus. Spooky, oder?

Einen Fehler hat dieses Tool aber doch. Es kann lediglich die Übereinstimmung zwischen zwei fest vorgegeben Größen ermitteln. Nur "Rint" eingeben und hoffen, dass VIVA einen geeigneten Begleitwein ausspuckt, das klappt hingegen nicht. Natürlich kann man im try and error-System ausprobieren. Bei etwa 100 großen Bordeaux und etwa 100 Jahrgängen, also etwa 10.000 in Betracht kommenden Weinen, tippe ich mir da auf meinem Handy aber die Igelpfoten wund. Außerdem dürften Jerome-Leander und Larissa-Micaela wenig Verständnis dafür haben, wenn ihre SMS ein paar Wochen zurückgestellt wird, weil erst ein paar Tausend SMS à la "Leowilli Las Cases 1947 und Rint" abgearbeitet werden müssen.

Also zurück zur altmodischen Methode, selbst probieren. Ich habe mich mal spontan entschieden, dem Leo einen Cos d´Estournel zu empfehlen. Elke Drescher und Monsieur Prats haben mir geholfen, den richtigen zu finden, indem sie einfach mal die besten Jahrgänge der letzten hundert Jahre auf den Tisch stellten.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Rote Beete, CousCous und Seeteufel

Da die Rote Beete im Moment so knackig und lecker aussehen wollte ich unbedingt etwas damit machen. Da diese aber nicht kreisrund wachsen, man aber ebensolche Scheiben haben möchte, bleibt viel Rest über. Diese Reste habe ich entsaftet, 1zu1 mit CousCous versehen, gewürzt, hier mit Ras el Hanout, und einvakuumiert. Im Wasserbad bei 80°C 25 Minuten. Fertig. Dazu gab es eine Sous Vide gegarte Seeteufel-Spitzkohlroulade.

Montag, 2. Dezember 2013

Strauss, Spitzkohl und Nudel


Diese Woche hat die EDEKA vorgegrillte Straußesteaks im Angebot. Dieses wollte ich mir nicht entgehen lassen um es vor ab einmal zu testen. Dazu habe ich eine Spitzkohlroulade im Nudelteig mit Grüner Pfeffersahne gemacht. 
Optisch sehen die Steaks recht gut aus. Eklatant ist aber die Abweichung des Garzustandes zum Handzettelfoto. Bei mir waren sie in der Mitte noch recht roh. Da ich die Steaks aber bei 56°C ca. 1 Stunde vorab Sous Vide gegart habe war das bei uns kein Problem. Den meisten Ottonormalverbrauchern wird es aber wohl deutlich zu roh sein. Geschmacklich gab es kaum etwas daran auszusetzen, wobei mich ein Hüftsteak mehr anspricht. Aber wer auf seine Gesundheit achtet und jedes Fett aus seiner Nahrung eliminieren möchte ist bei diesem Fleisch genau richtig. Viele werden den Unterschied zum Rindfleisch wahrscheinlich gar nicht einmal merken. Vielleicht ist es etwas fester im Biss, das ist aber zu vernachlässigen.
Fazit
Gute Idee liebe EDEKA, wieder nicht bis zu Ende gedacht.
Vorgegrillt ist hier leider das Problem. Auf dem Bild kann man genau die unterschiedlichen Garzustände innerhalb des Steaks sehen. Von ganz Durch bis Roh ist alles dabei, aber leider nur 1/10 des Steaks ist richtig gegart. Ein Straußensteak Sous Vide vorgegart wäre wohl die um Welten bessere Lösung gewesen, ohne sich auch noch unnötig in Gefahr mit noch rohem Fleisch zu bringen. 

Aber auch hier wieder Jammern auf hohem Niveau, der Ottonormalverbraucher bekommt ein leckeres Stück Straußenfleisch, wo er nicht mehr viel Falsch machen kann.




Mittwoch, 27. November 2013

Thunfischbauch, Rüben und Grapefruit




Frischer Thunfischbauch, eine Delikatesse, welche sich nur äußerst selten erstehen lässt. Den musste ich verarbeiten.
Frische rohe Rote Beete und Topinambur in Scheiben und dünn mit etwas Fruchtessig bestrichen auf einem Teller anrichten. Eine Vinaigrette bereite, bei der man anstelle von Essig frisch gepressten Grapefruitsaft verwendet. Thunfischbauch in Würfel schneiden, mit etwas Jalapeno, Koriandergrün, Schnittlauch, Salz und bestem Olivenöl vermischen. 20 Minuten ziehen lassen und dann auf den Rote Beete und Topinamburscheiben setzen. Einige Grapefruitfilets darauf geben und alles mit Vinaigrette beträufeln. Daneben gab es noch eine Wasabicremefraiche.

Montag, 25. November 2013

Besuch Bambergs Häuschen

Nach dem vielversprechendem ersten Besuch, eine kleine Auffrischung. Wir wurden nicht Enttäuscht. Hervorragendes Essen, Kluge Zusammenstellung, ach ne das war ja ich. Weil hier gibt es 3 Menüs unterschiedlich nur in der Anzahl der Gänge. Ausgewählt wird dann aus der Karte
Die Weinkarte ist noch übersichtlich, aber im Kern ist schon das Wichtigste vorhanden. Preislich fängt es bei 22,- für 0,75l. an, was wohl keine Selbstverständlichkeit mehr in dieser Restaurant-Kategorie ist.
Der Service war, nach kurzer Eingewöhnungszeit, freundlich und zuvorkommend.
Amuse I Marshmallow mit Lammschinken, Petersilienpüree und Tomateneesenz in Schokokugel
AmuseII Jakobsmuschel auf Selleriepüree
Ta Ta!
Rindertatar, Entenleber, Kürbis
Saint Pierre
Petersfisch, Mango, Estragon, Mohn, Mandel
Sorbet
Mandarine, Kokos

Flamersheimer Lamm
Lammhaxe und Bries, Bohnen, Curry, Joghurt
Birne
Williams Christ, Marone, Brioche
Nach Nachtisch Aprikose, Eis und Gebackenes

Donnerstag, 14. November 2013

Ananas, Jakobsmuschel und Erbsen

Annas und Jakobsmuscheln werden Sous Vide gegart. Die Ananas wird in Viertel geschnitten mit etwas Vanillemark und Honig vakuumiert und zieht dann 12 Stunden im Kühlschrank. Dann 1 Stunde bei 85 °C im Wasserbad garen. Vor dem servieren in der Pfanne arosieren und in dünne Scheiben schneiden. Die Reste der Ananas kann man wieder einvakuumieren und zu einem Dessert reichen.
Jakobsmuscheln mit Thymian und Rosmarin und etwas Butter einvakuumieren und bei 46°C 25 Minuten im Wasserbad garen. Zum Servieren auch vorher arosieren. Erbsenpüree dazu reichen.

Das Erbsenpüree geht recht einfach. 450g TK Erbsen mit 100ml Gemüsebrühe aufkochen lassen. Dann vom Herd nehmen und 5 Minuten zugedeckt ziehen lassen.Mit dem Stabmixer pürieren.
 Zum Schluss mit 2 El Creme Fraiche, Salz und Pfeffer abschmecken.

Montag, 11. November 2013

Thanksgiving Turkey




Verspätetest Thanksgiving Menü. Anstatt den Truthahn im Ganzen zu braten, wo es immer recht schwierig ist den richtigen Garpunkt für Brust und Keule zu bestimmen, wird das Vieh getrennt gegart. Die Brust wird in einer Brine aus Milch und Apfelsaft eingelegt und ganz kurz Sous Video gegart. Die Keule nur mit Salz, Pfeffer und Reichlich Entenschmalz dafür aber über 24 Stunden Gegart. Dazu eine Entenschmalzsauce und eine Cranberryreduktion. Dazu ein Stove Top Püree.

Freitag, 8. November 2013

Willis Vierschänkentournee Teil 4 "Flocons de sel"

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt

Heute: Vierschänkentournee Teil 4




Das Beste zum Schluss? Ja, ich muss gestehen, die letzte Etappe meiner Vierschänkentournee hat mich fast noch mehr begeistert als die erste. Aber fangen wir mal vorne an. Die Waage hatte ich inzwischen längst weggeworfen, das verlogene Biest. Völlig unmöglich, dass ich immer weiter zunehme, wenn ich so heftig mit Messer und Gabel arbeite. Dreimal schon hatte ich mir Igelschweiß in fetten Tropfen auf die Stirn gearbeitet, irgendwann muss sich das doch auszahlen. Also zählt das gefühlte Gewicht. Und das verringert sich noch weiter, wenn man sich der Schwerelosigkeit der Stratosphäre nähert. Also rauf auf den Berg. Bei Megeve. Wo das Flocons de Sel in über 1000 Höhenmetern steht. Emmanuel Renaut kocht dort und hat neben seinen Salzflöckchen auch noch drei Michelinsternchen zusammen gesammelt. Das alleine macht neugierig.

Mittwoch, 6. November 2013

Willis Vierschänkentournee Teil 3 "Osteria Francescana"

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt

Heute: Vierschänkentournee Teil 3






Schon wieder zeigt meine Waage steigendes Gewicht an. Ich muss offenbar beim Gabelsport die Taktfrequenz noch ein wenig erhöhen. Ich versuche es mal beim Italiener, die bringen dort in der Edelküche ja oft viele kleinere Gänge auf den Tisch, da kann ich Messer und Gabel richtig heiß laufen lassen.


Tja, der Italiener, der hat mich mit seiner Sterneküche häufig eher enttäuscht. Weil die nahezu unumgängliche Pasta zwar recht einfach in guter Qualität auf den Tisch zu bringen ist, so dass die Durchschnittsküche in Italien oft auf deutlich höherem Niveau arbeitet als die sich an Hochküche verkünstelnden Durchschnittskönner in Frankreich oder Deutschland. Dafür hat Pasta nach oben aber offenbar gewisse Grenzen, selten habe ich es erlebt, dass sie überzeugend dreisternig verfeinert worden ist. Vielleicht wenn man mal den Calandre bei Padua ausnimmt, das derzeit wahrscheinlich beste Restaurant Italiens. Aber den kannte ich schon, deswegen habe ich jetzt mal einen Hausbesuch in der Osteria Francescana in Modena gemacht.

Seltsam, seltsam, die Tür ist verschlossen. Man muss erst klingeln, ehe man eingelassen wird. Haben die so viel Straßenkriminalität in Modena, oder was ist da los? Na, seis drum, ist man einmal drin, fühlt man sich wohl. Moderne Kunst an den Wänden des Eingangsbereichs, durchaus in knalligen Farben. Deutlich dezenter aber ebenso modern im einzigen Gastraum, in dem gerade einmal fünf, sechs Tische Platz haben. Nobel eingerichtet, wenn auch ein wenig minimalistisch.


Entscheidend ist sowieso auf dem Teller. Da gab es an diesem Mittag ein sechsgängiges Menü für 110 Euro, für die Dreisterneklasse ist das inzwischen absolut günstig. Statt eines Amuse wurden Brot und exzellentes Olivenöl aufgefahren. Das erscheint ungewöhnlich und vielleicht auch ein wenig lieblos, angesichts der exzellenten Qualität des Öls fand ich es aber durchaus angenehm. Es sollten ja noch sechs Gänge folgen.

Montag, 4. November 2013

Willis Vierschänkentournee Teil 2 "Residence de la Pinede"

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt

Heute: Vierschänkentournee Teil 2


Nach dem Besuch in Fontjoncouse und dem heftigen Werkeln mit Messern, Gabeln und Löffeln, hätte ich eigentlich schon erste Effekte auf der Waage erwartet. Satz mit X, seltsamerweise hatte ich sogar ein wenig zugenommen, trotz der körperlichen Anstrengungen. Also musste ich weiter trainieren und steuerte als nächstes nach Saint-Tropez zum Vague d´Or des Arnaud Donckele.

Ja, ja, ich kann mir schon vorstellen, wie der geneigte Leser den Kopf schüttelt wie ein Parkinsonkranker. Und bei sich denkt: „Willi, Willi, beim heiligen Tropez gibt es doch nur Schickis und Möchegerns, Neureiche und Geissens, da wirst Du im Leben nicht vernüftig essen können. Und vor allem isses viel zu teuer.“ Ja, im Schnitt kommt das wohl hin, geneigter Leser, nirgendwo kann man so viel Geld für schlechtes Essen ausgeben wie an der Azurküste, gerade in tropezianischen Gefilden ist das leichter als gegen Bayern München zu verlieren. Aaaaber, der Donckele, dieser Kerl, der hat vom Michelin ganz frisch den dritten Stern bekommen, der muss doch was können! Dachte ich mir mal so und reservierte tatkräftig einen Tisch für zwei, um mit der besten Igelin von allen am Abend der Bundestagswahl das Abschneiden der FDP angemessen feiern zu können.

Als wir eintrafen, so gegen 20:00 Uhr, bewegte sich die Kanzlerin in den Hochrechnungen gerade noch auf eine Alleinregierung der Union zu, gleichzeitig verfestigte sich die Nachricht vom politischen Ableben der FDP. Wenn einem soviel Gutes wird beschert, reicht einfacher Asbach Uknall nicht aus, sondern muss schon tief in die Champagnerkiste gegriffen werden. Jahrgangschampagner von Laurent Perrier, in weiß und rosé erhältlich, der mundete auf der Terrasse direkt am Mittelmeer besonders gut. Denn, das muss man sagen, das Hotel La Pinede, in dem das Vague d´Or residiert, liegt an einer der schönsten Ecken der grande bleue, mit Privatstrand, mit herrlichem Piniengarten, ja, schlicht mit allem Zipp und Zapp!

Kaum stand der Schampus auf dem Tisch, folgten auch schon die Amuses – ganz köstlich zunächst die mit Kräutern geröstete hauchdünne Specktranche. Dann Piniekernmarshmellows mit Rosmarin, im Teig ausgebackene Langoustines mit Thaibasilikum und Meeresschnecke in Kräutercreme. Man merkt schon, die Kräuter bilden hier ein Leitmotiv, die nahe Provence liefert ja das Nötige in Hülle und Fülle, der gebürtige Nordfranzose Donckele hat erkennbar seinen Spaß daran.

Inzwischen meldeten die Freunde aus Deutschland, es werde eng mit den Sitzen für die Union, also sicherten wir uns wenigstens mal unsere Sitze drinnen im Lokal. Wo wir gefragt wurden, ob wir einen Apero wünschten. Nun hätte ich auf den Tod der FDP sicher gerne noch ein paar Humpen Champagner geleert, aber es verwirrte doch ein wenig, dass man offenbar nicht wusste, dass wir bereits ein Weilchen auf der Terrasse getagt hatten. Immerhin kamen dafür auch die Amuses ein zweites Mal, was angesichts der exzellenten Qualität von uns keineswegs moniert wurde.

Samstag, 2. November 2013

Bohnen, Blutwurst und Barbe




Rheinische Version von Cassoulet. Naja nur die Blutwurst reicht vielleicht doch nicht für eine rheinische Version, man ist aber auf einem gutem Weg.

150g Cannellini Bohnen 12 Stunden in der dreifachen Menge Wasser einweichen. Dann im Einweichwasser 50-60 Minuten kochen.
1 Ochsenherztomate, 1 grüne Paprika und 1 rote Paprika enthäuten und in Würfel schneiden. 1 Zwiebel würfeln und in etwas Olivenöl anschwitzen. Paprika, Tomaten und abgetropfte Bohnen dazugeben. Etwas 5 Minuten braten lassen. 1 große, ca. 10cm, Scheibe Blutwurst von beiden Seiten anbraten. 8 Rotbarbenfilets in etwas Olivenöl anbraten. Nur auf der Hautseite. Mit Salz und Pfeffer würzen. Alles zusammen servieren.

Freitag, 1. November 2013

Willis Vierschänkentournee Teil 1 "Auberge de Vieux Puits"

Der allseits bekannte und beliebte Igel macht jetzt nicht mehr nur in Wein, sondern übt sich jetzt auch ein wenig in Gastro Kritik. Hier die Premiere


Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt

Heute: Vierschänkentournee Teil 1

Immer nur diese Sauferei, das bekommt einem Igel auf Dauer nicht. Deswegen habe ich mir etwas Bewegung verschrieben. Kaum zu glauben, was man zum Beispiel so alles an Kalorien verbrauchen kann, wenn man kräftig mit Messer und Gabel arbeitet. Immer schön aus dem Ellenbogen, das gibt Muskeln und hilft gegen den Waschbärbauch. Also raus aus der Wohnhöhle und sportlich-dynamisch losgelegt zu einer kleinen Tour durch einige hochdekorierte Lokale. Der Gesundheit zuliebe!

Den Anfang macht die Auberge du Vieux Puits in Fontjoncouse. Wo das ist? Hmm, ja, diesen Schlemmertempel besonderer Güte haben die Franzosen besonders gut versteckt, damit wir dummen Ausländer ihn nicht so einfach finden. „Eine halbe Stunde von Narbonne entfernt“ klänge nicht wirklich kompliziert, aber Fontjoncouse ist so ein Ort, wo Google die Straßen noch nicht abgefilmt hat. Gibt man das ins Navi ein, zuckt es mit den virtuellen Schultern und würde, wäre der Satz denn programmiert, am liebsten „verarschen kann ich mich alleine“ sagen. Da hilft nur der Michelin-Straßenatlas. Der zeigt, dass man erst einmal von Narbonne aus auf der Nationalstraße in Richtung Perpignan fahren sollte, dann, so kurz vor Sigean, rechts ab, durch die Corbières, vorbei an Château Lastours und Château Haut-Gléon. Der Dachs rechts neben der Straße ist bei Michelin nicht eingezeichnet, er wartet wohl auf den Fuchs und den Hasen, die sich hier gleich gute Nacht sagen werden. Immer enger werden die Straßen, irgendwann ist dann ein Dorf mit genau einem Gewerbesteuerzahler erreicht, Fontjoncouse.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Wirsing, Kartoffeln und Kasseler


Sturmwetter. Da braucht es was für die Seele. Soulfood. Heißt bei uns meist Eintopf. Eintopf mag aber der Nachwuchs nicht. Da wird der Wirsing nur geschmort, die Kartoffeln separat gekocht und das gewürfelte Kassler wird langsam in der Pfanne gebräunt. Voila, so schmeckt es allen und der Sturm kann draussen weiter wehen.

Montag, 28. Oktober 2013

Rote Grütze, Riesling-Butter-Eis und Gebäck


Rote Grütze einmal anders. Der Schaum wird aus pürierten und passierten Beeren hergestellt, indem man das Püree in einen Sahnesiphon gibt und diesen aber nicht mit einer Sahnekapsel lädt, sondern mit einer Kohlensäurepatrone. Dies ergibt eine sehr erfrischende Rote Grütze.

Samstag, 26. Oktober 2013

Willi Igel, die Kollektion des Jahres

Weh-Weh-Weh Willis Hausbesuche


Heute: Kollektion des Jahres

„Weinführer, Weinführer, die braucht kein Mensch!“ Klarer Konsens in meiner allmonatlichen Verkostungsrunde. Denn selbst der Herr Parker hatte es ja nicht wirklich drauf, immer wieder erwischen wir ihn dabei, dass sich Weine nach 20 Jahren ganz anders entwickelt haben als er es prognostiziert hatte. Und überhaupt, wer ist das überhaupt, dieser Parker? Am Schluss hat ja ein ganzes Team für ihn verkostet und längst nicht überall, wo Parkerpunkte draufstand, waren auch Parkerpunkte drin.

Immerhin war er nicht bestechlich, der Maryland Bob. Über andere Autoren hört man ja immer wieder tolle Gerüchte, von wegen weit geöffneter Kofferraumdeckel oder Ähnliches. Wieder andere Publikationen veröffentlichen Bestenlisten, auf denen aber nur diejenigen Betriebe aufscheinen, die bereit sind, im Gegenzug soundsoviele Exemplare des entsprechenden Heftes oder Buches abzunehmen.

Und überhaupt, die haben ja zum Teil einen völlig abwegigen Geschmack, die Autoren dieser Weinführer. Denen gefällt zum Teil ein Zeug, das würde man sich seiner Hauskatze nicht zu geben trauen. Fast könnte man glauben, da liefe ein Wettbewerb, wer den abwegigsten Geschmack hat. Rieslinge aus dem Holz werden hochgejubelt, Weine mit gnadenlos amputierter Frucht zur ultima ratio erklärt, Rebsorten verklärt, die die Welt nicht braucht. Der weißgepresste hellrote Goldmuskatellerriesling, herrlich, die schmecken alle wie der Zweite. Und dann gibt’s ex cathedra den Hinweis, dass der Durchschnittstrinker diesen Wein halt nicht versteht, den nur der Herr Weinjournalist so richtig zu begreifen vermag. Ein Wein, der aber selbstverständlich völlig neue Dimensionen eröffnet, neue Maßstäbe setzt und sich endlich einmal vom unerträglichen Mainstream absetzt. Meistens dadurch, dass er nicht schmeckt.

Nee, bleibt mir weg mit Weinführern! Wobei, also, nur mal so unter uns, das macht natürlich schon neugierig, wenn der Eichelmann jetzt schreibt, dass der Winzer X für 15 Euro einen Morstein hergestellt hat, der dem 50-Euro-Geschoss von Wittmann fast ebenbürtig ist. Da könnte man doch beim Gut mal ein Sixpack ordern? Und 100 Punkte von Parker für die Halenbergspätlese von Dönhoff? 100? Da rufe ich doch gleich mal im Fritzmarkt an und frage den Händler meines Vertrauens, ob er für mich da dran kommt. Zusammen mit der Goldkapselhölle von Künstler, die brauche ich natürlich auch, der hat der Sam von Wein-Plus doch ebenfalls volle 100 Punkte zugehofschustert.

Ja Himmelherrgott nochmal, das ist ja die Crux mit diesen Weinführern. Sie sind Weinverführer. Allesamt. Sie verführen zum Weinkauf. Denn diese Neugier, ob das, was einem Profi so richtig Freude gemacht hat, wirklich so genial ist, wie er das ge- oder, schlimmer noch, beschrieben hat, die ist einfach nicht totzukriegen. Und inzwischen kommen die Blogger noch dazu, diese Pest. Sitzen da mit alkoholglänzenden Augen in Mainz oder Frankfurt oder Berlin und probieren die großen Gewächse des VDP, fotografieren sich dabei, und geben Fotos plus Kommentare live und in Farbe ins Gesichtsbuch ein. Damit man die roten Nasen und die Probiereuphorie dokumentiert bekommt und endlich weiß, dass das Kirchenstück von Bürklin, also das Kirchenstück, also nee, also wow, also das ist nun wirklich so zum Niederknien, dass man endlich mal versteht, warum das Kirchenstück heißt. Ja und dann muss ich das natürlich auch gleich wieder haben.

Jetzt reicht es aber! Endgültig! Jetzt schlage ich zurück! Und verleihe erstmals die Auszeichnung der „Willi Igel-Kollektion des Jahres“. Nicht en direct von den großen Verkostungen, sondern mit gehörigem Abstand, ich musste ja erst einmal alles vertieft probieren und dann vor allem für mich selbst eine ausreichende Menge an Flaschen sichern. Denn wenn ich hier erst einmal ausgeplaudert habe, wo der Hammer 2012 tatsächlich hing, dann ist das Zeug ja innert weniger Tage ausverkauft. Zumal ich erstens keinen abwegigen Geschmack habe, sondern mich zum Mainstream bekenne, zweitens verfügt mein Wagen über keinen Kofferraum und mussten die Preisträger keine Zeitschriften kaufen, um hier erwähnt zu werden. Nein, beim Weinigel werden wirklich die Besten gekrönt. Punkt, Aus, Ende!

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Eingelegtes Gemüse mit Wachtelbrust Sous Vide

Selber eingelegtes Mixed Pickles. Dazu nehme ich immer den Melfor  Côté Sud Essig, denn dieser hat nur 3,8% Säure. Wer an das französische Original nicht herankommt, der deutsche Melfor ist leider nur ein Abklatsch des Französischen, der kann sich am besten mit einem Kräuteressig helfen. Da muss allerdings dann etwas mehr verdünnt werden.
Ich lege die vorher blanchierten Gemüse immer in direkt in den Essig dem ich ich auf 100ml noch 10g Zucker und 2g Salz zufüge. Meist reichen für die dünnen Gemüse 2-3 Stunden. Für die Maiskölbchen kann man 5-6 Stunden rechnen, dieser piekse ich auch noch mit einer Rouladennadel ein. Gleiches gilt für Perlzwiebeln.
Die Wachtelbrust wird 30 Minuten Sous Vide bei 54°C gegart. Danach kann man in Eiswasser kühlen und ist dann gekühlt bis zu 10 - 14 Tage haltbar.  Nach Bedarf aus dem Kühlschrank nehmen und braten.
Das ist immer dann Sinnvoll wenn man ganze Wachteln kauft und nur Keulen oder die Brüste einzeln braucht.


Montag, 14. Oktober 2013

Paprikapraline

Ich habe mal wieder die Zeit gefunden etwas zu kochen. Die Paprikapralinen gab es zur Einstimmung. Auch als Einstimmung an alle Leser gedacht, dass hier jetzt wieder mehr passiert.

Rezept

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Luxemburgs beste Pommesbude

Man kann ja zu den Fernsehköchen stehen wie man will. Eines funktioniert in jedem Fall. Man wird Neugierig. Was liegt da Näher, als auf dem Weg von Köln in die Champagne in Luxemburg eine kleine Mittagsrast einzulegen und das Bistro von Lea Linster zu besuchen. Dieses ist nach ihrem Lieblingsgebäck benannt, den Madeleines. Der Pavillon Madeleine befindet sich in einem neu gestaltetem Park in Kayl. Das Gebäude ist ein Quader der außen mit verrosteten Stahlplatten verkleidet ist. Sehr spannend. Foto habe ich leider vergessen zu machen, aber folgt dem Link da kann man es sehr schön sehen.

Das Essen ist auf schnelle Bistroküche ausgerichtet. Steak Tatare mit Pommes, Steak mit Pommes, Fisch mit Pommes, naja nicht ganz fair aber diese Gerichte konnte man auch ordern. Die Küche ist schnell und gart auf den Punkt, das Essen ist schmackhaft. Für auf der Durchreise nach Frankreich sehr gut geeignet um eine Pause einzulegen. Mehr allerdings auch nicht.

Ein Spaziergang im Park Ouerbett lohnt in jedem Fall auch das Gebäude des Pavillon Madeleine ist sehenswert. Für Kinder gibt es einen sehr schönen Spielplatz, als Hochseilgarten 30cm über dem Boden angelegt. Ein Spaß auch noch für größere Jungs (und Mädels).

Bild oben: Saiblingstatar
 Salat und Schinken (kann man nicht viel falsch machen, aber der luftgetrocknete war viel zu salzig)
 Salat mit Serrano und Shrimps
 Kalbsnieren und gebratener Kartoffelstampf mit Lauch (nicht im Bild)
Steak Tatare mit Pommes

Mittwoch, 9. Oktober 2013

111 Mal Lecker Essen in Köln, nee keine Rezension

Der Kölner kann nur in Schnapszahlen und nach dem wir uns schon die 111 schönsten Orte und Kneipen Kölns anschauen durften gibt es das jetzt auch "für zum Essen" wie der Kölner so schön sagt.
Da ich die beiden Spezies, die das Werk geschrieben haben kenne, kann es durchaus sein, dass ich deshalb ein Belegexemplar zwecks Rezension erhalten habe. Vielleicht hat es auch mit dem einen vielleicht auch dem anderen Tipp zu tun den ich geben konnte. Man weiß es nicht.

In jedem Fall kann man das Werk jedem engagierten Restaurantbesucher der in oder um Köln wohnt (vielleicht auch demjenigen, welcher eine Reise in die Domstadt unternimmt) nur empfehlen, der einmal Abseits seiner ausgetretenen Pfade wandeln möchte. Vieles kennt man, von einigen hat man vielleicht gehört, aber manche Tipps sind selbst mir unbekannt gewesen.
Die Herangehensweise der beiden Autoren ist eher unorthodox. Sterne Restaurant neben Frittenbude und dem Chinesen an der Ecke. Griechen neben deutscher Kneipe.
Völlig unkompliziert, manchmal lustig geschrieben aber immer treffend sind die Lokale beschrieben. Nie langatmig, sondern immer nur eine Seite. Zur Information reicht das völlig aus und ist doch meist mehr als in vielen anderen Restaurantführern steht, wo meist nur für einige Zeilen Platz ist.

Definitiv werde ich das Werk noch des öfteren zu Rate ziehen, wenn es wieder mal heißt: "Wohin gehen wir denn Essen, irgendwer eine Idee?"
Hier ist für jeden Geschmack und Geldbeutel das Richtige dabei.


Ich schreibe mal die ISBN Nr. hier hin.
  • ISBN-10: 3954512149
Verweise im Kern aber auf den lokalen Buchhandel, für denjenigen, der dieses Werk erstehen möchte.
Bei uns gibbet datt natürlich auch.

Montag, 7. Oktober 2013

Champagne, zu Gast bei Jacques Selosse

Wer in der Champagne weilt, für den lohnt ein Besuch bei Jacques Selosse. Die Weinkarte ist gut gefüllt und durchaus bezahlbar. Was leider die eigenen Champagner des Hauses nicht betrifft, aber immerhin bekommt man sie hier.









Dienstag, 10. September 2013

Weh-Weh-Weh Willis Hausbesuche Heute: Van Volxem



Weh-Weh-Weh Willis Hausbesuche


Heute: Van Volxem




Es ist Wahlkampf! Nur wenige Tage noch, dann steht die große Entscheidung an. Wer wird gewinnen? In aufgeregten Wahlsendungen wird berichtet, Redeschlachten, Duelle, Posts im Internet, es geht fast schon in den Overkill. Wer am Ende ganz vorne stehen wird, wir wissen es noch nicht. Der Kampf um den Titel der deutschen Weinkönigin 2013 ist völlig offen.

Werfen wir einen Blick auf die Wahlprogramme der Kandidatinnen, Willi Igels kleiner Wahlomat, ein Sonderservice für den geneigten Leser: Die Kandidatin aus Baden will eine Maut für Monorails in Steillagen, die von der Saale hätte gerne die Sektsteuer erhöht, um Weine aus benachteiligten Gesteinsschichten gezielter fördern zu können. Die Rheinhessin wirbt mit einer Kampagne zur Terroirismusbekämpfung, die von der Bergstraße fordert die völlig Gleichstellung von Grau- und Weißburgundern. Die AfD (Ahrkönigin für Deutschland) verlangt den Ausstieg aus der Europalette im Weinversand, für die Mosel fordert Silvaner Koch-Mehrin die Anerkennung des Bernkasteler Doktortitels. Die Pfälzerin will nicht nur Kopftücher, sondern auch Tresterhüte verbieten, die Rheingauerin der Hallgartener Juffer das Betreuungsgeld streichen. Die Württembergerin ist für den Wiedereinstieg in die Traubenkernenergie, die von der Nahe möchte Traubenkernölheizungen verbieten. Die vom Mittelrhein will die volle Anerkennung von Reberziehungszeiten in der Rentenversicherung, die Sächsin postuliert ein bedingungsloses Grundweinkommen, was wiederum die eher konservativ ausgerichtete Fränkin dazu veranlasst, der Sächsin das Nordheimer Vögelein zu zeigen. Wer da auf Augenhöhe mitdiskutieren will, muss sich erst ein Erdloch graben.

Das Ganze wird auch 2013 leider schon wieder nicht von Stefan Raab moderiert, sondern wahrscheinlich erneut von einem dieser dauergrinsenden inkompetenten Ohrfeigengesichter, die sich der SWR in unterirdischen Fabriken dutzendweise aus Überresten von Hans Meiser und Johannes B. Kerner zusammenklont - wobei Vinophile ja längst wissen, dass mit Kerner nix anzufangen ist. Der Leidtragende ist wie immer der Gebührenzahler.

Nein, nein, und nochmals nein, wenn schon Blondinen mit langen Beinen und langen Haaren, dann bin ich für Roman Niewodniczanski, der hat auch oenologisch deutlich mehr drauf. Ich habe mir mal erlaubt, im Rahmen eines meiner beliebten Hausbesuche seinen aktuellen Jahrgang zu verkosten. In der Bloggerberichterstattung von der Verkostung der Großen Gewächse des VDP überschlugen sich die Kommentare ja geradezu vor Euphorie - nur kniend könne man die Weine in diesem Jahr verkosten, das sei eine Liga für sich. Na mal sehen...



Diskussion auf Augenhöhe - Willi Igel und Roman Niewodniczanski


Der Weißburgunder 2012 ist jedenfalls schon einmal ein prima Auftakt, fein, erstaunlich opulent und fruchtbetont, so kennt man die Rebsorte kaum. Und natürlich schafft Van Volxem es, da sogar noch eine Messerspitze Schiefer mit hineinzutragen. Für 11,90 Euro ein ziemlicher Preis-Leistungs-Knüller, 85 von 100 Willipunkten.

Einer meiner Liebling dann direkt mit der Startnummer 2, der Schiefer Riesling 2012. Hei, das hat einen Charme, wunderbar. Cremiges Mundgefühl, schöne Frucht, kühle schiefrige Mineralik im Hintergrund, hervorragend balanciert und für den vermeintlich kleinsten Riesling des Hauses schon mit sehr ordentlich Tiefgang und Druck am Gaumen unterwegs. So einer dieser Weine, die nicht nur dem Gelegenheitstrinker schmecken, sondern auch dem Weinfreak ein anerkennendes Grinsen entlocken. Das nur noch breiter wird, wenn er hört, dass es das Zeug noch knapp unter der Zweistelligkeitsgrenze zu kaufen gibt, Neunkommaacht Euro, das ist ein must buy! 87 von 100 Willipunkten.

Der Saar Riesling 2012, eigentlich knapp über dem Schiefer Riesling angesiedelt, hat mir nicht ganz so gut gefallen. Klar, eine kräftige Frucht und das schöne Saar-Terroir mit seinen schiefrigen Noten hat der auch im Gepäck, er wirkt aber nicht ganz so rund und balanciert, etwas nervöser und ganz leicht phenolisch. Deswegen von mir nur 84 von 100 Willipunkten.

Deutlich harmonischer dann wieder der Wiltinger Braunfels 2012. Auch hier diese faszinierende Cremigkeit im Mund, der streichelt fast die Papillen, etwas kreidiger vielleicht, das wirkt in der Mineralität nicht ganz so schiefrig. Wunderbar voll, was für ein Pfund von einem Wein, mit schöner gelber Frucht. War schon ganz am Anfang einer meiner Favoriten, als Roman Niewodniczanski das Gut übernommen hatte und mit den Jahrgängen 2000 und 2001 Furore machte. 2012 bin ich wieder hingerissen wie einst im Mai, 87 von 100 Willipunkten, 13,50 Euro ab Werk.

Der letzte der "Gutsweine" setzte noch einmal einen drauf, der Riesling "alte Reben" aus 2012. Noch kräftiger, noch etwas tiefgründiger, von der Komplexität her kratzt das schon an der Tür der GG-Abteilung. Die Frucht ist derzeit noch etwas im Hintergrund, die Mineralität dominiert, insgesamt gibt sich der Wein noch ziemlich verschlossen. Aber da mache ich mir keine Sorgen, das wirkt rund und harmonisch, sollte sich sehr gut entwickeln und müsste eigentlich auch in jeden Keller. 88 von 100 Willipunkten, erhältlich für 15,90 Euro.

Nun ging es weiter in die Welt der Rieslinge aus Großen Lagen, der Goldberg 2012 machte den Auftakt. Kühle Stilistik, recht kräutrig in der Nase und im Anklang, duftig, viel Frucht in der Mitte und im Abgang. Schöne Komplexität, allerdings auch mit einem leichten Bitterl unterwegs. Deswegen von mir - gegen den Mainstream - hier nur 88 von 100 Willipunkten, ich bin bei Bitternoten ein wenig empfindlich. Ist vielleicht eine Frage des persönlichen Geschmacks, um mich herum hörte ich bei den Mitverkostern viel Lob für diesen Wein, die meisten sahen ihn besser als ich.

Beim Scharzhofberger 2012 waren wir uns dann wieder einig. Das hat das Gut in diesem Jahr eine ganz neue Dimension eröffnet. Noch nie habe ich diesen Wein so mineralisch erlebt, so sparsam in der Frucht. Fast ruppig wird der Schiefer hier, unglaublich tiefgründig, ewig lang und fast schon krawallig im Abgang. Das braucht richtig viel Zeit, da würde ich frühestens in fünf Jahren drangehen. Dann aber sollte es sehr groß werden können. Schwer, das heute in Punkten auszudrücken, ich zücke mal 91 von 100 Willipunkten und male ein dickes Plus dahinter, das kann mühelos noch ein, zwei Punkte zulegen.

Auf ähnlichem Niveau zeigte sich der Volz 2012. Etwas andere Stilistik, fruchtbetonter, eher cremig und elegant als ruppig und brachial, allerdings ebenfalls noch sehr verschlossen. Auch dies ein Wein von großer Tiefe und Komplexität, mit einer erst anklingenden Mineralik, die sicher noch deutlich kräftiger werden wird. Bekommt ebenfalls 91 von 100 Willipunkten und natürlich auch das dicke Plus fürs Potenzial.

Als nächstes gab es noch einmal Scharzhofberger, den Pergentsknopp 2012. Eindeutig der große Bruder des ersten Scharzhofbergers der Verkostung. Der sehr große Bruder, möcht eich präzisieren. Denn der - P - bringt ebenfalls diese gewalttätige Mineralik mit, etwas herb, etwas düster, mit einem leicht salzigen Einschlag. Aber noch eine dicke Dimension größer, tiefer, intensiver als der kleine Bruder. Hier erreichen wir die Abteilung des Monumentalen. Mann, was wird der Zeit brauchen! Aber ich müsste mich schwer täuschen, wenns nicht in zehn Jahren der stärkste Weine dieser 2012er-Kollektion wäre. 96 von 100 Willipunkten, auch hier mache ich noch ein Plus dahinter, das Potenzial ist unglaublich.

Das kann man eigentlich nicht mehr toppen, und dennoch war der Altenberg 2012, der als nächstes zur Verkostung anstand, auf den ersten Reinschmecker sogar noch besser. Weil der halt heute schon so herrlich offen ist, einem Aprikosen und Pfirsiche an den Gaumen haut wie eine Dreschmachine. Ist das voll und saftig!!! So einer dieser Weine, wo die Flasche schon leer ist, bevor man richtig angefangen hat, ihn zu trinken. Unglaublich komplex und lang, toller Trinkfluss und höchster Spaßfaktor. Heute sicher zugänglicher und leichtgängiger als der Pergentsknopp, aber nicht ganz so monumental und überwältigend wie dieser. Deswegen "nur" 95 von 100 Willipunkten.

Den Schlusspunkt setzte schließlich der Gottesfuß 2012, ein wunderbar voller, opulenter Wein, der eine tolle Balance von Frucht und Mineralität an den Gaumen bringt - und das in einer unglaublichen Intensität. Faszinierende Länge und Dichte. Warum er bei mir trotzdem schlechter abschneidet als die beiden Vorgänger? Vielleicht weil diese noch mehr Charakter noch mehr Individualität mitbringen. Auch das sicher wieder eine Geschmacksache, viele Verkoster haben den Gottesfuß auf gleicher Höhe mit dem Altenberg gesehen, für mich liegt er bei respektablen 92 von 100 Willipunkten.

Insgesamt tatsächlich eine beeindruckende Kollektion aus einem natürlich auch sehr guten Jahrgang.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zur Reifungsfähigkeit. In den Bloggs wurde gelegentlich geschrieben, dieser Jahrgang werde "wahrscheinlich", "sicherlich", "hoffentlich", "definitiv" besser reifen können als die Weine aus den ersten Van Volxem-Jahren unter Roman Niewodniczanski. Das finde ich ja hochinteressant. Bei einer kleinen Weinprobe vor einigen Tagen habe ich mal die Wiltinger Kupp aus den Jahren 2001 und 2002 aufgezogen. Damals bei Van Volxem noch unter diesem Lagennamen abgefüllt und bei mir recht lange im Keller liegen geblieben, auch weil ich damals diesem Wein mehr Lagerungspotenzial zubilligte als den Scharzhofbergern und Gottesfüßen, die schon vor drei, vier Jahren den Weg aller Dinge, also in den Igelmagen gegangen sind. Und diese beiden Kuppen waren nicht nur voll auf der Höhe, sie haben mir besser gefallen als je zuvor. So dass es mir jetzt sehr Leid tut, dass ich die Scharzhofberger schon ausgetrunken habe. Reifen konnten die jedenfalls damals auch schon, Ihr ahnungslosen Blogger! Wer so einen Unsinn zusammenschreibt, schaut auch die Wahl der deutschen Weinkönigin. Oder sitzt schlimmstenfalls sogar in der Jury.

Donnerstag, 15. August 2013

Willis Hausbesuche Heute: Leon Beyer




Weh-Weh-Weh Willis Hausbesuche


Heute: Leon Beyer

Früher wars ja so, dass man sich auf dem Gang zum Briefkasten freute. Klar, im randvollen Kasten lag zwischen den Briefen von Freunden und den Zeitungen, die man so im Abo hatte, immer wieder auch mal die eine oder andere Rechnung, gelegentlich auch mal Post von der Stadt, die wieder einmal fand, dass man anderswo hätte parken, die Parkuhr bedienen oder langsamer hätte fahren sollen. Aber so im Schnitt, da war der Inhalt des Postkastens, dann doch eher von der erbaulichen Sorte – denn für jeden Bettelbrief des Ordnungsamtes waren mindestens vier, fünf Liebesbriefe von rattenscharfen Igelinnen im Angebot. Ja, den Kasten streichelte man, wenn man nach Hause kam, man lobte ihn („feiiiin“) für seine Arbeit und für seinen Inhalt, fast wie einen Koch für das zubereitete Gericht. Auch wenns natürlich Unsinn war, weil der Kasten ja nichts auf demselben haben musste, um zu einem intellektuell schmackhaften Inhalt zu kommen. Da waren eher die Briefeschreiberinnen und der Postzusteller verantwortlich zu machen. Dennoch, der Akt des Aufbewahrens und Ausspuckens dieser schönen Post wollte ja auch gewürdigt werden.
Das war früher. Heute ist der alte Kamerad an der Haustür ganz schön abgemagert. Er wirkt mürrisch. Liegt auch an mir, so richtig loben mag ich ihn nicht mehr. Statt des Dutzends von Sendungen, die früher täglich drin waren, kommt nur noch alle paar Tage etwas. Der Postkasten lebt praktisch Diät. Steht ihm nicht gut. Außerdem landet das Angenehme, also die Fanpost und die Liebesbriefe, praktisch komplett als Elektrokorrespondenz in der Mailbox, Papierbriefe schreibt kaum noch einer und die meisten Zeitschriften liest man auch eher tagesaktuell online. So dass der Briefkasten nichts anderes mehr birgt als Rechnungen und diese Zahlungsaufforderungen der Stadt. Davon bekäme er Verdauungsbeschwerden, meinte er neulich erst, das sei alles Ausschuss – und dann diese ständigen Diäten, er fühle sich schon wie ein Abgeordneter.
Ich habe ihm daraufhin versprochen, dass es künftig wieder mehr zu futtern geben werde. Und den Vorsatz habe ich umgesetzt, denn seit einigen Monaten läuft da bei mir ein etwas größer angelegter Tierversuch mit den Ordnungsbehörden von Stadt und Land. Ich will mal testen, wie oft die mir in der Auseinandersetzung über einen ziemlich lächerlichen Verkehrsverstoß antworten, ohne dass mir zusätzliche Kosten entstehen. Dem Postkasten gefällts, denn er weiß, dass ich mich über die Schriebe der Ordnungsbehörden, die auf meine bewusst dämlichen bis impertinenten Briefe ebenso unermüdlich wie bürokratisch antworten, immer mehr freue – und dass es mich abgesehen vom Porto keinen müden Cent kostet, mich mit den Behörden zu streiten.
Auslöser war wie gesagt ein eher harmloses Ding. Ich sei zu schnell gefahren hieß es. Und ich hätte auf die schriftliche Verwarnung der Polizei hin nicht bezahlt. Also werde das angebotene Verwarngeld von 20 Euro jetzt zum Bußgeld und kämen Verwaltungskosten in gleicher Höhe hinzu. Na sowas! Ich hatte doch gezahlt. Gut, ich hatte das Aktenzeichen zur Sicherheit nicht angegeben, ein wenig will man die Kameraden ja auch beschäftigt halten. Und ich hatte in den Verwendungszweck der Überweisung geschrieben, ich protestierte gegen die Abzocke. Da haben die das Geld doch glatt zurück überwiesen. Es sei keinem konkreten Verstoß zuzuordnen. Klar, kann ich mir vorstellen, wo es doch so viele Strafzettel gibt, die reine Abzocke sind. Aber immerhin, mein guter Willi Wille war da.
Was macht man in so einer Situation? Zahlen muss man am Ende, das ist klar. Aber meinen Spaß will ich ja auch haben… Also schreibe ich erst einmal, ich hätte doch bezahlt, und schicke eine Kopie der Überweisung mit. Erwartungsgemäß kam die Antwort, man hätte nicht zuordnen können und habe deswegen zurücküberwiesen, das hätte mir doch auffallen müssen. Nö, habe ich mal geantwortet, wie hätte ich die Überweisung der Stadt denn diesem konkreten Verstoß zuordnen sollen, wenn die Stadt selbst das mit meiner Überweisung auch nicht gekonnt habe. Angesichts der Vielzahl der Strafmandate, die sich im Laufe eines Monats so ansammelten, sei das für mich nicht so einfach. Ja gut, schrieben sie mir wieder, jedenfalls müsse ich noch einmal zahlen. Klar, antwortete ich, doch natürlich keine Gebühren, die ja durch die Unfähigkeit der Stadt zur Zuordnung überhaupt erst angefallen seien. Zumal in der Verwarnung auch nicht gestanden hätte, dass man das Aktenzeichen habe angeben müssen. Und außerdem wolle ich wissen, warum dort überhaupt eine Geschwindigkeitsbegrenzung sei, die hielte ich nämlich für unangemessen.
Doch, zahlen müsse ich, kam gleich die Antwort, auch die Gebühren. Und für die Geschwindigkeitsbegrenzung sei man nicht zuständig, das verantworte die Bezirksregierung. Was das denn für ein Rechtsverständnis sei, habe ich gefragt, wenn eine Behörde einfach Inkasso für eine andere Behörde mache, ohne die Rechtsakte, deren Brechen das Inkasso überhaupt erst erlaube, zu hinterfragen, zu prüfen oder zumindest zu verstehen. Vor diesem Hintergrund müsse ich dann doch Dienstaufsichtsbeschwerde erheben, gegen Beamte, die so unreflektiert arbeiteten. Und noch dazu so wenig kundenfreundlich, dass sie nicht einmal in der Lage seien, Zahlungen Verkehrsverstößen zuzuordnen. Die Beschwerde wurde zurückgewiesen, wogegen ich natürlich mit neuen, interessanten Argumenten protestiert habe.

Samstag, 10. August 2013

Willis Hausbesuche Heute: Marcel Deiss




Weh-Weh-Weh Willis Hausbesuche

Heute: Marcel Deiss

Wenn das keine Adventszeit für die Sozialspannermedien ist. Wochenlange, ach was, gefühlt monatelange, wenn nicht jahrelange Berichterstattung darüber, wann die Frau Middleton endlich den Windsorknoten im Muttermund lösen und sich den royalen Braten aus der buckinghamschen Röhre schrauben werde. Obs gar einen Kaiserschnitt geben könne, wurde gemutmaßt. Was ein Unsinn, der Ableger wird mit der Geburt nicht Kaiser, der wird erst einmal nur Prinz. Und König wahrscheinlich erst nach dem Ableben der Urgroßmutter und der nachfolgenden Generationen, irgendwann um 2150 herum. Kaiser aber nie. Denn den gibt’s nur in Deutschland und dafür muss man Fußballer sein.
Weiß sowieso keiner, warum das alles wichtig sein soll. Was leisten die Royals schon – außer in Naziuniformen zu Partys oder an Tunnelpfeilern zugrunde zu gehen? Nein, hier geht es um etwas ganz anderes. Die Yellow Press versucht immer wieder – und das gar nicht so unerfolgreich – Lady Di und Lady Gaga und andere intellektuelle Flachbildschirme so geschickt zu Identifikationsfiguren hoch zu stilisieren, dass diese Prominenten als Projektionsflächen für Durchschnittsversager nutzbar werden. Wenn das eigene Leben schon nichts zu bieten hat, dann muss man sich eben mit dem Leben Dritter befassen, sei es als Blockwart, sei es als Fan. Dem Adelspack sei die daraus resultierende nervtötende Vollzeitbelagerung durch die Mediennutten übrigens durchaus von Herzen gegönnt, schließlich verzehren die Von und Zus in der Regel steuerfinanzierte Apanagen bzw. das aus solchen Apanagen zusammenschmarotzte „Privat“vermögen. Da darf als kleine Entschädigung der Dauerauftritt als Pausenclown in den traurigen Existenzen von Buntelesern schon gefordert werden.
Das Schlimme ist nur, dass auch die öffentlich-verächtlichen Sender es offenbar als Teil des Grundversorgungsauftrags verstehen, uns über den Fortgang der royalen Presswehen unterrichtet zu halten. Wer dem entgehen wollte, hatte nur noch eine audiovisuelle Zuflucht, Eurosport. Da lief zwar auch nur Frauenfußball, aber normalerweise gebären die wenigstens nicht mitten im Spiel im Mittelkreis…
Einige Leichtgläubige waren nun tatsächlich der Meinung, die nervtötende Beballerung mit Nachrichten vom Windsor-Winzling könne mit dessen Entlassung aus der Gebärmutter der Herzogin von Cambridge abgeschlossen sein. Weit gefehlt, nun geht es in die zweite Runde. Das erste Foto muss gezeigt, die Hebamme interviewt und natürlich tagelang darüber spekuliert werden, welchen Vornamen der neueste Zuwachs des Insel-Adelsgeschmeiß wohl tragen könne. Und da wird’s interessant! Ach was, nein, interessant ist natürlich nichts von dem, was sich bei den Nichtsnutzen von Buckingham abspielt. Aber, sagen wir, es gab ein Zusammentreffen von Ereignissen, dessen Zufälligkeit ich zunächst einmal bestreiten möchte. In einer kleinen Unterbrechung der royalen Uterusbelagerung sendete die ARD doch tatsächlich den Film „George“. In dem sich Götz George wieder einmal vergeblich bemühte, etwas anderes als sich selbst darzustellen, diesmal seinen Vater Heinrich. Der gute Götz kann aber leider nur den einen Tonfall, nur die eine Sprechmelodie. So war dann auch der Heinrich George im ARD-Film nicht George, sondern Götz, also eine Art Weimar-Schimanski. Aber, und darauf will ich eigentlich hinaus, mitten in dem Film schalte ich in den Videotext und sehe da: „Windsorbaby wird ein George“. Wie ist das denn jetzt zu verstehen? Soll der Götz auch den kleinen Prinzen spielen? So dass die Inselaffen eine Art Miniaturschimanski als drittnächsten König kriegen, mit glucksendem Lachen, stammelnder Nuschelsprechweise und mantafahreresker Rotzbremse unter dem royalen Gesichtserker? Man stelle sich die erste Regierungserklärung vor: „Nee, Du, Mensch, das ist doch, das ist doch (glucksendes Lachen), das kann doch nicht, kann doch nicht, also, Du, Mensch, nee, also Scheiße!“ Ganz ehrlich, den Goldblattlesern und Galakonsumenten würde ich es schon gönnen.
Hmm, tja, nun weiß ich gar nicht, ob ich in dieser angespannten Mediensituation überhaupt über den dritten Weingutsbesuch der Gierschlünde im Elsass berichten darf, zumal da garantiert keine britischen Säuglinge drin vorkommen. Immerhin ging es aber zu einem der Blaublüter der elsässischen Weinszene. Weinadel also, vielleicht wird der Scheff das gelten lassen und den Beitrag auf seinen Blogg durchwinken. Weineinkauf ist ja auch Grundversorgung, also bin ich da fast im öffentlich-rechtlichen Bereich unterwegs.
Wir waren diesmal bei den Deissens. Das sind die Typen mit dem gemischten Satz. Nicht wie bei Georges Götz, dass viele „Mensch“ und „Du“ in die ansonsten architektonisch sauber aufgerissene grammatikalische Satzarchitektur zuwanderten. Auch nicht wie bei den Geissens, denen immer wieder mal ein „wieheißtet?“ in die ansonsten klare Folge von Subjekt, Prädikatswein und Sexobjekt rutscht. Bei den Deissens geht es vielmehr, Du, Mensch, wieheißtet, um das gemischte Setzen von Rebsorten im Weinberg. Riesling neben Grauburgunder, neben Weißburgunder, neben Auxerrois. Diese „complantation“ führt dann, so behaupten es jedenfalls die Deissens, dazu, dass die unterschiedlichen Sorten gegen alle Gewohnheit gleichzeitig reif werden. So dass es kaum mehr Lesedurchgänge als bei der Normalbestockung braucht. Natürlich kann man diesen Effekt auch noch fördern, etwa indem man frühreifere Rieslingklone und spätreifende Pinots pflanzt. Aber auch unabhängig davon, so erklärte man uns vor Ort, entwickle sich zwischen den Reben eine Beziehung, die für harmonische Reifeprozesse im Gleichschritt sorge. Klingt esoterisch, scheint aber ganz gut zu funktionieren, denn was ins Glas kam, war sehr überzeugend.
Allerdings fingen wir mit einem reinsortigen Tropfen an, dem Gutsriesling aus 2011. Eher verhaltene aber klassische Rieslingnase, zitrusfruchtig, etwas Pfirsich, Ananas, verhältnismäßig schlank aber klar und ansprechend. Am Gaumen ein schöner Trinkriesling, relativ niedriger Restzucker, sehr trockene Prägung, dabei wunderbar elegant und balanciert. Viel Pfirsich, mittelkräftige Substanz mit Tiefe und vor allem guter Länge. Im Abgang legt er eher noch zu und zeigt sich noch etwas voller als am Gaumen. 86 von 100 Willipunkten.
Dann der gemischte Satz aus dem Langenberg, einem granitiger Weinberg in voller Südexposition, etwas oberhalb von Ste.-Hippolyte. In den Jahrgang 2009 haben Riesling, Pinot Gris, Beurot, Muscat d´Alsace und Pinot Noir Eingang gefunden. Entsprechend mächtig und opulent duftet er, reife Apfelsine, kräutrige Würztöne, auch noch ein wenig wachsig, das kann noch eine ganze Weile reifen und zulegen, obwohl schon heute eine Macht. Am Gaumen stark auf der Kräuterseite, dazu bringt er eine kühle, holundrige Frucht hervor, zitronige Säure und einen zarten mineralischen Anklang. Schöne Fülle, die sich im Abgang allerdings etwas zu schnell verschlankt! Auch eine Spur alkoholisch. Organoleptisch bewegen wir uns hier im oberen Trocken, eine Spur elsässische Süße bringt der Langenberg schon mit, aber nicht zuviel. 87 von 100 Willipunkten.
Weiter ging es mit dem 2010er Engelgarten, komponiert aus Riesling, Pinot Gris, Beurot, Muscat d´Alsace und Pinot Noir. Der Engelgarten liegt mitten in Bergheim, ist nach Osten ausgerichtet, mit sehr kiesigem, kargem Boden, der die Reben dazu bringt, besonders tief zu wurzeln. Auch dieser Wein bringt die volle, opulente Nase mit, wie sie für complantations so typisch ist, etwas duftiger als der Langenberg, eher mit floralen Tönen, Blütenduft unterwegs als fruchtbetont. Am Gaumen wirkt er sehr rieslingartig, säurebetont, elegant, verspielt, bei weitem nicht so druckvoll und vielschichtig wie die Nase es verheißen hatte. Allerdings reifen die 2010er sehr langsam, da dürfte sich also voraussichtlich noch ein deutlich breiteres Spektrum an Aromen entwickeln. Schon im Glas ließ sich das ahnen, als nach einigen Minuten stärkere mineralische Komponenten schmeckbar wurden, an erster Stelle die feuersteinigen Töne, die für den Engelgarten typisch sind. Die Säure entspricht der Typizität des Jahrgangs 2010, mit anderen Worten, sie ist ausgesprochen kräftig. Im Elsass funktioniert das aber ganz generell und speziell auch bei Deiss besser als es in den meisten Anbaugebieten Deutschlands funktioniert hat. Das warme Klima im Schlagschatten der Vogesen hat der Säure entsprechende Extrakte gegenüber gestellt. Und weil die Säurewerte sonst am Oberrhein gerne mal etwas zu niedrig insbesondere für langlebige Rieslinge ausfallen, liegen sie in diesem Säurejahr eigentlich nur in den Bereichen, wie sie die Mosel in fast jedem Jahr aufweist. So hat der Engelgarten jede Menge Reifepotenzial und bekommt 87+ von 100 Willipunkten.
Vor allem aus Riesling und Pinot Gris setzte sich der vierte Wein der Probe zusammen, ein Rotenberg 2007. Gewachsen auf rotem Kalkstein und mit 30 bis 35 Gramm Restzucker ausgebaut. Das merkte man in der Nase sofort, die sogar einen leicht botrytischen Einschlag mitbrachte, ansonsten ein vor allem blumig-florales Gesicht zeigte, sehr voll und mit viel Charme unterwegs. Am Gaumen, klar, da ließ sich nicht wegdiskutieren, dass wir uns im oberen Halbtrocken bewegten. Was nicht so ganz harmonisch wirkt, wenn man wie dieser Wein vor allem auf der breiten, öligen Schiene des Grauburgunders unterwegs ist. Auch schien mir die Botrytis die Trinkigkeit etwas zu hemmen. Dennoch, das ist alles andere als schlecht! Melonige Frucht, großzügige Anlage, auch ein Hauch Kräuter ist dabei und eine kühle Mineralik im Untergeschoss, die allerdings von der Süße etwas zu sehr verkleistert wird. Irgendwie hinterlässt mich dieser Wein zwiespältig, den hätte ich gerne mal mit einem Restzucker in halber Höhe probiert. Dennoch auch hier 87 von 100 Willipunkten. Aber ohne Pluszeichen dahinter.
Es folgte der Schoffweg aus 2009, vor allem aus Riesling und Pinotsorten gekeltert, auf kalkigen Böden gewachsen und ein Jahr in burgundischer Eiche im kleinen Fass ausgebaut. Mit 10 Gramm Restzucker unterwegs. Eher schlanke, rieslingbetonte Nase, dazu etwas Bergamotte, insgesamt nicht sonderlich ausdrucksstark im Riechkolben. Am Gaumen dominiert der Alkohol zunächst recht deutlich. Es sind 14 Prozent zu verdauen, das schafft der Schoffweg nicht wirklich richtig gut. Dann kommen aber schöne Kräutertöne, wieder die Bergamotte. Viel Stoff, sehr mundfüllend, bis hin zur Gewalttätigkeit, das wird fast anstrengend. Gerade rechtzeitig kommt dann die Mineralität des Weges und lockert das Aromenbild wieder auf, macht zwei, drei verschnörkelte Ornamente dran und bietet Abwechslung. Hinten heraus durchaus druckvoll, geschmacklich aber verschwimmend. 86 von 100 Willipunkten.
Zu gleichen Teilen aus Riesling, Pinot Noir und Gewurztraminer setzte sich der nächste Wein zusammen, der Gruenspiel 2008, gekeltert aus einem Weinberg an der Straße zwischen Bergheim und Ribeauvillé, etwas oberhalb des Anwesens von André Kientzler. Kalkige Böden mit Schiefer und etwas Ton durchsetzt. In der Nase bringt der Gruenspiel erst einmal frischen, feuchten Tabak an den Start, dazu eine getrocknete Aprikose, Dörrpflaume, ja, man kann ganz allgemein sagen, confitierte und getrocknete Früchte. Mit mehr Luft entwickelt sich außerdem eine leicht kalkige Mineralität. Die schlägt auch als erstes am Gaumen an, mit ordentlich Wumms, da kehren sich die Kräfteverhältnisse aus der Nase einen Moment lang um. Ein Powerwein! Dann treten die Dörrfrüchte hinzu, den Gewürztraminer, den ich eigentlich im Verdacht hatte, dass er die anderen Reben dominieren, im wahrsten Sinne des Wortes einseifen würde, merkt man kaum, der steht dezent am Rande des Spielfelds und wirft immer wieder mal ein paar Rosenblätter auf die Zungenspitze. Die Säure des Rieslings fängt das aber gut auf, zumal der Riesling auch noch einen feinen, frischen Weinbergspfirsich in den Rosengarten stellt. Auch der Pinot bringt zusätzliche Frucht ins Spiel, insgesamt bringt das eine sehr gelungene Cuvée zusammen, die voll und lang am Gaumen steht. 88+ von 100 Willipunkten.
Was so alles an Rebsorten seinen Weg in den 2008er Burg gefunden haben mag? Es war weder zu schmecken, noch rückten die Deissens mit Detailinformationen heraus. „Alle Rebsorten des Elsass“ seien drin – und da käme, sollte das stimmen, ja wirklich einiges zusammen. Entsprechend kräftig wirkt die Nase, eher auf der floralen Seite, durchaus burgundisch unterwegs, wenngleich leider etwas breitelnd. Am Gaumen kommt er dann deutlich feiner an, das überrascht positiv. Prägnanter Botrytiston, aber nicht erschlagend. Viel Stoff, schöne Balance von Süße und Säure. Die 50 Gramm Restzucker packt dieser Wein sehr gut weg, scheint sie fast zu brauchen, weil da auch ein Pfund Säure und jede Menge Extrakt mit im Spiel sind. Für seine Fülle wirkt er erstaunlich elegant. Und wunderbar lang ist er sowieso, mit prachtvollen Nuss/Rosinen-Tönen im Abgang. Ein Gedicht! 91 von 100 Willipunkten.
Der 2008er Huebuhl, der als nächstes an die Reihe kam, war dann fast wieder ein reinsortiger Tropfen, immerhin 95 Prozent Pinot Gris sind in der Flasche, dazu etwas Weißburgunder und ein Spürchen weißgepresster Pinot Noir. Der Huebuhl, so wurde uns erläutert, sei eigentlich keine Lage, dafür seien Böden und Expositionen zu heterogen, die eigene Lagenbezeichnung rechtfertige sich eher durch das einheitliche Mikroklima, das in einer besonders geschützen Mulde außergewöhnlich hohe Temperaturen verzeichne. Der 2008er habe ordentlich Botrytis abbekommen, was ihm immerhin 65 Gramm Restzucker eingebracht habe.
Ja, die lässt sich tatsächlich ohne weiteres herausschnuppern, die Botrytis. Leider hat sie auch ein sauterneskes Lösungmitteltönchen im Gepäck. Aber ich will nicht meckern, das ist nur eine Fußnote, die sich mit Luft auch schnell verflüchtigt. Ansonsten wirkt die Nase außerordentlich kräftig und voll. Am Gaumen dominieren zwei Elemente, die Botrytis und das Aromenspektrum des Grauburgunders, der hier eine leicht eingelegte/getrocknete Orange in den Vordergrund schiebt. Was ein Pfund Wein, das ist richtig kräftig, schön dicht, tiefgründig. Süße und Säure sind perfekt balanciert, die Botrytis stiehlt dem Rest des Weines nicht die Schau, das bleibt sehr lang und dabei ungemein voll. Toller Wein! Sage ich als jemand, der kein Mitglied des eingetragenen Vereins der Grauburgunderfreunde ist. 93 von 100 Willipunkten.
Den Mambourg 2009 übergehe ich hier lieber, der wird in neue Barriques gefüllt und schmeckt und riecht einfach nur nach zuviel Holz. Wenn schon Holz, dann bitte besser dosieren. So ists ein Weinfehler.
Also weiter zum 2009er Schoenenbourg. Der mir schon deswegen sehr entgegenkommt, weil er zu 95 Prozent aus der einzig wahren weißen Rebsorte besteht, dem Riesling! Botrytis hat auch an Bord, vor allem in der Nase, da ist das ein ganzer Bienenstock voll Honig, dazu mandelige Noten und ein Korb Dörrobst. Ja, ich will es nicht verheimlichen, auch hier habe ich das sauterneske Haucherl Lösungsmittel gefunden, aber nur weil ich danach gesucht habe. Und dann verlor es sich auch gleich wieder, mit Luft geht das weg. Und am Gaumen, Überraschung, da spielt die Botrytis gar keine so große Rolle, da zeigt sich der Schoenenbourg richtig elegant, eher floral, mit Lindenblüten, auch etwas studentenfuttriger Nuss. Das Ganze fein, verspielt, wunderbar balanciert. Man könnte ihn ohne Weiteres für leichter halten als er ist, aber am langen und tiefgründigen Abgang spätestens wird jeder merken, was für ein wuchtiger Wein das in Wahrheit ist. Riesenpotenzial, wenngleich man ja bei Botrytis nie so genau weiß, wohin sich das entwickelt. Insofern würde und werde ich bald mal drangehen. Denn der wanderte natürlich in den Kofferraum, mitsamt seinen 93+ von 100 Willipunkten. 59 Euro die Flasche, nicht geschenkt, aber auch nicht überteuert.
Wieder aus 2008 dann der Altenberg Grand Cru. Den dominiert rechnerisch der Pinot Noir, der rund die Hälfte der complantation umfasst, dazu gesellen sich zu etwa gleichen Teilen Riesling und Gewürztraminer. Kalksteiniger Boden, beste Südexposition, dennoch war der Altenberg bis 2004 kein Grand Cru, auch weil man vom Großen Gewächs erwartet, dass dort kein Mischsatz draufgestellt wird, sonst wäre es technisch ein Edelzwicker Grand Cru und das geht ja nun wirklich nicht. Erst 2004 hatte man dann mit Blick auf die hohe Qualität dieses Weines ein Einsehen und erlaubte die Bezeichnung als Großes Gewächs.
Dass dieser Altenberg nur ein Viertel Gewürztraminer beinhaltet, na, ich wäre nicht darauf gekommen. Die Nase besteht eigentlich nur aus Traminer und Botrytis – und von beidem nicht zu knapp. Wie mit einer Keule prügelt sie auf den Riechkolben ein, am späteren Nachmittag hat mich dann doch glatt einer gefragt, ob ich Boxen war. Am Gaumen wieder anders, feine grapefruitige Frucht, sehr elegant, gar nicht so breit, wie die Nase es hätte vermuten lassen. Die Botrytis eher im Hintergrund. Obwohl, das ist dann auch wieder untertrieben, die steht schon in der Mitte des Geschehens, haut aber nicht alles andere nieder wie in der Nase. Tolle Fülle, die erst zum Abgang hin ein klein wenig „auslässt“, wie der Österreicher sagen würde, für den solche Weine aber sowieso zu schade sind. Unglaublicher Charme, wenn auch mit 59 Euro kein Schnäppchen mehr. 92 von 100 Willipunkten.
Nur einen Punkt weniger bekam der abschließende Altenberg Riesling aus 2002. Sehr gereifte, schon ein wenig angefirnte Nase, weniger Botrytis, auch nicht so tramineresk, auf die Dauer setzt sich dann wohl doch der Riesling durch. Am Gaumen schöne Reife, nicht so firnig, viel Apfel, noch ordentlich Spiel, doch schon eine Spur über den Höhepunkt hinweg. Gute Länge und auch im Abgang noch fein und verspielt. 91 von 100 Willipunkten.
Insgesamt ein, Du, Mensch, wieheißtet, überzeugendes Sortiment, das der weltweit wahrscheinlich beste Advokat für gemischte Sätze sein dürfte. Die besten waren fast so gut wie hochklassige pure Rieslinge und das will was heißen, wieheißtet?

Donnerstag, 1. August 2013

Willis Hausbesuche Heute: Marc Kreydenweiss




Weh-Weh-Weh Willis Hausbesuche
Heute: Marc Kreydenweiss
Der Scheff lässt sich nicht lumpen, der ist ja nicht so. Meine zahllosen Geschäftsreisen im Dienste des Weines, die werden komplett aus seinen Edeka-Milliarden finanziert. Mit allem Zipp und Zapp. Da kennt er nichts, der Scheff. Da werden für meine Flüge in die besten Anbaugebiete der Welt sogar die Luftkorridore mit Parkett ausgelegt. Manchmal auch mit Perserteppichen, vor allem, wenn es nach Shiraz geht. Wenn ich Weinen mit viel Botrytis nachspüre, leiht der Scheff mir auch schon mal seinen Rosinenbomber. Das nenne ich Fürsorge!
Wenn man so einen Scheff hat, da muss man Demut und Dankbarkeit an den Tag legen. Sich auch mal gnadenlos ranschmeißen! Nicht zu auffällig natürlich. Eher dezent. Etwa indem man der Frau vom Scheff kleine Aufmerksamkeiten zukommen lässt. Zum Beispiel wenn die Geburtstag hat. Hat sie nämlich auch in diesem Jahr wieder. Sie wird so an die 35, wenn man der Optik glauben darf.
Also habe ich auf meinem Trip mit den Gierschlünden nach einem geeigneten Geschenk für die Scheffin gesucht. Bei Kreydenweiss wirste fündig, habe ich mir gedacht. Der hat Künstleretiketten, die machen was her. Außerdem hat der Scheff den nicht im Sortiment, das hätte also wirklich Neuigkeitswert.
Aber kann der auch was, der Kreydenweiss? Habe ich lange nicht mehr probiert, auch weil der ziemlich unverschämt teuer geworden ist. Zumindest beim Mitbewerber vom Scheff in Saarwellingen. Der lässt sich das Zeug in Gold aufwiegen. Kreide(n)bleich im Gesicht bin ich geworden, als ich dessen letzte Preisliste gesehen habe.
Nun wärs die Scheffin mir natürlich wert, andererseits sehe ich ja nicht ein, dass ich den Saarwellinger dauernd mäste. Muss ich auch nicht. Vor Ort in Andlau gibt es die (Kreyden)Weißweine zum Glück deutlich günstiger.
Zum Beispiel den Pinot Blanc „Kritt“ aus 2011. Der hat eine satte Spontanvergärungsnase, dazu so etwas wie braune Butter, etwas irgendwie Toastiges, obwohl er nun wirklich kein neues Holz gesehen hat. Am Gaumen aber schön cremig, abwechslungsreiches Spiel von Süße und Säure, weil er zur traditionell eher knappen Elsässer Säure einen ähnlich geringen Restzuckerwert mitbringt, nur so um die 3 Gramm. Das steht ihm sehr gut, so wirkt er viel pikanter und strukturierter als die meisten elsässischen Landsleute selber Rebsorte. Das mag auch ein wenig mit dem vergleichsweise zurückhaltenden Alkohol von 12,5 Prozent zusammenhängen, der nur dann am Ende des Abgangs ein ganz klein wenig hervorsticht, wenn man sich intensivst drauf konzentriert, sich stechen zu lassen. Als Igel weiß ich, wovon ich da rede. Insgesamt überraschend gut und gehaltvoller, extraktreicher als viele unserer deutschen Weißburgunder. Das gibt 85 von 100 Willipunkten, reicht aber natürlich nicht für die Scheffin. Wenn ich da anfange, was von „weiß“ und „Burgunder“ zu reden, dann ist die unter Corton Charlemagne kaum zufrieden zu stellen.
Die ist ja aber sowieso eher von der Rieslingfraktion, die Scheffin. Und den hat der Kreydenweisse Marc zum Glück ebenfalls im Sortiment. Den Andlau Riesling 2011 gab es als erstes. Auch der eröffnete in der Nase wieder mit leichtem Spontiton, dann rochierte er aber auf einen floralen Einschlag, mit ein wenig Zitrusfrucht auf dem Damenflügel. Eher limonig als orangenfruchtig. Insgesamt von der leichteren, eleganteren Sorte. Am Gaumen pirscht er sich mit gerade einmal 2 Gramm Restzucker und einem entsprechend trockenem Stil an die Rezeptoren, dafür wirkt er zugleich erstaunlich cremig und überraschend nachhaltig. Zitronige Frucht und spontige Noten, da bleibt er seinem Nasenbild recht treu, insgesamt fein, leicht und elegant. Im Glas wird’s mit Luft noch eine Spur fruchtiger, opulenter, ohne aber wirklich füllig zu werden. Sogar eine Spur Mineralität wirft er im Abgang noch ans Zäpfchen! Gar nicht schlecht für einen Basisriesling. 86 von 100 Willipunkten. Allerdings, es bleibt ein Basisriesling. Und damit fällt er durch das Raster der Scheffinnentauglichkeit. Ist ja schließlich keine Basisscheffin, sondern eine Spitzenscheffin, um die es da geht.




Da muss man einen drauf setzen. Und das versuchte als erster der Clos du Val d´Eleon aus 2009. Aus einem der besseren Weinberge des Hauses gekeltert, auf Blauschiefer gewachsen und mit satten 14 Prozent Alkohol unterwegs. Allerdings kein purer Riesling, sondern hälftig aus Riesling und Grauburgunder zusammengeschraubt, die im Clos im gemischten Satz stehen. Und der gemischte Satz, den muss man können. Nicht jeder ist ein Deiss. Hier bekam ich einen bananigen Hauch in den Gewürzprüfer, das war alles andere als charmant. Zumal die Sache mit mehr Luft immer oxidativer wurde. Na gut, ich will mal ehrlich sein, daneben schälten sich noch eine Messerspitze Birne und eine kleine Lilienblütengirlande heraus. Aber das Oxidative erschlug diese kleinen Arabesken sofort wieder. Am Gaumen dominierte ebenfalls dieser Reifeton, das Oxidative, erst im Abgang kommt das Florale dann hinzu, auch ein Touch Rosine. Erstaunlich gut weggepuffert wird der Alkohol, gerade wenn man berücksichtigt, wie wenig Spiel und Ausdruck der Wein abseits dieser Reifetöne noch hat. Als 2009er erscheint er mir insgesamt ziemlich frühvergreist. 82 von 100 Willipunkten. Brauchen wir für die Scheffin natürlich nicht drüber zu diskutieren. Ein solches Geschenk wäre ja fast so etwas wie eine Kündigung. Allein schon der Verschnitt des geheiligten Rieslings mit dem grau(sig)en Burgunder, und dann diese Oxidationsnoten, nee, nee, so schnell kann ich mich gar nicht zwischen meinen Stacheln einrollen, wie ich da eine getafelt bekäme.
Also schnell die kreydenweisse Fahne gehisst und zurück zum reinsortigen Riesling. Da gab es noch den Clos Rebberg aus 2009 zu probieren. Ja, und, Sackzement, der zeigte auch schon wieder so einen oxidativen Ansatz. Liegts am Jahrgang? Oder am Ausbau im kreydenweissen Keller? Darf doch nicht sein! Immerhin gab es als kleine Zugabe noch einen schiefermineralischen Anklang. Aber der sollte mehr als Zugabe sein, der gehört ins Hauptprogramm. Leute, es geht um die Scheffin, da brauche ich kein Klein-Klein wie Podolski im Mittelfeld, da brauche ich einen Vollstrecker, einen Lewandowski. Am Gaumen gabs es dann, na ja, keinen Lewandowski, aber vielleicht wenigstens einen Gomez. So eine Föhnwelle von cremiger Fülle, auch etwas Kräutrigkeit im Anklang, dann aber natürlich die altbekannte Abschlussschwäche, denn da kam sie dann wieder, die spontige Oxistilistik. Wie geht denn das, einerseits noch mit den Gäraromen unterwegs und andererseits schon auf dem absteigenden Ast? Na gut, das Ganze schöner und feiner als beim Clos d´Eleon. Harmonischer und balanciert, ja, das kann man ihm zugutehalten. Aber es fehlt an Länge und an Konsequenz im Abgang und viel zu schnell übernimmt das Oxidative die Macht. 85 bis 86 von 100 Willipunkten. Kommt für die Scheffin nicht in Frage, die hat schließlich selbst auch keinerlei Alterston.
Also erhöhe ich auf Moenchberg. Eine der Toplagen des Gutes, ein Grand Cru, hier als Riesling angetreten und ebenfalls aus 2009 stammend. Im Moenchberg gibt es viel Sandstein, etwas Sediment und ein wenig Kalk, mal sehen, was das mit dem Riesling so macht…
Erst einmal gibt es ihm eine krass oxidierte Nase. Himmelherrgott, kann das denn sein, schon wieder? Alter Apfel, lange an der Luft gelegen. Na gut, dann gesellen sich Nuss und Rosine hinzu, das lässt ihn mehr in Richtung Sherry gehen. Besser als der Eleon, hat aber mit Riesling nichts zu tun. Außerdem, wo kommen diese Noten bloß her, bei einem Wein, der alles andere als botrytisch oder gar süß ist. Gerade einmal 4 Gramm Restzucker hat der Moenchberg. Poah, am Gaumen geht das so weiter. Oxidierter, karamellisierter Apfel, kräftig, ja, das schon, aber durch den eigenwilligen Ausbau ziemlich auf Sherry getrimmt. Wenn man Sherry mag, dann ist das ein prima Tropfen, der hat wunderbare nussige Aromen, feine Rosinen, das sehr lang und voll, gut gemacht. Nur Riesling dürfte man halt nicht draufschreiben. Als Riesling unter 80 von 100 Willipunkten, als Sherry um die 87 von 100. Wenn ich nur wüsste, ob die Scheffin Sherry mag! Außerdem steht Riesling drauf, am Ende denkt die noch, ich wolle sie veralbern. Geht schon wieder nicht, ich muss auf Nummer sicher gehen, bei der Scheffin. Ich suche weiter.



Nehmen wir mal den Kastelberg 2009. Natürlich wieder Riesling und wieder ein Grand Cru. Mineralischere Nase als der Moenchberg, Kunststück, das Zeug kommt auch vom rabenschwarzen Schiefer. Nicht wirklich oxidativ, aber schon sehr reif und mächtig wirkend. Vielleicht ist es auch den 70 Jahre alten Reben geschuldet, aus denen das Zeug gekeltert wurde. Gerade einmal 20 Hektoliter auf den Hektar, da wurde richtig selektioniert. Am Gaumen entsprechend konzentriert, fast ölig, doch mangelt es zunächst an Harmonie. Mit Luft wird das besser, zweifellos ein Wein, der sich erst noch sortieren muss und dem man mehr Zeit geben muss als es in der Probe auf dem Weingut möglich war. Aber auch hier ist ein leichter Touch von allzu früher Alterung drin, auch hier diese oxidative Komponente, eben keine Spontinote, sondern ganz offensichtlich ein etwas zu oxidativer Ausbau, der aus meiner Sicht dem Riesling nicht wirklich gut tut. Schwer zu bepunkten, mit mehr Luft traue ich ihm aber den Sprung auf bis zu 88 von 100 Willipunkten zu. Dennoch, kein verlässlicher Wert. Und damit zu riskant, als dass ich da für die Scheffin zugreifen wollte, denn auf die kann man sich blind verlassen, immer!
Zum Glück gibt es ja noch den Wiebelsberg. Ebenfalls Grand Cru, wieder 2009 – und selbstredend Riesling. Und, uff, endlich! Man riecht auch, dass es ein Riesling ist, Frucht vom Riesling; Aprikose, Pfirsich, etwas Orange; Blütenduft vom Riesling und Mineralik, wie sie ein guter Riesling bringt, obwohl die Böden hier eher sandsteinig sind und nicht so viel Mineralikpotenzial haben wie Schiefer. Ja, und das Zeug riecht auch nicht so alt wie Opa nach dem Krieg, sondern frisch, hat sogar noch einen leicht wachsigen Ton dabei. Es geht doch! Auch am Gaumen Rieslingvergnügen pur! Mineralisch, kräuterwürzig und wunderbar trocken ausgebaut. Süße und Säure harmonieren bestens miteinander, das Ganze rockt so lang, dass man in der Damenoberbekleidung nur noch von einem Maxi sprechen könnte. Nur drei Gramm Restzucker, aber auch nur drei Gramm Säure, das passt! Toller Abgang, tief und komplex. 90 bis 91 Willipunkte. Endlich die Neun vor dem Komma, das kann ich bei der Scheffin gerade mal so anbieten. Mission accomplished!
Der Scheffin einen wunderschönen Fünfunddreißigsten und viel Freude mit dem edlen Tropfen!