Mittwoch, 28. September 2016

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt Heute: Vierschänkentournee Teil 29 - La Bouitte


Was war denn in diesem Sommer schon wieder alles los? Palastdurchsuchung beim Kaiser? Wegen Untreue? Ja, ist denn heut scho Weihnachtsfeier? Und Deutschland streitet, wie man die Burkinizone richtig epiliert. Niqapitulation vor der AfD? Die ja selbst auch nicht in gutem Zustand ist. Erst die Meutherei auf der Petry. Dann der Gauland, der nicht neben Herrn Boateng wohnen mochte. Es folgte ein dreifacher Rückwärtssalto gehöckt. Er, Gauland, habe ja gar nicht gewusst, dass der Boateng ein Schwarzer sei, er habe gedacht, das sei ein Muslim. Oder, auf gut Deutsch: Hetze gegen Schwarze hätte er verwerflich gefunden, der Herr Gauland, Hetze gegen Muslime sei aber in Ordnung. Mensch, den Gauland möchte man nicht mal geschenkt. Aber dem geschenkten Gauland sollte man schon sehr genau aufs Maul schauen. Weil da so viel Ätzendes und Böses herauskommt, das reicht um drei radikale Parteien zu disqualifizieren.

Siggi Flop hat im Laufe des Sommers wohl trotzdem so reichlich Angst vor der AfD bekommen, dass er glatt seinen Stinkefinger von den langjährigen Probebohrungen in der Nase abgezogen und das Teil einigen Nazis zur Besichtigung hergezeigt hat. So richtig weit geht sein Hass gegen rechts aber nicht. Denn nun rückt der Siggi plötzlich selbst nach rechts und will mit der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung nichts mehr zu tun gehabt haben. Den Satz "wir schaffen das", den habe er nie gesagt - und andere ehemalige oder künftige SPD-Politiker auch nicht. Das sei eine Verwechslung, so links sei die SPD nicht. Helmut Schmidt habe damals lediglich gesagt "wir paffen das". Von Rudi Scharping stamme der Satz "wir schlafen das" und Kurt Beck habe mit Blick auf sein Embonpoint einmal bemerkt: "wir straffen das". Mehr aber auch nicht. Schwupp, da schlug sich auch der Gauck ins Gebüsch - er habe seinerseits nur einmal geäußert "wir pfaffen das" - und auch das gelte nur bis zur kommenden Bundespräsidentenwahl, dann könne Helmut Kohl das Amt übernehmen, der ja im Rahmen seiner Parteispendenaktionen den Satz "wir raffen das" geprägt habe. "Wir laffen das" röhrte der Lindner sofort ins Mikro, nur um seinen weitgehend vergessenen Schnöselverein wieder ins Gespräch zu bringen. "Nix da, es muss heißen 'wir strafen das'" antwortete der Hofreiter, der mit seinen Grünen wieder einmal ein paar Verbote erlassen möchte, zum Beispiel das Verbot des Burkiniverbots. Sagt mal, wird der Siggi Pop dieses Jahr nicht 27? Ich frag nur ganz unschuldig...

Angela wollte inzwischen die Situation mit der Türkei ein wenig entspannen. Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schlitzohrigste im ganzen Land - wir erzählen dem Sultan einfach nur ganz wahrheitsgemäß, dass die Resolution des Bundestags nicht rechtsverbindlich ist. Da hat er zwar erdoganz und gar nix von, weil diejenigen, die man für den Völkermord zur Verantwortung ziehen könnte, sowieso längst so tot sind wie die politische Karriere von Dirk Niebel. Aber es kommt sicher gut, wenn ich mein Parlament abmeiere. Vielleicht hilfts ja auch, damit der Sultan nicht vollends zum Bospurussen wird, Blutsbrüderschaft mit Putin hat er ohnehin schon geschlossen, im wahrsten Sinne des Wortes. Ach, und über den Völkermord an den Kurden reden wir lieber gar nicht. Das dürfte ohnehin eine Erfindung der Lügenpresse sein.

A propos - haben die deutschen Winzer eigentlich auch eine Lügenpresse auf dem Hof? Oder wie geht das sonst, dass ein Jahrgang wie 2016 erfriert, verhagelt, verschimmelt und trotzdem von überall die Parole kommt, man rechne damit, noch sehr gute Qualitäten aufs Fass zu bekommen?

Höre ich das alles, dann ist es wieder einmal so weit - der Igel will einfach nur noch raus. Schnell raus und weit weg! Zum Beispiel nach Savoien, wo in St.-Martin "La Bouitte" dem hungrigen Wanderer die Pforten öffnet. Vor anderthalb Jahren hat das Restaurant den dritten Stern erhalten, Zeit, einmal nach dem Rechten zu sehen (nein, der Gauland ist diesmal nicht gemeint!).

Den Aufstieg in den Gastroolymp zelebriert man kraftvoll, schon am Ortseingang stehen drei, vier Schilder, die auf das Lokal hinweisen und ganz unauffällig die drei Macarons tragen, ein Hauch bocusischen Brusttrommelns, der aber verzeihlich sein dürfte. Dass die Chefs, Vater und Sohn, auch noch Meilleur ("der Beste") heißen, na dafür können sie wahrlich nichts, aber Ansporn sollte ihnen das schon sein.

Mittwoch, 21. September 2016

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt Heute: Vierschänkentournee Teil 30 - Villa Lalique



Neulich bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Berlin. Podiumsdiskussion zur Frage, wie unsere Städte im Jahr 2030 aussehen werden. Hui, wird das interessant in der Zukunft. Da werden wir unsere Nahrungsmittel nicht mehr auf dem Land erzeugen, sondern nur noch im Urban Farming, in Gärten an den Wänden unserer Häuser und auf unseren Dächern. Autos werden ohne Fahrer herumkurven. Vielleicht auch ohne Passagiere, das wäre der vollendete Durchbruch. Häuser werden ebenso tief unter die Erde reichen wie wir sie heute nach oben bauen. Und auf hundert, zweihundert Meter Höhe werden über unseren Köpfen neue, zusätzliche Straßen und Verkehrsebenen entstanden sein. Sagen die Experten.

Der Igel ist da nicht so optimistisch. Wenn Berlin in zehn Jahren nicht einmal einen Flughafen bauen kann, wie soll dann in nur fünfzehn Jahren eine Straße in so luftiger Höhe gebaut werden? Vielleicht geht das in China, in Deutschland wird uns allein schon das Planfeststellungsverfahren vor solchem Unsinn behüten. Andererseits – die Grünen wären happy, wir hätten unter diesen erstmal richtig bezeichneten „highways“ ohne große Umstände den höchsten Krötentunnel der Welt geschaffen.

Und wenn in Stuttgart nicht einmal ein Bahnhof in aller Stille bestattet werden kann, wie will man dann durchsetzen, dass Häuser einen halben Kilometer tief in die Erde hinabgetrieben werden? Es wird doch heute über jedes Großprojekt jahrelang Bürgerkrieg geführt. Man muss schon sehr gute Drogen haben, um an solche Utopieszenarien zu glauben. In einer Zeit in der Elbphilharmonien größte Dissonanzen erzeugen und die selbsternannte Bundesstadt Bonn ein Jahrzehnt an einem lumpigen Konferenzzentrum herumpfuscht.

Tja, der technologische Fortschritt! Mit etwas Glück wird er es uns eines Tages ermöglichen, die Probleme zu lösen, die wir ohne den technologischen Fortschritt nie gehabt hätten: Umweltzerstörung, Artensterben, Treibhauseffekt, Multiresistenzen gegen Antibiotika und vieles andere mehr. Oder anders herum betrachtet: Schon der bisherige Fortschritt hat neben zahllosen Segnungen, auf die sicherlich kaum einer von uns verzichten möchte, auch ungeahnte Folgeprobleme mit sich gebracht. Je komplexer die Innovationen werden, desto schwieriger wird wohl auch die Abschätzung der Risiken und Folgen. Wo liegt der goldene Mittelweg zwischen dem echten, auch nachhaltig aufrecht zu erhaltenden qualitativen Zugewinn in unserer Lebens- und Erfahrungswelt einerseits und aktionistischem Unfug oder selbstzerstörerischer Risikotechnologie andererseits?

Goethe lässt sein Faust noch sagen, „habe nun, ach, so ziemlich alles studiert, was man studieren kann“. Ja gut, sicher, das ist jetzt etwas frei wiedergegeben. Aber der dahinterliegende Anspruch, als Mensch das gesamte Wissen seiner Zeit in sich aufnehmen zu wollen und zu können, der ist in der sich unglaublich ausdifferenzierenden und verkomplizierenden Welt von heute natürlich längst unerfüllbar geworden. Obwohl, auch daran arbeiten die etwas gruseligeren unserer Zukunftsutopisten – externe Festplatten fürs Hirn. Selbst wenn mir zwei, drei Herrschaften aus dem Privatfernsehen einfallen, für die das vielleicht die Rettung sein könnte, an sowas will ich eher nicht ran.

Wo war ich? Ach ja, alles wird komplizierter. Auch in der Finanzwelt, wo man schon sehr gut aufgestellt sein muss, wenn man noch verstehen will, welche kühnen Konstrukte wir uns in den letzten Jahrzehnten geschaffen haben. Strukturierte Fonds, die uns mal eben in eine globale Finanzkrise führen. Steuerfreier Obsthandel schafft Jobs bei Apple, oh wie schön ist Panama! Welcher Normalsterbliche kann eigentlich noch einschätzen, ob TTIP neue Blasen und Möglichkeiten zum Bescheißen der Ahnungslosen schafft oder halbwegs breitenwirksamen Wohlstandsgewinn?

Schon Gandhi hat gesagt, das Leben werde nicht allein dadurch besser, dass sich seine Geschwindigkeit erhöht. Inzwischen ist unser Rotationstempo schon so rasant geworden, dass mehr und mehr Leute durch die Zentrifugalkräfte seitlich von der Spielfläche gefegt werden. Genau da setzen dann die Krachledernen von der AfD an, mit einfachen Parolen gegen eine komplexe Wirklichkeit. Trügerisch simpel, erschütternd dumm, aber halt doch erfolgreich.

Ein zweites Element tritt hinzu. Der Mensch lebt auch von seinen Wurzeln. Von der Heimat. Heimat findet man nicht nur im Wohnumfeld, Heimat findet man auch in der Gewohnheit, in Ritualen, im Vertrauten. Die steigende Innovationsgeschwindigkeit kostet uns Heimat. Weil immer mehr vom Vertrauten immer schneller wegbricht. Für den experimentierfreudigen Weltbürger mit jeder Menge Lust auf Neues ist das eine Weile lang schön. Doch je mehr das Tempo zunimmt, desto größer auch der Anteil derjenigen, die – schon wieder Goethe – gerne mal dazwischen rufen möchten, der Augenblick sei eigentlich ganz schön und dürfe ruhig noch ein wenig verweilen. Das gilt ganz besonders in unserer alternden Gesellschaft. Selbst Simenon, in seiner Jugend ein Ausbund an Neulust, ein Reiseweltmeister seiner Zeit, jemand mit unendlicher Neugier auf Menschen und Kulturen, hat sich im Alter in sein Schneckenhaus am Genfer See zurückgezogen und mit 72 Jahren festzustellen beliebt, der wahre Fortschritt sei nur das, was die Harmonie zwischen dem Menschen und seinem Umfeld steigere.

Dauernd neue Technologien lernen zu müssen, den Überblick über Millionen von Apps behalten zu wollen, jeden Monat das neueste, hippeste soziale Netzwerke erkunden zu müssen, das fordert und das überfordert auch irgendwann. Bei Tchibo gibt es gar jede Woche eine neue Welt. Wacht der Igel aus dem Winterschlaf auf, dann ist es in jedem Frühling dasselbe er muss erstmal einen Integrationskurs absolvieren, um die für ihn so neue Welt wieder zu verstehen.

Denn der Igel, der ist sowieso Traditionalist. Nicht dass er nicht auch dieses neumodische Zeugs ganz gerne hätte, dieses Neuland Internetz oder wie das heißt, die Digitalkamera und den Elektroherd. Aber den Joystick im BMW, mit dem man das Autoradio nun nur noch etwa doppelt so kompliziert bedienen kann wie vorher mit den herkömmlichen Knöpfen, den hält der Igel zum Beispiel für einen ziemlichen Flop. Wie so viele andere aufgedrängte Innovationsbereicherungen auch.

Ja, der Igel ist Gewohnheitstier, so steht das schon beim alten Brehm im Tierleben. Wenn der Schuhladen zumachte, in dem ich seit 25 Jahren dasselbe Modell kaufe, eben das, was von allen Herrentretern am besten auf die schrundigen Igelpfoten passt, dann wäre das ein mittlerer Weltuntergang. Und meinen Friseur, den einzigen, der es versteht, die Stacheln des Igels gar lieblich zurecht zu ondulieren, den werde ich, wenn er eines Tages mal in den Ruhestand geht, mit viel Geld bestechen müssen, dass er mich trotzdem weiterhin unter die Schere nimmt. Der Zeitpunkt kommt bedrohlich näher, schon 2040 könnte es so weit sein, ich krieg langsam Panik. Ja, eine Art Adrian Monk light, das isser der Igel.

Noch schlimmer wird es, wenn eines der Lieblingslokale schließt oder auch nur den Küchenchef wechselt. Das ist vor gerade mal zwei Jahren erst wieder passiert, im Arnsbourg im Elsass. Küchenchef Klein war mit seiner Frau ein wenig überkreuz geraten, schmiss die Schürze in die Ecke, zog von dannen und ließ der Madame das Lokal und die führerlose Brigade zurück. Grande catastrophe, die Qualität der Küche ging leider sofort in den Keller. Wie die Stimmung des Igels, der sich an viele schöne Stunden mit Kleins großer Küche zurückerinnerte. Und erleichtert aufatmete, als der Mann nach etwa einem Jahr in der Villa Lalique wieder an den Herd trat. Ein ganz neu eingerichtetes Restaurant im alten Herrensitz der Laliques. Wie das Arnsbourg in der Mitte von nowhere gelegen, Wingen sur Moder, irgendwo im Niemandsland zwischen Elsass und Lothringen, wer kennt das schon? Bis die dort die erste Straße in hundert Meter Höhe bauen, wird noch sehr viel Wasser die Moder herab fließen.

Natürlich war der Igel unter den ersten Gästen, schon Ende 2015. Aber der Bericht über den Abend ist ihm irgendwie liegen geblieben. Schwarzer Gürtel im Prokrastinieren halt. Die Entdeckung der Langsamkeit, grad hier passts dann wieder. Nur leider ist der Spannungsbogen hin, den ich im letzten Jahr noch hätte ziehen können – wird der Michelin gleich wieder drei Sterne zücken, oder erstmal zurückhaltender bleiben? Tempi passati, im März 2016 gabs erstmal nur zwei Macarons. Und, um es vorweg zu nehmen, das ist auch gut so, denn der Igel war zum selben Ergebnis gekommen, wenn auch knapp. Dafür, dass die Eröffnung erst so kurz zurück lag, schwang sich die Küche bereits wieder in beachtliche Höhen auf, zum Gipfelkreuz des alten Arnsbourg war aber noch etwas Luft. Ich sags ja, diese dauernden Veränderungen sind von Übel.

Montag, 12. September 2016

Willi Igels Verkostungstelegramm Heute: Riesling-GGs des Jahrgangs 2015


 

Nach drei harten Verkostungstagen, in denen ich die meisten Weine mehrfach probieren und meine ersten Bewertungen überprüfen konnte, gibt’s es nun, kurz vor dem Winterschlaf, aus dem Igelbau die einzig richtigen Bewertungen für die Riesling-GGs des aktuellen Jahrgangs. Insgesamt ein sehr guter Jahrgang für Rieslinge, wobei die einzelnen Gebiete unterschiedlich gut abschnitten. Zu bedauern ist der Trend, dass immer mehr Winzer Weine ganz oder teilweise in neuem Holz ausbauen. Aus meiner Sicht egalisiert das Lagen und Regionen zu sehr und stellt sich vielfach die Frage, ob der von der „Holzreife“ her richtige Trinkzeitpunkt immer auch der sein wird, an dem sich die anderen Komponenten gerade richtig zusammenfügen. Ich sehe auch nicht, dass Riesling eine Rebsorte wäre, die Holz benötigte, um richtig zur Geltung zu kommen. Es dürfte sich eher um einen Modetrend handeln, der hoffentlich wieder zum Erliegen kommen wird.Ansonsten bietet 2015 aus meiner Sicht deutlich mehr ausgezeichnete Weine als 2014, 2013 oder 2012. Ein Jahrhundertjahrgang ist es dennoch nicht, außer an der Mosel. Deshalb geht es mit der auch los.

 

Mosel:
Hier konnte ich fast alle GGs des Jahrgangs probieren. Es ist zugleich auch das Gebiet mit dem in der Breite höchsten Niveau. Es war schon richtig schwer, an der Mosel in diesem Jahr ein GG zu füllen, das weniger als 90 Punkte verdient hätte. Die, die das trotzdem geschafft haben, sollten vielleicht eine Bäckerlehre anfangen oder irgendwas mit Medien. Oder so. Vor allem dann, wenn nicht nur der Igel, sondern auch andere, weniger verrückte Verkoster zu ähnlichen Wertungen kommen.

 

Geltz-Zilliken
Rausch Diabas GG
Unheimlich zugänglich, saftig, lang und dabei sehr fein, deswegen mit Recht einer der Stars schon bei der Vorpremiere in Wiesbaden. Ich konnte den Wein zweimal in großer Ruhe probieren und fand ihn zweimal grandios. Ob der großen Zugänglichkeit frage ich mich, wie lang er halten wird, das ist ja fast schon unheimlich, wie süffig und fertig das heute wirkt. Aber wer will das schon vorhersagen. 93 bis 94 Punkte.

 

Peter Lauer 
Unterstenberg, Große Lage
Bei einer der Verkostungen hatte Lauer auch die Große Lage angestellt. Muss hier auch besprochen werden, weil leider sehr, sehr gut. Charme, Harmonie pur, superbe Frucht, toll. Lässt im Abgang etwas aus, aber sehr eleganter Wein, der für rund 22,50 Euro Endverbraucherpreis ordentlich Freude macht. 89

Kupp, GG
Klasse! Elegant, leicht, unaufgeregt, noch ein wenig verschlossen, kommt aber schon nach wenigen Minuten im Glas und kriegt dann vor allem auch hinten etwas mehr Kraft. Den kann man leicht unterschätzten und der wird noch ordentlich zulegen. 92+


Schonfels, GG
Bester Wein aus dem Hause Lauer, etwas voller und fruchtintensiver als die Kupp, sehr intensiv, noch ziemlich verschlossen, aber mit unheimlich viel Kraft. 94

 

Karthäuserhof
Karthäuserhofberger, GG (Auslieferung 2019)
Kräftige Kräutertöne, wenig Frucht. Salbei, hustensaftig. Schwer einzuschätzen, wie sich das entwickelt.Potenzialwertung ist daher schwer, vielleicht an die 88. Würde mich wundern, wenn sich das zu einem Wein mauserte, der mir richtig viel Freude machen kann.


Fritz Haag
Juffer, Große Lage
Noch eine Wein aus der Großen Lage. Recht schweflig/spontig, derzeit schwer zu beurteilen, schon deutlich Stoff im Hintergrund, im Abgang aber derzeit ziemlich schlank. Ob er nur verschlossen ist oder einfach nicht so persistent, kann man schwer sagen. Zwischen den GGs hat er es natürlich schwer. Macht man sich davon frei, dürfte er ein Potenzial auf ca. 86 Punkte haben.

Juffer, GG
Sehr gelungen, cremig, elegant, feine Balance zwischen Frucht und Mineralikschon viel zugänglicher als der GL-Wein, weil keine Spontinoten im Weg herum stehen. Aber auch deutlich druckvoller und tiefer. Überzeugend! 93.

Juffer Sonnenuhr, GG
Superb, fleischig, Saft, noch einen Hauch besser als das GG aus der Juffer, wenn auch verschlossener und deswegen derzeit etwas verhaltener wirkend. Aber gerade hinten heraus zeigt er, dass er reichlich Kraft hat. 94.


Schloss Lieser 
Niederberg Helden, GG
Wie immer mit einigen Spontantönen unterwegs, sehr voll, sehr saftig, man weiß ja, dass das gut reift und wie das reift, das dürfte eines der besten GGs des Hauses bisher werden. 94

Himmelreich, GG
Auch im typischen, spontigen Stil des Hauses gehalten, etwas leichter als der Niederberg-Helden, etwas kürzer und schlanker wirkt er auch, aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau, denn das ist noch immer ein Wein mit ordentlich Extrakt und reichlich Tiefgang, gerade im Anklang und in der Mitte. 92

Sonnenuhr, GG
Kräftig, dicht, cremig, saftig, mir fallen nur fröhliche Adjektive ein, wenn ich diesen Tropfen reinplätschern lasse. Ja, spontig wirkt er schon ein wenig, aber er kommt schon deutlich entwickelter daher als die beiden anderen, auch weil er diese feine Gelbfruchtigkeit nach vorne stellt. 93.

Reinhold Haart
Grafenberg, GG
Nicht mein Fall, fällt deutlich gegen die Haags ab, auch weil er wie immer besonders verschlossen ist, das macht es schwer, das Potenzial richtig einzuschätzen. Kommt auf den zweiten Schluck, hat für mich aber nicht die Klasse der meisten anderen Moselvertreter. Vielleicht täuschts? Aber bei den anderen weiß man, dass es gut wird, hier muss man hoffen.88.

Ohlingsberg, GG
Noch schwieriger, weil noch verschlossener. Wirkt aber etwas intensiver, zeigt zumindest ein wenig gelbe Frucht. Sehr schwer zu prognostizieren, was daraus einmal werden wird. 89 bis 90.

Clemens Busch
Zum ersten Mal seit 2005 wieder ohne Klebstofftöne unterwegs. Die Weine sind dadurch leichter, balanciert, unanstrengender und wesentlich ansprechender geworden.

Marienburg, GG
Kommt auf den zweiten Schluck, nicht mehr so fett wie früher, eher etwas für Freunde der Eleganz, entfaltet sich im Glas nur langsam, steht aber hinten heraus recht gut. 88

Marienburg Rothenpfad, GG
charmanter als der Vorgänger, fast filigran, schönes Spiel, hat Grip und bleibt dabei elegant. 92

Marienburg Fahrlay, GG
Etwas kräftiger als die beiden anderen, aber auch eine Spur weniger konturiert, das muss sich noch ein wenig finden (hoffentlich tut es das), gibt hinten deutlich mehr Gas als die beiden anderen, aber auch hier ohne das BreitelndeLösungsmittellastige der Vorjahre. 93

Heymann Löwenstein 
Kirchberg, GG
Fein, aber etwas zu schlank für meinen Geschmack. Sehr auf der Schieferaromatik, elegant, leichter als die Kirchberge der Vorjahre, und damit meine ich nicht den Restzucker, der ja schon seit 2012 reduziert wurde. Auch nicht die Botrytis, die ebenfalls seit 2012 draußen bleiben muss wie der Hund vor der Metzgerei. Der Extrakt wirkt etwas geringer und die Frucht versteckt sich (noch?). 88.

Stolzenberg, GG
Im Moment mein Favorit bei HL in diesem Jahr. Tolle Frucht, viel Stoff, wie schon 12, 13 und 14 trocken ausgebaut, gute Konzentration, bleibt schön lang, sehr harmonisch, 92. 

Röttgen, GG
Verschlossener, wirkt aber dennoch tiefgründiger, unter der Verschlossenheit ahnt man reichlich Extrakt und Kraft. Dennoch ungewöhnlich, dass der Röttgen mal so zu ist, ansonsten eine Lage, aus der HL Weine zaubert, die auch schon direkt nach der Füllung strahlen. Wenn sich das rundet, wirds vielleicht den Stolzenberg noch überholen und auf 93 gehen.

Uhlen Blaufüßer, GG
Irre Würze, spontige Noten, sehr viel mineralischer als früher, komplexer, da spielt der Schiefer zwar noch immer eine Hauptrolle, aber da sind auch andere mineralische Noten, das geht ins Salzige, wirkt sehr fein und richtig dicht. 92.

Uhlen Laubach, GG
Sehr verschlossen! Hat eine irre Cremigkeit und auch Tiefe, ist dabei anders als alles, was ich je von diesem Weingut probiert habe. Insofern bin ich auch angemessen ratlos, ob und wie das reifen wird. Nachprobiert am nächsten Tag mit etwas mehr Zeit, das kommt, das kann was, ist zwischendrin immer mal wieder weg und zeigt sich dann wieder. Schwieriger Kunde. 93?

Von Hövel
Was war da denn los? Die Weine fallen für mich deutlich gegen die meisten Mitbewerber an der Mosel ab. Schade, da bin ich ein anderes Niveau gewöhnt.

Scharzhofberger, GG
Vorne verschlossen, zurückhaltend, hinten zwar druckvoll, aber recht spontig und nicht wirklich stringent. Mir fehlt es an Tiefe und Nachdruck. 88.

Hütte, GG
Ganz eigenständig, wirkt fast oxidativ, für mich blind kaum als Riesling erkennbar, die Rebsortentypizität hat er wohl vor der Tür gelassen. 86

Von Othegraven
Bockstein, GG
Sehr schöner Wein mit viel Schmelz. Harmonisch und dabei etwas mineralischer als in den letzten Jahren.  Mutig, weil puristischer als der manchmal eine Spur gefällige Stil des Hauses in den letzten Jahren. Andreas Barth hat offenbar die Idee gehabt, hier etwas mehr Lubentiushof-Stilistik auszuprobieren. Gut so, mir gefällts, auch wenn der Wein etwas leichter wirkt als der eine oder andere Mitbewerber von der Saar. 91/92.

Altenberg, GG
Ähnliche Stilistik, anderes TerroirEtwas kräftiger, noch puristischer. Schöne Länge, da geht hinten heraus richtig etwas. Aus dem Jahrgang alles herausgeholt und einen Altenberg gebastelt, der etwas anders daherkommt als in den letzten Jahren. Aber keineswegs schlechter, sondern mineralischer und eleganter. 92/93.

Van Volxem
Goldberg, GG
Faszinierender Goldberg, setzt bei VV neue Maßstäbe aus dieser Lage. Sehr saftig, dabei elegant, mit großer Leichtigkeit unterwegs und dabei doch sehr extraktig und voll. Dürfte im Abgang noch einen kleinen Hauch dichter bleiben, ansonsten ein Pfund von einem Wein. 92/93.

Scharzhofberger, GG
Recht verschlossen, öffnet sich im Glas nach 10 Minuten ein wenig und zeigt unheimliche Eleganz, Vielschichtigkeit, wunderbar geschliffen und straff. Im Moment sehr zurückhaltende Frucht, da steht die Mineralität im Zentrum, die hier angenehm salzig und ausgesprochen komplex auftritt. Irre lang. Für mich steht er derzeit am besten von allen VV-Weinen da. 95+

Volz, GG
Auch sehr viel Stoff, dabei vielleicht etwas saftiger, etwas mehr Frucht, aber auch schlanker, nicht ganz so druckvoll. Toller, weil feiner und dennoch sehr tiefer Abgang. 91+

Scharzhofberger P
Nicht als GG verkauft, weil mit 9,4 Gramm knapp über der Restzuckergrenze. Organoleptisch nicht wahrnehmbar, das wirkt trocken. Dicht, druckvoll, ist für mich aber im Vergleich mit dem „einfachen“ Scharzhofberger auf der etwas schlankeren Seite und eine Spur weniger eindrucksvoll. Im Abgang allerdings eine Macht. 94+

Altenberg
Ebenfalls nicht als GG verkauft, weil auch hier mit 9,8 Gramm knapp über der Restzucker-Grenze. Und auch hier gilt: Das wirkt organoleptisch absolut trocken. Weil die Säure sehr kräftig ist und der Extrakt dem Zucker viel entgegenzusetzen hat. Nicht einmal der Herr Hofschuster dürfte hier über störende Zuckerschwänzchen mosern. Sehr fein, schmelzig, fast cremig, ungemein lang und im Abgang herrliche Mineralität. 94.

Grans-Fassian
Eine positive Überraschung. Die Weine stehen für mich nicht ganz an der Spitze der Mosel, haben gegenüber den Vorjahren aber deutlich zugelegt. Vor allem fällt die moseluntypische, fast brachiale Kraft auf. Das erinnert mich an die ersten GGs von Kees-Kieren, dieser Bodybuilder-Stil, für den ich an manchen Abenden ja eine richtige Schwäche habe. Wenn auch nur bei Weinen und nicht bei Frauen.

Laurentiuslay, GG
Pikant, kräutrig, sehr harmonisch, gelbe Frucht, etwas Schiefer, Druck ohne Ende im Anklang, hinten heraus lässt er ein wenig nach, bleibt aber auf sehr gutem Niveau. 91.

Apotheke, GG
Saftig, viel Extrakt, fast ölig und dabei trotzdem mit Frische und saftiger Fruchtigkeit, ohne nur im geringsten süß zu werden. Der bleibt auch im Abgang fest und opulent. 92/93.

Hofberg, GG
Etwas weniger direkt, springt einen nicht so an wie die Apotheke, kommt aber mit fast ebenso überwältigenden Extraktwerten und einer Dichte, die mich fragen lässt, warum die Kameraden von diesem Weingut nicht schon 2012 oder 2013 ähnlich auf Konzentration gegangen sind. Sehr feiner und dennoch prägnanter, nachdrücklicher Abgang. 91.

Maximin Grünhaus
Herrenberg, GG
Tja, das ist schon irgendwie gutstypisch, kräutrigruwerig, mit ein wenig floralem Touch auch hinten heraus. Aber irgendwie wirkt das angestaubt und altmodisch. Auch wenn der Igel Nostalgiker ist, die Nostalgie endet eher beim Schwarz-Weiß-Film der Sechziger, nicht beim Stummfilm. Dieser Wein spricht nicht mit mir. Stumm-Halberg? Oder woran liegts. Leider enttäuschend. 85.

Abtsberg, GG
Weniger gutstypisch, und nicht nur das, der Wein hat von allem weniger. Belanglos. 83. Für mich ist das nicht GG-würdig.

Dr. Loosen
Das Weingut kam schon in Wiesbaden bei der Vorpremiere nicht sonderlich gut weg. Jetzt weiß ich auch warum. Herrjeh, aus dem Jahr muss man mehr rausholen, bei allem Respekt!

Himmelreich, GG
Noch das beste der sechs angestellten GGs. Schmelz, Kräuter, durchaus Substanz, etwas zu gefällig und etwas zu druckarm, um die Neun vor das Komma zu bekommen, aber schon ein gelungener Wein. 88.

Domprobst, GG
Konturlos, blass. Verstehe ich nicht. 83.

Sonnenuhr, GG
Ähnlich wenig Persönlichkeit, für mich nicht GG-würdig. 84.

Würzgarten, GG
Etwas kräftiger und konzentrierter, aber auch hier fehlen mir Lagentypizität, Charakter und Tiefgang auf Niveau eines GGs.86.

Treppchen, GG
Cremig, feingliedrig, mit cremigem Schmelz unterwegs, recht leicht aber harmonisch. 87.

Prälat, GG
Flaggschiff des Hauses. Muss der spanischen Armada begegnet sein. Wurde versenkt. Leer, dünn, im Abgang viel zu knapp. 80.

S.A. Prüm
Lay „Grand Ley“
Nicht als GG ausgewiesen, sondern als Erste LageHarmonisch, elegant, etwas leichter als die GGs aber nachdrücklich und differenziert. 88.

Domprobst „Prevot“, GG
Kräftiger, schöne Würze, voll, lang, das hat Druck ohne Ende, dabei konturiert und klar, dürfte noch eine Spur tiefgründiger sein. 91+

Sonnenuhr, GG
Sehr typisches Mosel-GG, saftig, fruchtbetont, Aprikose, Pfirsich, alles schon sehr entwickelt und erstaunlich fertig. Fein und bezaubernd, dabei dichter und tiefer als man auf den ersten Schluck dächte. 92+

Urbanshof – Nik Weis
Saarfeilser, GG
Dem Saarfeilser von Lauer zum Verwechseln ähnlich. Spiel, Finesse, Charme, sehr gelungen, wenn auch eher leicht. Cremig. 91.

Bockstein, GG
Kräftiger, erdiger, würziger, Kräutertöne, schöner Tiefgang, sehr nachhaltiger Abgang. 92.

Stiftungsweingut Vereinigte Hospizien
War nie mein Favorit, habe ich aber nach einigen sehr positiven Berichten der Wiesbadener Verkoster auf die Liste gesetzt. Hat sich gelohnt, erstaunlicher Aufwärtstrend!

Scharzhofberger, GG
Kräftig, dabei straff und sehr mineralisch. Ordentlich Druck auch im leider nicht ganz so langen Abgang. Wenn man ihn nicht mit Van Volxem vergleicht, gegen den er dann doch abfällt, ein richtig feiner Scharzhofberger mit Spiel und Finesse. 90/91.

Altenberg, GG
Verschlossener, derzeit noch etwas uncharmant, sehr puristisch, mit sehr niedrigem Restzucker unterwegs, dafür sehr klar, sehr fein und wunderbar mineralisch. 90+.

Schubertslay, GG
Der kräftigste Wein des Gutes, viel Würze, Kräuter, schöne Fülle, sehr lang, nur ganz am Ende des Abgang noch ein wenig verschlossen. 91/92.

 

Mittelrhein
Schwer, etwas zum Anbaugebiet insgesamt zu sagen, dafür gibt es zu wenige Winzer, die in der Bundesliga mitspielen. Erfreulich aber, dass es bei Jost endlich mal nach vorne geht und das Potenzial des Weinguts besser ausgeschöpft wird.

Jost
Im Hahn, GG
Endlich mal ohne die Bittertöne im Abgang unterwegs, wie auch schon die kleineren Weine des Guts. Viel Stoff, Akzent liegt vor allem auf der Frucht, saftig und sehr eleganter, druckvoller Abgang. Ein klein wenig neues Holz soll der Wein gesehen haben, ich merke davon aber nichts. Wenns wahr ist, ist es schon jetzt perfekt eingebunden und habe ich ausnahmsweise mal nichts dagegen. 92.

Walkenberg, GG
Sehr fein, sehr elegant, tänzelnd, Leichtigkeit pur. Für ein GG ist es mir fast etwas zu wenig Stoff, dennoch keine Enttäuschung. 88.

Bastian
Posten, GG
Cremig, tolle Frucht, wirkt auf den ersten Schmecker fast ein wenig botrytisch. Aber wo sollte er das in diesem Jahr herholen? Ist also alles reiner Extrakt, sehr reif, opulent und saftig. 91. Toller Erfolg!

Matthias Müller
Engelstein, GG
Gelbe Frucht, weich, fast zärtlich, dann aber ab der Mitte auch mit reichlich Muskeln. Schöne Konzentration, ohne dass das fett oder aufdringlich wirkte. Lang isser sowieso. Das macht Spaß! 91/92.

Nahe:
Leider habe ich nicht alles probieren können. Drei Tage sind dann eben doch ziemlich kurz, wenn es so viele sehr gute Weine gibt. Insgesamt ist aber mein Eindruck, dass die Nahe es etwas weniger gut getroffen hat als die Mosel. Wie auch schon einige der Verkoster in Wiesbaden geschrieben hatten, ist vor allem Dönnhoff nicht so ganz einheitlich wie sonst (in der Spitze beim Versteigerungswein aber superb). Auch Dielfand ich im Moment zumindest schwierig. Schäfer-Fröhlich gehört sowieso nie so ganz zu meinen Favoriten, ist aber selbst wenn ich das abziehe 2015 etwas schwächer als sonst.

Diel
Pittermännchen, GG
Hefig, verschlossen, derzeit sehr schwer zu bewerten, Da ist durchaus Stoff und Extrakt vorhanden, das hat sich aber noch nicht gefunden und wirkt auch etwas schlanker als in den besten Jahren des Gutes. 88+

Goldloch, GG
Der fertigste der drei angestellten Weine, ordentlich Substanz, stärker auf der mineralischen Seite als sonst, die Frucht fehlt (noch) ganz, das wirkt noch sehr unfertig aber irgendwie auch nicht wirklich stark. 90?

Burgberg, GG
Auch sehr unzugänglich, auch stark auf der mineralischen Seite, mittlere Kraft, es fehlt ein wenig die Komplexität. 89?

Schäfer
Pittermännchen, GG
Recht fein, gute Fülle und auch mit ordentlich Länge unterwegs, aber deutlich weniger voll und reich als in den Vorjahren. 88.

Goldloch, GG
Etwas voller im Anklang, sehr verschlossen dahinter, ich glaube nicht, dass das zu wahrer Größe reifen wird, zu unharmonisch und zu wenig Extrakt, um auch nur annähernd die 90 zu kratzen. 87.

Herrmannsberg
Die aus Wiesbaden ins Web versprühte Euphorie für dieses Weingut kann ich angesichts der beiden angestellten Weine nicht nachvollziehen.

Steinberg, GG
Erdig, eher von der würzigen Seite, nicht ganz sauber wirkend, vor allem hinten unrund. Auf den dritten und vierten Schluck kommt dann endlich etwas gelbe Frucht hinzu, die Unrundlichkeit bleibt aber. 88?

RotenbergGG
Saftig, gute Fülle, sehr schöne gelbe Frucht, hinten aber deutlich schlanker, zu wenig Mineralik und auch ein wenig stechend im Alkohol, obwohl es nur 12,5 sind. Mit Mühe 90 

Dönnhoff 
Felsentürmchen, GG
Das Dönnhoff-Bashing aus Wiesbaden kann ich bei diesem Wein nicht nachvollziehen. Der ist exzellent! Tolle Nase, bestens balanciert, macht auch am Gaumen gut Betrieb, besticht dabei durch Harmonie. Vielleicht etwas weniger plakativ als in anderen Jahren, eleganter, aber da fehlt es trotzdem nicht an Druck. Am Ende des Abgangs ein ganz klein wenig schlanker als sonst vielleicht. 92+

Dellchen, GG
Fein, cremig, schöne Frucht, doch nicht mit dem letzten Tiefgang unterwegs, hinten fadet er weg, ohne dass es richtig in die Tiefe geht oder ein komplexer Nachhall bliebe. Das klingt jetzt kritischer als ich bin, der kriegt trotzdem seine 91 Punkte, aber halt nicht die 94, die er in seinen besten Jahren bekommen hat.

Hermannshöhle, GG
Würzig, mineralisch, gute Balance, elegant, insgesamt aber etwas verhalten und mir zu leise. Im Abgang kommt noch mal ein wenig etwas, aber es bleibt beim etwas zu leisen fade out, wie schon beim Dellchen. 91.

Dönnhoff Brücke, GG, Versteigerungswein
Favorit vieler in Wiesbaden, ich verstehe warum! Ziemlich sensationeller Wein, Stoff ohne Ende, voll, tief, lang und das alles, ohne auch nur im Geringsten anzustrengen. 98. Dürfte über 100 Euro kosten.

Emrich-Schönleber
Frühlingsplätzchen, GG
Spontannoten, dahinter sehr kräutrig, fest, intensiv und wunderbar lang. 93/94.

Halenberg, GG
Nur ganz leichte Spontannoten, cremig, mit guter Würze und leichten Kräutertönen im Abgang. (Noch?) Nicht ganz balanciert wirkend, hinten heraus schön druckvoll. 91.


Schäfer-Fröhlich 
Frühlingsplätzchen, GG
Mich macht dieser Schäfer auch in diesem Jahr wieder nur unfröhlich. Klar, die üblichen Spontinoten verbieten es eigentlich, Aussagen zum Potenzial dieses Weines zu machen, ich finde das aber "hinter den Spontinoten" wieder einmal zu wenig harmonisch, keine Frucht, keine Kräuter, nur diese sehr aggressive, einseitige Mineralik. Dafür teuer. Keine Wertung. Würde mich wundern, wenn das bei mir je über 90 käme.Ähnliches gilt für die anderen SF-Weine, die ich hier nicht einzeln verreiße, ich mache mich so ja schon unbeliebt genug.


Rheinhessen
Einige wirklich herausragende Weine kommen in diesem Jahr aus Rheinhessen. Allerdings ist es kein flächendeckender Spitzenjahrgang. Der eine oder andere Wein bleibt auch hinter dem Soll für gute Jahre leicht zurück. Prominentestes Beispiel ist der Morstein von Wittmann. Macht nix, dafür haben die eine sagenhafte Aulerde hingelegt. Kühling-Gillot lässt Battenfeld-Spnier vielleicht etwas deutlicher hinter sich als sonst, Wagner-Stempel hat dafür einen Volltreffer gelandet. Und Winter, ja Winter, das muss!

Wagner-Stempel 
Höllberg, GG
Das Weingut war schon im schwierigen Jahr 2014 eines derjenigen, die am besten mit dem Jahrgang umgegangen sind, an den Heerkretz erinnere ich mich mit Freuden. Einer von nur drei Weinen, die ich 2014 im GG-Bereich gekauft hatte. Der Höllberg 2015 bringt in der Nase am Anfang noch einen ganz leicht medizinalen Ton, kommt dann aber saftig, dicht und balanciert, sehr lang und schön ausgeglichen. 92 bis 93

Heerkretz, GG
An sich wollte ich den Höllberg schon auf die Kaufen-Liste setzen, dann kam der Heerkretz ins Glas und das Bessere war sofort der Feind des Guten. Ähnliche Stilistik, aber noch etwas feiner gezeichnet, tiefschürfender. Das geht für Drucktrinker wie für Eleganztrinker, weil nicht plakativ und auch nicht muskulös, aber lang und tief genug, und dabei wunderbar elegant. 95. Der kommt in den Igelkeller.

Emt, GG (Kernstück Heerkretz), Versteigerungswein
Vorne Saft pur, unendlich viel Stoff, gewaltig, sehr harmonisch, derzeit hinten etwas zu schlank, das kann aber noch zulegen. Ungefähr bei 95. Dürfte um die 75 Euro kosten.


Kühling-Gillot 
Ölberg, GG
Wow! Etwas anderer Stil als gewohnt, im Anklang mehr Frucht im Verhältnis zur Mineralik. Erst im Abgang wieder die sehr typischen, kraftvollen KG-Noten. Saftig, dicht, lang, toller Wein! 94. Schade, dass ich den in diesem Jahr bei unserer üblichen Bestellung nicht geordert hatte. So muss ich ihn teurer nachbestellen.

Hipping, GG
Hat mir letzte Woche bei der ersten Verkostung noch sehr wenig gesagt. In dieser Woche etwas besser über den Füllschock weg, vielleicht auch etwas länger geöffnet. Kühle, grünmelonige Frucht, viel Saft. Dennoch kommt er nicht an den Ölberg ran, ist einfach nicht so harmonisch und nicht so klar. Und wieder habe ich wie schon in Siegburg den Eindruck, dass da etwas neues Holz im Spiel ist. Der Winzer hats schon in Siegburg energisch von sich gewiesen. Ich weiß zwar nicht, was das sonst sein soll, glaube Hans-Oliver Spanier aber natürlich aufs Wort und kanns mir dann halt nicht mal erklären. Irgendwelche Rätsel müssen ja auch bleiben, im Leben. 91.

Pettenthal, GG
Bingo, das ist wieder superb. Deutlich typischer für den Stil des Hauses als der Ölberg, ganz auf der krachenden Mineralität, mit irre viel Extrakt und einer unglaublichen Tiefe. Den Stil muss man mögen, das liebte auch bei der Verkostung nicht jeder, aber ich mags halt. 96.

Rothenberg, GG
Noch etwas voller, noch eine Spur dichter, da neigt sich die Sache dem Monumentalen zu. Auch ganz im Stil des Weinguts, dickflüssig, Steinextrakt pur. 97.

Battenfeld-Spanier 
Kirchenstück, GG
Typischer für das Weingut als einige der Kühling-GGs fürs Schwestergut, aber nicht ganz auf der Höhe der besten bisherigen Jahrgänge. Gute Frucht, viel Trinkfluss, viel Saft, etwas schlanker im Abgang als gewohnt. Dennoch 91/92.


Am schwarzen Herrgott, GG
Klasse! Saftig, kräftig, dicht, auch in der gewohnten Stilistik des Weingutes gehalten. Die Auguren in Wiesbaden sahen ihn nicht auf der Höhe von 2012/2013, ich denke, wenn überhaupt, dann steht er nur ein kleines Stückchen hinter diesen Jahren zurück, vielleicht weil er im Abgang nicht ganz so nachdrücklich ist. 93.


Gunderloch
Hipping, GG
Duftig, fast parfümiert, gerade noch auf der richtigen Seite von floral gelandet. Voll und dabei trotzdem elegant. Wer die Kühling.Weine zu fett findet, oder zu einseitig mineralisch, der kriegt es hier etwas mehr auf der easy-drinking-Schiene, ohne dass das in irgendeiner Weise abwertend gemeint wäre. 91.

Pettenthal, GG
Sehr spontig, cremig, hat Stoff und bleibt auch bis in den Abgang hinein sehr präsent und sehr nachdrücklich am Gaumen. Erst ganz zum Ende zu verschlankt er sich etwas. Ich bin gespannt, wohin das gehen wird, traue ihm aber nicht so viel zu wie dem Pettenthal von Kühling. 92+?

Rothenberg, GG
Etwas Holz hat er gesehen, zwar nur in der Drittbelegung, aber es schmeckt doch ziemlich vor. Ist nicht meines, aber wers mag, wird an diesem Wein Freude haben, denn Extrakt und Fülle sind hinter dem Holz nicht zu verleugnen. Keine Bewertung.


Schätzel
Ölberg, GG
Ein feiner Ölberg, eher von der leichteren Fraktion. Vielleicht wäre ich gnädiger, hätte ich ihn vor dem Wein von Kühlingprobiert. Danach tut er sich natürlich sehr schwer, weil er einfach nicht diese Kraft und Opulenz erreicht. 88.

Winter
Tja, wer die Weine von Winter nicht kauft, dem ist wahrscheinlich nicht zu helfen. Das ist vom Niveau her inzwischen nicht mehr hinter den Etablierten in Rheinhessen zurück, die Winter GGs kosten den Endversaufer aber noch immer nur 25 Euro die Flasche. Kaufbefehl!

Kloppberg, GG
Stilistik wie Kühlingalso extrem mineralisch, Druck, Kraft und dabei ordentlich Tiefe. Nicht ganz die Power im Abgang aber ein Granatenwein. 91/92.

Leckerberg, GG
Noch eine Spur kräftiger, ölig, extraktreich, lang. Toll! 92/93

Geyersberg, GG
Noch einmal eine Steigerung, noch fester, noch länger und noch eine Spur vielschichtiger. 93/94

Wittmann 
Aulerde, GG
Unterhalb der Versteigerungsweise einer meiner Favoriten. Nahe an der Perfektion, cremig, süße gelbe Frucht, tolle Balance von Frucht und Mineralik, sehr gute Länge, die Ansage der Wittmanns, aus der Aulerde künftig das Potenzial voll herausholen zu wollen, war keine leere Versprechung. 95.

Morstein, GG
Au, damit tue ich mich sehr schwer in diesem Jahr. Ein durchaus guter Anklang, mineralisch, vielschichtig, das scheint zu passen. Und dann bricht er weg. Im Abgang bleibt dann fast nichts mehr und man sucht die gewohnte Tiefe und Fülle. Und findet sie nicht. Ich bin es gewohnt, die Morsteinein diesem jungen Stadium zu probieren, das hat also nichts mit Reifestadium oder Verschlossenheit zu tun, das ist hinten einfach zu wenig, fast leer. 87.

Kirchspiel, GG
Sehr fein, sehr saftig, der Aulerde nicht unähnlich, vielleicht sogar mit dem etwas größeren Potenzial unterwegs, im Moment aber erstmal gleichauf. 94. Schade, dass ich des Brunnenhäuschens bislang noch nicht habhaft werden konnte, der fehlt so leider in der Reihe.

Groebe 
Aulerde, GG
Fällt im Vergleich zu Wittman extrem ab. Gelbfruchtig, fast einen Hauch botrytisch, etwas medizinal in der Nase, leicht karamellig am Gaumen, dabei schon kräftig, voll und auch lang, aber für die 9 vor dem Komma reicht das sicher nicht. 88/89

Kirchspiel, GG
Deutlich besser, weil harmonischer. Es fehlt aber die Ecke, die Kante, das Besondere, was ihn definitiv über die 90 brächte. 89/90


Pfalz
In der Pfalz zeichnet sich ab, dass 2015 sehr gut gelungen ist, vielleicht aber auch hier nicht flächendeckend als Spitzenjahrgang bezeichnet werden darf. Leider kommen die Bürklin-Weine erst in einigen Monaten in die Verkostung – und bevor die nicht raus sind, darf der Stab über das Jahr wahrscheinlich ohnehin nicht gebrochen werden. Ein Aufsteiger hat mich aber absolut begeistert, deswegen geht es mit dem auch los.


Acham-Magin
Was ist da denn los? Doping? Müssen die von den nächsten Weinolympiaden ausgeschlossen werden? Ich kenne das Weingut nun auch schon 15 Jahre, es war von den in Forst ansässigen Gütern immer auf einem soliden Platz 2 hinter den Mosbachers. Und weit hinter den drei Großen mit den Lagen in Forst und den Gütern in den Nachbarorten – Buhl, Bassermann und Bürklin. Jetzt plötzlich stecken die GGs von Acham-Magin die Mosbachers ziemlich in die Tasche. Ob man sie den Buhls und Bassermans vorzieht, mag Geschmacksache sein, weil da ja zum Teil mit neuem Holz gearbeitet wird und auch sonst viel herumprobiert. Für mich waren die vier Acham-Magin GGs jedenfalls 2015 die Spitze aus den Forster Lagen.

Pechstein, GG
Saftig, cremig, tief, irre Würze, spielt die Pechstein-Mineralikvoll aus, ohne deswegen die Frucht zu verstecken. 92+

Jesuitengarten, GG
Das hat so viel Stoff, das reicht für einen Burkini für jede Forsterin. Dicht, tief, feingliedrig und dabei so voll. Und jetzt schon extrem zugänglich. Applaus! 94.

Ungeheuer, GG
Schöne Frucht, charmant, etwas dunkler als der Jesuitengarten, da sind auch rotfruchtige Elemente drin. Voller als der Jesuitengarten aber doch etwas weniger tief. 93.

Kirchenstück, GG
Großes Kino, superbe Frucht, Kräuter, Saft, großer Trinkfluss, ungemein animierend, dabei absolut klar und geradeaus. Sehr gute Länge! 94.

Christmann 
Was soll ich zu Christmann sagen. Alle Weine der letzten Jahre sind mit dieser spontig-kalkmineralischen Daunenjacke zugedeckt, die es kaum erlaubt, Prognosen zur Entwicklung abzugeben. Keine Ahnung, wohin das läuft, das ist so anders, so schwer zugänglich. Aber da sich 09, 11 und 12 bislang nicht so entwickelt haben, dass ich völlig euphorisch würde, bin ich bei den meisten Weinen etwas vorsichtig.

Reiterpfad Hofstück, GG
Cremig, fein, sehr balanciert, mit 39 Euro Endverbraucherpreis nicht gerade als Sonderangebot unterwegs, gerade weil der Wein solche Rätsel aufgibt. 90?

Meerspinne im Mandelgarten, GG
Auch hier diese krassen mineralischen Noten, darunter ein Wein mit ordentlich Substanz aber vielleicht nicht ganz der Kraft und Fülle, die der Mandelgarten früher einmal hatte. 89.


Idig, GG
Das gilt auch für den Idig. Kräftiger, wenngleich ebenfalls eher auf der eleganten Seite, tiefer als der Reiterpfad aber wie dieser mit den spontig-mineralischen Noten, die mir leicht suspekt sind. Liegt inzwischen bei 47 Euro, das Risiko ist mir zu hoch. Kann das mal auf 93 gehen??? Früher vor der Umstellung auf Biodynamik haben die Christmänner es einem leichter gemacht. Da war der Wein von der Füllung an voll da.

Ölberg Kapelle, GG, Versteigerungswein
Der klar beste der Christmänner, leicht medizinal, dann auch hier die gutstypische Spontimineralik, dazu aber mehr Frucht, das Ganze zudem feiner, tänzelnd, deutlich klarer und eleganter. Sehr fein und ziemlich groß. Eleganztrinker dürften hier auch bei 98 landen. Wird vermutlich an die 100 Euro kosten. Auch weiß ich wieder nicht recht, wie sich das entwickelt, bin aber optimistischer.

Buhl 
Reiterpfad in der Hohl, GG
Wirkt so, als hätte er keine neues Holz gesehen. Sehr kraftvoll, unheimlich frisch, viel gelbe Frucht, sehr harmonisch, lang, wow!! 94

Kieselberg, GG
Erstaunlich belanglos, etwas holzwürzig, ansonsten ohne nennenswerten Charakter. Uninteressant. Maximal 85. 

Ungeheuer, GG
Saftig, cremig, viel Druck, leider etwas neues Holz im Hintergrund, aber dosierter als in den vergangenen beiden Jahren (oder der Jahrgang ist kräftiger, die Dachlatten sind jedenfalls mehr im Hintergrund), dennoch hinter dem Reiterpfad zurück, evt. bei 93 für die, die nix gegen das Holz haben. 

Jesuitengarten, GG
Durchaus ähnlich aber eine Spur cremiger, weniger direkt, auch weniger kräftig und weniger interessant. Ebenfalls mit eher dezentem Holz. 92? 

Pechstein, GG
Hier kam das neue Holz am stärksten durch, der hatte aber auch besonders viel Substanz. Wird Zeit brauchen. Keine Wertung. Ich brauch das mit dem Holz nicht, ich verstehe auch nicht, was das soll. 


Bassermann-Jordan
Hohenmorgen, GG
Cremig, charmant und dennoch mit ordentlich Kraft unterwegs. Recht klar in seiner Anlage, mir eine Spur zu schlank für die Neun vor dem Komma. 89.

Ungeheuer, GG, und Jesuitengarten, GG
Vom neuen Holz verwaschen, deswegen leider ziemlich undifferenziert. Ich brauche solche Weine nicht, keine Wertung.

Pechstein, GG
SchöneMineralik, samtig, fein, der kommt auf Zehenspitzen und wird dann aber immer vehementer. Zum Glück kein neues Holz. Recht tief und tolle Balance. 91.


Mosbacher
Kieselberg, GG
Sehr fein gezeichnet, dabei aber auch saftig und voll, nur im Abgang fehlt ein wenig die Tiefe. 89.

Ungeheuer, GG
Opulent, reichlich Extrakt, mich stört aber der Alkohol, der etwas vorsticht (13,5 Prozent). Dennoch ein gelungener Wein, dicht, druckvoll im Abgang. 90.

Freundstück, GG, und Pechstein, GG
Werden nicht bewertet, weil vom neuen Holz überlagert.


Rheingau
Im Rheingau bietet der Jahrgang kein einheitliches Bild. Einige Güter haben besser abgeschnitten als sonst in guten Jahren, andere auch etwas schwächer. Mir fällt auf, dass die Rüdesheimer Lagen besonders begünstigt zu sein scheinen.

Allendorf
Jesuitengarten, GG
Ordentliche Fülle, dabei cremiger Kern, etwas kräutrig, elegant und mit mittlerer Länge unterwegs. 86.

Hasensprung, GG
Mineralischer und tiefer als der Jesuitengarten, das hat ordentlich Druck und bleibt trotzdem sehr gradlinig. Kratzt an den 90, bliebt aber bei mir doch an den 89 hängen.


Barth
Wisselbrunnen, GG
Spontig, vordergründig, zu leicht für ein GG. 84.

Schönhell, GG
Spontig, vordergründig, zu leicht für ein GG. 84. (und nein, das ist kein Fehler, dass hier der gleiche Text steht wie beim Vorgänger, das Weingut hat halt eine einheitliche Linie…)


August Eser
Doosberg, GG
Was ist da denn passiert? Das wirkt muffig und dumpf. Für mich ist das fehlerhaft. Leider kein Flaschenfehler.

Flick
Hölle, GG
Würzig, erstaunlich erdig, fast fett im Abgang, ölig, mir etwas zu süß und eine Spur zu kurz. Herr Flick meint, es soll eine Art „Einstiegs-GG“ sein, das er brutto für unter 10 Euro an die Gastronomie (EK) abgeben will. 86.

Nonnberg, GG
Man kann sich kaum vorstellen, dass dieser Wein aus demselben Weingut stammt. Voller, saftiger, ganz andere Baustelle, ganz andere Liga. Schmelz, Geschmeidigkeit und dabei viel Material, gerade auch im Abgang. 91.

Königin Victoriaberg, GG
Noch etwas kräutriger und kräftiger, insgesamt aber nicht besser, weil eine kleine Spur grünlich. 90.

Prinz von Hessen
Probiert habe ich Klaus, Jesuitengarten und den geholzten Hasensprung. Alles viel zu einfach für GGs. 82 bis 83 Punkte. Schade.

Schloss Johannisberg
Schloss Johannisberger Silberlack, GG
Tja, da arbeitet einer unter seinen Möglichkeiten. Außerdem finde ich in diesem Wein genau den Ton, der bei FX Pichler seit Jahren so lustige Kontroversen auslöst. Für mich fehlerhaft.


von Mumm
Berg Rottland, GG
Mantel des Schweigens. 75.

Johannishof
Hölle, GG
Balanciert, schöne Frucht, insgesamt aber zu harmlos für ein Großes Gewächs, es fehlt die klar erkennbare Identität, das Profil. 84/85.

Berg Rottland, GG
Cremig, gelbe Frucht, feines mineralisches Spiel, das mit Luft noch deutlich eindrucksvoller wird. Guter Extrakt nur hinten heraus etwas auslassend. 87/88.

Jung
Hohenrain, GG
Mineralisch, würzig, das geht schon ins Salzige. Gute Länge, wobei er mit am Ende doch ein wenig zu artig bleibt. 89.

Siegelsberg, GG
Fruchtbetonter, hat aber auch schöne Kräutertöne, ordentlich Schmelz, sehr rund, sehr balanciert, viel Saft und hinten ziemlich fordernd. 90+


August Kesseler
Berg Roseneck, GG
Sehr gehaltvoll, da merkt man das Bestreben, konzentriertere Weine zu erzeugen. Dicht, sehr lang, das macht richtig Freude, einer der besten Kesseler-Rosenecks ever. 91/92.

Berg Schlossberg, GG
Noch eine Spur stärker, ganz viel kühle Mineralik, wunderschöne Kräuternoten, sehr vielschichtig. Kompliment! Bei Kesseler geht’s voran. 93.


Knyphausen
Wisselbrunnen, GG
Auch hier geht es seit einigen Jahren wieder etwas aufwärts. 2015 bestätigt das bei den GGs aber nur zum Teil. Nämlich mit dem Wisselbrunnen. Der hat Grip, kommt vorne vollfruchtig an, auch mineralische Noten, zwischendrin lässt er mal ein wenig nach, dann legt er wieder zu. Mit Luft im Glas etwas durchgängiger. 90.


Hohenrain, GG, und Siegelsberg, GG
Mantel des Schweigens. Je 80.
Es gibt auch noch einen Wisselbrunnen „Arn“ im Halbstück aus neuem Holz in der Erstbelegung. Habe ich zur Sicherheit nicht probiert.

Kühn
Sankt Nikolaus, GG (2014)
Einer der Weine, die in Wiesbaden ziemlich flächendeckenden Applaus bekommen haben. Nur Yves Beck mochte ihn nicht. Die gute Nachricht für die Kühn-Fans aus Wiesbaden, nicht nur der Yves, auch der Igel wird Euch davon nichts wegkaufen. Das ist derzeit völlig unzugänglich, Holz, eher breit angelegt. Keine Wertung.

Künstler
Erstmals sagen mir bei Künstler die Weine aus den in den letzten Jahren zugekauften Lagen (Kostheim und Rüdesheim) richtig zu. Die Hölle schwebt über allem, das Kirchenstück stellt mir die Frage, ob es die 14 Prozent Alkohol auf Dauer wird wegstecken können.

Berg Rottland, GG
Endlich mal ein Berg Rottland von Künstler, der die Balance zwischen Frucht und Mineralik gefunden hat. Großes Kino, toller Erfolg. Im Anklang geradezu überbordend. 91.

Berg Schlossberg, GG
Noch besser, cremig, tolles Säurespiel, eher auf der mineralischen Seite, feingliedrig, verspielt und dennoch mit ordentlich Karacho an den Papillen. 92.

Weiß Erd, GG
Würzig, extrem trocken, herrliche Säure, sehr reif, lang, dicht, pfeffrig. Superb! 93.

Kirchenstück, GG
Fruchtbetont, viel Orange, saftig, sehr konzentriert, schmeichelnd wie immer, nur hinten stechen die 14 Prozent schon ziemlich wespig ins Zäpfchen. 93?

Hölle, GG
Der Star des Hauses auch in diesem Jahr, Kraft pur, unglaubliche Tiefe, herrliche Frucht, das ist laaaang. 96.


Leitz
Berg Roseneck, GG
Sehr mineralisch, wirkt aber auch ein wenig oxidativ. Mir fehlt der letzte Druck und der Tiefgang. 87.

Berg Kaisersteinfels, GG
Weinig, viel Schmelz, einen Hauch Rosenblätter finde ich auch drin, ohne dass es ins Parfümierte ginge. Saftig und lang, dürfte aber hinten noch etwas mehr zeigen. Dennoch 90.

Berg Rottland, GG
Weich aber intensiv, unheimlich duftig, elegant und doch so tief. Animierend und alles andere als anstrengend. Großes Kino. 92/93.

Berg Schlossberg, GG
Schön, viel Frucht, gute Fülle, ordentlich Würze, hinten fehlt ein wenig an Druck. 91.


Balthasar Ress
Wisselbrunnen, GG
Kräftiger Anklang ,leicht oxidative Mitte, am Schluss fast karamellig. Ich finde das nicht balanciert und auch nicht animierend. Wieder schwimmt der Igel gegen den Strom. 83.

Nussbrunnen, GG
Etwas weniger von allem als der Wisselbrunnen, aber auch mit diesem leicht oxidativen Ton unterwegs und ebenfalls nicht wirklich balanciert. Nicht mein Typ Wein. 82.


Spreitzer
Wisselbrunnen, GG
So kann man Wisselbrunnen natürlich auch machen. Frisch, schöne Säure und mit viel Zug, dabei durchaus auf mehreren Ebenen unterwegs und schön lang. 91.

Rosengarten, GG
Charmant, saftig, sehr leicht, fast zu leicht für ein GG, aber das täuscht auch ein wenig, denn hinten legt er nochmal zu. Eleganzmonster! 89.


von Oetinger (erst ab 2017 im Verkauf)
Hohenrain, GG
Schöne Kräuter, fein, saftig, trotz der Fülle mit viel Eleganz unterwegs, ein wenig fehlt mir der letzte Biss, aber den kann er ja noch bekommen. 91+

Siegelsberg, GG
Schöne Kräuter auch hier, etwas wärmer als der Hohenrainaber auch eine Spur leichter. 89.

Marcobrunn, GG
Der kräftigste Oetingerwein, sehr harmonisch, ordentlich Druck bsi in den Abgang hinein, das wird! 91+

Robert Weil
Gräfenberg, GG
Die Euphorie aus der Wiesbadener Verkostung („Gräfenbergschwebt im Rheingau über allem“) kann ich bei mir nicht generieren. Kühle Frucht, saftig, er ruft mir aber nicht gleich Gräfenberg entgegen, wenn ich den Gewürzprüfer ins Glas halte, früher war mehr Lagentypizität. Es ist ein sehr kräftiger, sehr gelungener, sehr langer Wein, aber ein Wein, der etwas zu glatt wirkt. Unmittelbar nach den Künstler-GGs verkostet, langt er an die Hölle nicht heran, bei weitem nicht. 93.

 

Domdechant Werner
Kirchenstück, GG
Typischer Stil des Hauses, eher ölig, etwas schwer, mit einem Salbeieinschlag. Aber durchaus gelungen, schöne Konzentration. Gefällt mir in diesem Jahr erstmals besser als die Domdechaney. 91.

Domdechaney, GG
Noch sehr verschlossen, es mangelt aber auch ein wenig an Ausdrucksstärke, vielleicht kommt das mit weiterer Reifung noch ein wenig. Im Glas legt er derzeit mit Luft kaum zu. 89.

Franken:
Ein Urteil über das Gebiet maße ich mir nicht an. Zumal ich dann ja auch die Silvaner und Burgundersorten hätte probieren müssen. Daher nur drei Rieslinge:

Luckert/Zehnthof 
Maustal GG
Sehr fränkisch und entsprechend eigenständigIrre viel Extrakt, ziemlich monumental, Stoff und Druck ohne Ende. 14 Prozent Alkohol, die drückt er sehr gut weg. Einer der kräftigsten Weine der Probe, die Begeisterung aus Wiesbaden kann ich verstehen, dennoch ist es nicht so ganz meines. Kann man rein von der Konzentration her 95 Punkte für geben, mir wäre er das nicht ganz wert.

Johann Ruck
Julius-Echter-Berg, GG
Klassischer Riesling, blind nicht als Franke zu erkennen. Elegant, tief, stark auf der Fruchtseite unterwegs. Lang, schön. 91/92.

Horst Sauer
Am Lumpen 1655, GG
Auch kein typischer Franke, fein, viel mineralisches Spiel, animierende Fruchtigkeit ohne jede Süße, dennoch fehlt im Vergleich zu den Vorjahren ein wenig die Dreidimensionalität. In diesem Jahr ziehe ich bei Horst Sauer die unteren Qualitätsstufen vor, die sind wirklich grandios. 89.