Sonntag, 11. März 2012

Portwein, der unbekannte Wein ?


Portwein, na klar kenne ich Portwein. So oder so ähnlich lautet die Antwort, wenn man jemanden nach jenem Likörwein portugiesischer Herkunft fragt. Schon bei der nächsten Frage, nämlich bevorzugst du Ruby oder Tawny scheitern geschätzte 90% oder mehr. Berufsbedingt waren meine Kenntnisse des Getränkes deutlich größer, diese basierten zum größten Teil jedoch eher aus theoretischem Wissen , denn aus praktischer Erfahrung. Aber genau deshalb gibt es ja das Kölner Weinforum. Theorie in Praxis umzuwandeln. Umso enttäuschter war ich, als nur 10 Weinnasen den Weg in unsere Katakomben gefunden haben. Eigentlich war der Kölner Kreis ja berühmt für Neugier und Unerschrockenheit gegenüber Neuem. Wir haben uns wagemutig in das Abenteuer der ungarischen Weinwelt gestürzt, Weine aus Savoyen probiert, auch Weine aus Laos, Vietnam oder Brasilien haben wir todesmutig probiert und immer war das Haus voll. Aber warum kneifen die Leute beim Portwein? Ein gehobenes Maß an Unwissenheit gehört mit Sicherheit dazu. Ich für meinen Teil werde nach diesem Abend mit Sicherheit meinen, sonst eher spärlichen Portweinbestand etwas aufstocken. Denn außer einem LBV aus dem Hause Gould Campbell, den ich immer wieder für meine Saucen brauche und einem weißem Port, auch nur zum kochen, habe ich in der Regel nichts derartiges im Haus gehabt.



Meine Favoriten des Abends links Tawny rechts Vintage. Das beide aus dem Hause Graham stammen muss purer Zufall sein. 
Da sich niemand bei uns so recht mit dem Thema auskennt haben wir uns extern beraten lassen. Wir haben das Thema outgesourct wie das Neudeutsch so unschön heißt.
Als Kenner auf dem Gebiet gilt der aus Langenfeld stammende Axel Probst von World of Port. Aufgrund der räumliche Nähe zu Köln stand einer persönlichen Anreise nicht viel im Weg. Ein Besuch der Homepage beantwortet dann auch gleich die Eingangs erwähnte Frage ob des Unterschieds von Ruby und Tawny und auch noch viel mehr. Wer mehr über Port wissen möchte, einfach mal durch den Dowmloadbereich durch klicken bei World of Port.

Jetzt ab zu den Weinen
Wir begannen mit einem Pink Port. Die Zielgruppe des Getränkes erklärt sich schon aus der Farbgebung. Schmecken tat er wie 100 rote in Wodka aufgelöste Gummibärchen.

Dann folgten weiße Ports, die auch nicht den Geschmack der Runde trafen. Der trockenen zu alkoholisch, die süßen zu süß war der einstimmige Tenor der Rieslingverwöhnten Gaumen am Tisch. Auch ein schnell hergestellter Cocktail aus 1/3 weißem trockenen Port und 2/3 Tonic Water konnte die Runde nicht so recht umstimmen, aber das unbekannte Getränk sammelte schon mal die ersten Pluspunkte.
Dann wurde es endlich Ernst. Wir begannen mit den Tawnys.


Watt is denn en Tawny, würde der Kölsche jetzt Fragen.
Hier die Antwort von Axel:

"Nach der zweijährigen Lagerung in den großen Fässern reifen Tawny Ports in kleineren Fässern (Pipen) über Jahre und Jahrzehnte weiter. Aufgrund des verstärkten Kontaktes zum Sauerstoff verliert der Wein seine tiefrote Farbe und nimmt einen lohfarbenen (tawny) Farbton an.
Gealterte Tawny Ports gibt es nur mit den Altersbezeichnungen 10, 20, 30 und (über) 40 Jahre alt. Des weiteren existieren auch "Jahrgangs-Tawnies", so genannte Colheitas (ausgesprochen: Koll-jäi-tah), die die Besonderheiten des jeweiligen Jahrgangs wiedergeben.
Die geschmacklichen Eigenschaften des Tawny Ports hängen von der ursprünglichen Qualität des Weines und der Länge der Fasslagerung ab. Die anfänglich volle Frucht der Weine wandelt sich mit zunehmender Lagerung in den Pipen in Aromen von Nüssen und Dörrobst, getrockneten Feigen und Datteln, der nach der Länge der Fasslagerung immer ausgeprägter wird. Bei den Tawny Ports ist stets auf das Abfülldatum zu achten, da sie ähnlich zum Whiskey nach der Abfüllung auf die Flasche nicht mehr weiterreifen.
Jüngere Tawnies (bis 20 Jahre alt) werden gerne gekühlt vor dem Essen gereicht, während Ältere auch gerne zu Käse und süßen Nachspeisen getrunken werden. Hervorragend passt ein Tawny auch ergänzend zu Kaffee und Kuchen."

Der 10 Jahre war nicht Fisch, nicht Fleisch. Der 20 Jahre alte war der Preis(/leistungssieger. Mir persönlich schmeckte der 30jährige am besten. Der 40jährige war auch Klasse, mir fehlte da etwas Frische und Frucht. 
Die beiden 92er Colheita trafen nicht ganz meinen Geschmack. Ach ja, Colheitas sind Tawnys aus einem Jahrgang. 

Dann kamen die Vintage Ports. Hier sei als erstes gesagt keine Angst vorm Alter. Gut gelagerte Vintage Ports halten Jahrzehnte und gute auch ein Jahrhundert oder mehr. Der Stiel ändert sich mit dem Alter komplett. Erinnert der 65er Port noch ein wenig an Tawnys so ändert sich das von Jahrzehnt zu Jahrzehnt eher zum fruchtigen. Bis zum ganz Jungen, der eher an einen stark konzentrierten Wein mit etwas zu viel Alkohol erinnert, denn mit Port in Verbindung gebracht wird. Auch hier gefielen mir die "Portigeren" (Älter) Ports besser als die "Weinigen"(Jünger).

Alles in Allem ein gelungener Abend, der bei mir Lust auf Mehr gemacht hat.


Wer auch Lust bekommen hat etwas Portwein zu probieren noch einige Tipps:

Um erst einmal herauszufinden, welcher Typ man ist, Ruby oder Tawny, eignen sich die beiden Ports von Niepoort "Max" und "Moritz". Max für den Ruby Typ mit viel dunkler Frucht und Moritz für den Tawny Typ mit den eher fassbetonten Aromen. Gleiches gilt auch für Niepoort "Junior" und "Senior".
Quelle: www.niepoort-vinhos.com
Auch sehr gut zum Einsteigen ist ein LBV geeignet wieder für den Ruby Typ: 
Mein Tipp der LBV von Gould Campbell. Bei Niepoort oder Warre macht man jedoch auch nichts falsch.

Der Tawny Typ sollte sich einen Tawny mit Altersangabe gönnen. 10 Jahre ist gut, besser aber noch den 20 Jahre alten. Das ist dann aber auch schon eine Frage des Geldbeutels.
Wem ein Crusted Port über den Weg läuft, der kann auch hier beherzt zugreifen. Die wenigen die es gibt, sind in der Regel auch ausgezeichnet. Hierzu sei einem die Lektüre von Tom Sharpe Büchern angeraten, dessen Protagonisten stets auf Crusted Port schwören. Very british.

Wer weitere Fragen hat, kann diese gerne bei Axel loswerden. Auch munkelt man, dass er stets einige Vintage Ports älterer Jahrgänge in seinem Keller hat. 







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