Sonntag, 30. Januar 2011

Château Sociando Mallet 1998

Weh-Weh-Weh Willis Wein Werkstatt


Heute auf der Hebebühne: Château Sociando Mallet 1998


Heute war es mal Zeit für einen meiner Lieblinge: Sociando Mallet. In guten Jahren wie 1990 oder 2000 qualitativ lässig auf dem Niveau besserer Grands Crus, preislich aber erfreulich weit unterhalb der Schmerzgrenze. Das schlägt sich in der Einkaufspolitik nieder; im Keller habe ich eine ganze Familie Sociandos wohnen, die sich dort recht wohl fühlen und immer wieder mal Junge kriegen. Der 1998er gilt innerhalb der Familie nun allerdings als das Sorgenkind. Ein Rauhbautz, immer ein wenig ruppig unterwegs, während seine Brüder und Schwestern doch eher mit vornehmer Eleganz und viel Charme auftreten. So zückt Parker gerade einmal 88 Punkte und auch die Kölner Seilschaft hatte 2005 im Schnitt nicht mehr für den Wein übrig – rief ihm gar noch hinterher, er solle sich mal ein paar Jahre nicht blicken lassen und erst einmal etwas erwachsener und reifer werden.

Die Gelegeneheit dazu hatte er inzwischen. Zeit für eine neue Chance! Also heraus mit dem Korken, der Herr Sociando, verehelichter Mallet, hat das Wort. Und, puuh, der stank erst einmal. Im ersten Moment bot die Nase chemisch-medizinale Töne, irgendwie auch ein wenig nach Plastik roch das Ganze. Zum Glück verflog dieser Spuk innerhalb einer Minute und wich einer heftigen Paprika. Meine Fresse, so viel Cabernet in der Nase, da wäre man ja kaum auf Bordeaux gekommen. Dazu nur ein Spürchen Kaffee und Kakao, insgesamt vom Duft her ein spröder und austerer Geselle. Erst mit einer halben Stunde Luft kam auch ein wenig Frucht aus der Deckung hervor. Plus ein ganz leichter Marzipanhauch, so als würde eine klitzekleine Marzipankartoffel am anderen Ende der Weinwerkstatt vor einen Ventilator gehalten. Doch schon nach einer weiteren halben Stunde zerfiel das wieder, dann schnurrte die Nase wieder auf das Cabernetige zusammen.

Am Gaumen ebenfalls Cabernetalarm, eher grüne als rote Paprika, das wirkt nicht wirklich reif. Allerdings eher so als sei das Lesegut ein wenig grün gewesen, nicht ein Mangel an Lagerungs- oder Beatmungszeit der Grund für die verstockte Verschlossenheit. Zumal die Tanninstrenge nur die eine Seite der Münze war – auf der anderen Seite schien er mir fast schon ein wenig über den Punkt, mit ersten Einschlägen von Tertiäraromen. Dafür sprach auch, dass sich am Gaumen das Phänomen der Nase wiederholt. Etwa eine halbe Stunde lang legt er zu, gewinnt an Kontur, mit mehr rotbeeriger Fruchtsüße, danach brach er wieder weg, wirkte müde und wurde wieder etwas dünner, ging ins Tertiäre. Der grüne Paprikaton blieb auf der ganzen Strecke leitmotivisch immer präsent, was hinten heraus ein leichtes Bitterl produzierte.

Dabei war er dennoch recht voll und kräftig, durchaus auch lang, jedoch monolithisch im Geschmacksbild, eindimensional, wenig differenziert. So klang er auf einer leicht verkrampften Note aus, anstatt mit einem harmonischen Akkord den Abgang vom Gaumen zu nehmen. Hätte ich den blind bekommen, das wäre für mich klar ein reinsortiger Cabernet aus der neuen Welt gewesen. Dass da auch Merlot drin sein soll, kann eigentlich nur ein Gerücht sein. In der Form nur 86 von 100 Willipunkten. Eine Konterflasche ruht noch im Keller, in fünf, sechs Jahren kann ich damit checken, ob meine Prognose richtig ist, dass der Wein auch mit weiterer Reife nicht zulegen wird.
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