Dienstag, 23. März 2010

Weinrallye # 31

Bernhard Fiedler richtet die 31. Etappe der Weinrallye aus
Diesmal:
Was macht diese Faszination des vergorenen Traubensaftes aus?


Das Thema birgt natürlich wieder viel Spielraum für Antworten.  
Ich denke man kann mit keinem Getränk der Welt so lange Spaß haben wie mit einer Kiste guten Weines die man über Jahre oder sogar  Jahrzehnte hinweg leert. 
Jede Flasche schmeckt anders, und gerade das übt auf mich die Faszination aus. 




Bei der ersten Flasche ist der Wein noch jung und ungestüm. Birgt Kraft und Frucht und meist auch viel Holz. 


Die zweite Flasche kann man meist vergessen da ich sie immer mit natürlichem Instinkt in der Verschlussphase erwische.


Die dritte Flasche zeigt schon was in dem Wein stecken könnte. Er hat etwas Charme entwickelt, die einzelnen Komponenten des Weines fangen an sich zu suchen und manche haben sich schon zusammen gefügt. Der Genuss wächst.


Die vierte Flasche hat zuverlässig Kork.


Zu diesem Zeitpunkt sollte der Wein schon 8-10 Jahre alt sein. Die Öffnungsintervalle werden geringer.


Die fünfte bis zehnte Flasche erwischt man dann hoffentlich in der optimalen Phase und bieten höchsten Trinkgenuss. Hier kann man dann schon sehr schön mit Karaffen arbeiten um das richtige Luft/Zeit/Genußverhältnis heraus zu bekommen.


Die elfte Flasche hat dann schon Alterstöne die Ränder werden Orange, die fruchtigen Noten machen den Sekundäraromen Platz und die Todessüße steigt auf. Manche Weine kommen allerdings erst dann in die trinkbare Phase, ich erinnere mich an den 94er Jahrgang in Bordeaux, wo viele Weine erst jetzt Genuss bieten, wo die Tannine eingebunden sind. Viele sind allerdings gestorben ohne jemals richtige Trinkfreude haben aufkommen lassen.


Die zwölfte Flasche ist dann oft in der Phase wo man sagt noch recht nett, aber hätte man vorher trinken sollen. 


Bei ´ner Kiste Bier hat man das nicht, und die hält garantiert auch keine 10-15 Jahre. 





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