Dienstag, 28. Dezember 2010

Weinrallye # 40: Autochthone Rebsorten, hier Sumoll


Wieder mal ist Weinrallye-Tag. Dieses Mal ist Hausmannskost  derjenige welcher das Thema vorgab. Autochthone Rebsorten. Watt is datt denn? Würde der Kölsche jetzt fragen. Der informierte Leser weiß, es sind Reben, die da wachsen, wo sie ursprünglich entstanden sind.
Beim Ultes gibt es einen kurzen, aber hervorragenden Artikel darüber.

Ich habe mich nicht nur für einen recht unbekannten Wein sondern gleich auch noch für ein recht unbekanntes Weinbaugebiet entschieden. Conca de Barbera. Nein, hier handelt es sich nicht um ein italienisches Weinanbaugebiet, sondern um ein spanisches aus Provinz Tarragona. Grob gesagt befindet es sich oberhalb von Penedes und neben dem Priorat. Normalerweise landet die Großzahl der Weine in Cavas und auch guten Cuvees die dann im Penedes vermarktet werden.
Es gibt aber auch einige verrückte hier, die ihren Wein selber vermarkten. Einer davon ist Joan Ramon Escoda. Als Biodynamiker,  hat er sich nahe dem Dorf Prenafeta nieder gelassen.
Er lebt und arbeitet streng nach den Mondphasen, vergräbt mit Dung gefüllte Kuhhörner und spritzt noch nicht einmal Kupfer.

Dieser Wahnsinnige Winzer baut dann neben den bekannten spanischen und internationalen Rebsorten auch noch einige autochthone Rebsorten an. Darunter die Sumoll. Mehr als das diese Rebe im Conca de Barbera heimisch und sehr Hitzeresistent ist und karge jung zu trinkende Alltagsweine hervorbringt habe ich leider nicht darüber in Erfahrung bringen können. Die Erträge sind gering und die Behandlung der Traube in Weinberg und Keller gilt als schwierig und somit wird sie nur noch sehr selten angebaut. Ihre wirtschaftliche Bedeutung tendiert immer mehr gegen Null. Umso erfreuter war ich einen Wein im Keller zu haben, der zumindest noch einen Anteil dieser Rebsorte enthält.

Le Paradetes von Escoda-Sanahuja
Aus den Rebsorten Garnacha, Samso (Carignan) und natürlich Sumoll negra.

Nach dem Öffnen möchte man ihn sogleich wieder verschließen, eine aufdringliche Nase nach vermodertem Waldboden tritt zu Tage. Dies gibt sich jedoch nach eine ausgedehnten Phase des Lüftens von etwas über 2 Stunden. Jetzt empfängt uns eine kräutrig, kirschige Nase mit Anklängen von Bittermandel. Das ist wie gereifter Burgunder, schießt es durch den Kopf. Auch im Mund wird dieses Gefühl weiter gestärkt. Am Anfang feine Süße mit Druck am Gaumen, dann die subtilen Noten von Holz und Kräutern. Er wirkt erfrischend kühl und ausgewogen. Einzig die Säure wirkt etwas dominant.
Man möchte noch mal Nachverkosten um mehr zu entdecken und findet auch tatsächlich mit jedem Glas  etwas Neues und ehe man sich versieht ist die Buddel leer.
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