Freitag, 11. Januar 2013

Willi Igels Hausbesuche: Medoc 2009






Weh-Weh-Weh Willis Hausbesuche

Heute: 2009er Bordeaux/Médoc

Die Erinnerung ist unerbittlich. So sehr man manche Dinge vergessen möchte, sie verdrängt zu haben glaubt, manchmal schießen sie einem nach Jahren dann doch wieder durch den Kopf. So quoll mir vor ein paar Tagen überfallartig der Satz aus den Synapsen „Zahnarztfrauen empfehlen Perlweiß; Perlweiß, das Zahnweiß!“

Erinnert Ihr Euch noch an diese Werbung? Ist noch keine fünfzehn Jahre her. Dennoch bin ich fast versucht, von der guten alten Zeit zu sprechen. Nur wenige Monate bevor Angela Merkel CDU-Vorsitzende wurde, während Bürokraten aller Länder schon daran arbeiteten, ihr Amtsdeutsch durchzugendern, lief da noch eine solche Werbung im deutschen Fernsehen. Ein Spot, in dem die die höchste Stufe des Expertentums, zu dem es eine Frau zu bringen vermochte, noch die der Ehefrau war. Die Firma Perlweiß meinte offenbar tatsächlich, dass eine Zahnarztfrau, die ihr Fachwissen irgendwann abends während des Koitus in der Missionarsstellung beiläufig von ihrem Mann aufgenommen haben mag, mit diesem abgeleiteten Gattenwissen noch immer kompetenter wirke als eine für Zahncremefragen akademisch ausgebildete und promovierte Zahnärztin. Denn solche soll es damals ja auch schon gegeben haben. Nein, nein, dieser ganze Spot, schon damals, nach 35 Jahren EMMA, ein einziger Anachronismus! Hätte man nicht damals schon formulieren müssen: „Zahnarztfrauen und Zahnärztinnenmänner sowie gleichgeschlechtliche Partner/innen von Zahnärzt(inn)en empfehlen Perlweiß; Perlweiß, das Zahnweiß“? Ganz abgesehen davon, dass allein schon der biedere Begriff „Zahnweiß“ in einer Werbewelt seltsam DDR-esk wirkte, in der ansonsten kein noch so phantastischer, frei erfundener Hightechbegriff zu versponnen erschien (mit „Mikrolipiden“, „Jod-S-11-Körnchen“ „Ceramiden“ oder ähnlichem).

Warum mir dieser wunderbar emanzipierte Spot jetzt wieder durch das Hirnkastl mäanderte? Nun, ganz einfach, ich habe die erste Folge der neuen Staffel des „Bachelor“ angeschaut. Und das setzt dann auf die Rollenklischees des letzten oder vorletzten Jahrhunderts noch einmal satt einen drauf! Für diejenigen, die dieses RTL-Machwerk nicht kennen, muss ich es kurz mal erklären: Rund zwanzig wüst zusammengecastete Frauen sollen sich in den acht bis zehn Folgen der Staffel an einen schmierlappigen Typen heranschmeißen – der auf diesem Wege angeblich die große Liebe finden will. Der Typ sortiert in jeder Folge ein paar Frauen aus, wird dann langsam vom Bachelor zum Tätscheler und knutscht mit den verbliebenen Mädels fröhlich der Reihe nach herum. Die das natürlich auch ohne jede Eifersucht untereinander tolerieren. Schließlich winkt der „Siegerin“ am Ende ja die goldene Zukunft mit dem „Traummann“. Denn, das weiß man aus den ersten zwei Staffeln, die bleiben fast solange zusammen wie Christian Wulff und seine Betty.

Es mag überraschen, dass die zwanzig Damen, die den Traummann erst im Laufe der ersten Folge vorgestellt bekommen, diesen dann auch wirklich ausnahmslos anbetungswürdig finden. Keine einzige winkt müde ab und geht freiwillig stiften. Noch rätselhafter erscheint, warum ein solcher Traummann, dessen Trefferquote beim schönen aber dummen Geschlecht glatte zwanzig von zwanzig erreicht, es überhaupt nötig hat, die große Liebe über das Unterschichtenfernsehen zu suchen. Da täte es doch auch die Fußgängerzone jeder deutschen Großstadt.

Oder, mit anderen Worten, wer das Ganze glaubt, der dürfte auch mit Steinbrück einen Mindestlohn für Bundeskanzler fordern. Und Pornofilme für das wahre Leben halten. Denn um nicht viel anderes als einen Porno handelt es sich beim Bachelor. Der berufliche Hintergrund der Kandidatinnen (Pornodarstellerin, Erotikmodell, Promoterin, Arbeitslose, Miss Germany etc.) deutet dies schon an. Für Geld tun die alles, selbst mit diesem Schmieranten! Ich warte noch drauf, dass irgendwann eine runderneuerte Zahnarztfrau um die Ecke kommt, eine geschiedene natürlich, vielleicht sogar die aus der Perlweißwerbung von 1998?

Und so fliegen gleich in der ersten Folge fröhlich die Kleidungsstücke durch die Gegend und entledigen sich die Damen vor laufender Kamera ihrer Unterwäsche, um sich angemessen auf das Treffen mit dem Bachelor vorzubereiten. Auch wird in der scripted reality viel und noch dazu ziemlich dumm über Sex geredet, von den Mädels wie vom batscherten Bachelor. Insgesamt können die Nostalgiker unter den Zuschauern beruhigt beobachten, wie RTL ein back to the roots feiert und sich langsam wieder auf das Niveau seiner Softsexfilmchen aus den Achtzigern hinuntersendet. Wenn Alice Schwarzer das noch hätte erleben müssen…

Wobei, relativieren wir das gleich wieder ein wenig! Auch ich war neulich in der vergleichsweise angenehmen Situation, dass zwanzig wohlgeformte, wenngleich etwas junge Mädels um mein Wohlwollen wetteiferten.



Igelinnen in Reizwäsche – „Ich habe heute leider keinen Montrose für Dich“ – Melanie, ganz rechts, trägt nur einen kleinen String, das war dem Bachigel dann doch zu aufdringlich. Carmen, ganz in Rot, halblinks hinter dem Bachigel ließ ihre beiden Vorzüge hingegen wunderbar prominent und doch dezent ins Bild baumeln.

Es handelte sich allerdings nicht um diese bildhübschen Igelinnen aus meinem Harem. Sondern um 20 Bouteillen des 2009er Bordeaux vom linken Ufer, die ich mit einem Dutzend Freunden in einer großen Arrivageprobe verkosten durfte.

Am Anfang stand ein Margauxflight:

Château Cantenac Brown 2009
Brachiale Nase, jede Menge rote und schwarze Frucht, ein Haucherl kompottiert, dazu ein Tupfer Mazipan, insgesamt sehr kräftig und voll. Am Gaumen viel Power, dicht gepackt, auch hier die opulente Frucht aus dem Riechkolben, dazu aber auch eine satte, teerige Mineralik. Sehr lang, im Abgang tiefgründig und voll. Steht in der Rückprobe selbst nach Palmer und Rauzan-Segla (siehe unten) noch gut, ist allerdings auf diesem hohen Niveau ein wenig schlanker. 89 von 100 Willipunkten.

Château Giscours 2009
Kräutrige Nase, fleischwürzig, derzeit verhaltene Frucht, geht mit Luft immer mehr in Richtung Cabernet Franc, viel grüne Paprika, alles andere als schmeichlerisch, ein kantiger Wein. Am Gaumen etwas verschlossen, leicht grünlich, eine Spur animalisch. Paprika ohne Ende, knappe rote Frucht. Recht kräftig, in der Rückprobe aber deutlich schwächer als die drei Mitbewerber im Flight. Bekommt daher heute abend leider keine Rose von mir.

Château Rauzan-Ségla 2009
Volle Nase, sehr mineralisch, viel blaue und rote Frucht, eine ganz leichte Spur laktisch, massiv und wunderbar druckvoll. Kommt mit Luft sehr schön! Am Gaumen auf der blaubeerigen Frucht, dazu eine bodybuilderische Athletik, lang und extrem druckvoll. Viel Schmelz und opulente Fruchtsüße. Tiefe Mineralik bei gleichzeitig schon erstaunlicher Weichheit. Viel Charme, steht auch in der Rückprobe nach dem Palmer noch recht gut, wirkt allerdings leichter als der Palmer. 93 von 100 Willipunkten.

Château Palmer 2009
Nase vanillig-toastig, da spricht der Fassausbau. Dazu Schlehen, ganz leicht eukalyptische Töne. Voll und etwas rumtopfig anmutend, fast wie ein Amarone, kompottiert und dicht. Am Gaumen ein Schmeichler im Anklang, Vanille, rote Frucht, Himbeere und Johannisbeere. Sehr stabile Röstaromen, fast einen Stich verbrannt, was dann zugleich auch der einzige Kritikpunkt an diesem sehr großen Wein wäre. Satte Mineralität, hinten heraus noch ein wenig hart, aber nicht grün. Die fette Substanz, die stark ins Rumtopfige spielt, sollte gut mit den Tanninen und dem kräftigen Holzausbau mithalten. Fulminanter, alles andere als Palmer-typischer Wein. Mit dem möchte ich zum Zweierdate, wow, das ist oenologischer Margauxporno! Klarer Sieger des Flights, derzeit so etwa bei 94 von 100 Willipunkten, mit Potenzial auf 97.




Zweiter Flight: St.-Julien

Château Léoville Barton 2009
Nase erstaunlich verschlossen, stark auf der mineralischen Seite, teerig, steinmehlig. Bleibt auch mit Luft erstaunlich verschlossen, vielleicht schon auf dem Weg in die Verschlussphase. Am Gaumen schmelzige rote Frucht pur. Samtig, weich, sehr fein, dabei auch kernig. Viel Tannin, aber reif. Das wird sich runden und sehr harmonisch werden. Auch schöne Mineralität, feine Säure, lang und stabil. Keine Frage, ein toller Wein, wenn auch nicht ganz auf der Flughöhe, die das Gut in den vergangenen Spitzenjahrgängen erreicht hatte. 91 von 100 Willipunkten.

Château Léoville Poyferré 2009
Sehr würzige Nase, viel Substanz, leicht alkoholisch-rumtopfig, aber auch mit ordentlich rauchiger Mineralität unterwegs, kräftig und voll! Am Gaumen viel Druck, noch sehr verschlossen, tolle Mineralität, ungemein präsent, der ist so was von vorne, unglaublich, prügelt fast auf die Zungenspitze ein. Am Gaumen eine faszinierende Mischung aus Frucht und Mineralik, einen Hauch zu alkoholisch allerdings. Wird mit Luft noch deutlich besser. Insgesamt ein starker Wein, 93+ von 100 Willipunkten.

Château Léoville Las Cases 2009
Wieder ein Spitzenleowilli! Dichte rote Frucht in der Nase, dazu marmorne Mineralität, schöne Fleischwürze. Sehr kräftig, fein, lang, schön dicht gepackt. Am Gaumen ein Harmoniewunder, die rote Frucht aus der Nase, dazu eine brutale Mineralik und viel Würze. Dicht, extrem viel Druck bis tief in den Abgang hinein. Ganz leicht alkoholisch. Großes Potenzial! Steht auch nach dem vierten Wein des Flights (Ducru Beaucaillou) in der Rückprobe noch sehr gut, wenn auch mit einem kleinen Hauch weniger Druck. Dafür aber charmanter und insgesamt fast auf Augenhöhe mit dem in diesem Jahrgang besonders gut geratenen Ducru. 95 von 100 Willipunkten.

Château Ducru Beaucaillou 2009
Bordeaux-untypische Nase, fast eine Spur Nebbiolo. Blaubeeren, Schlehen, ein wenig angestrengt und anstrengend. Eher zarte Mineralik mit einem Tröpfchen Bratensaft im Hintergrund. Am Gaumen ein Anklang von Veilchen, dann wuchtige schwarze, sehr schwarze Johannisbeere, voll! Tolle Fruchtsüße, auch sehr viel Tannin, aber relativ weich. Das bleibt sehr lang. Schöne, genau richtig dosierte Säure trägt ihn gut, das ist dieser Hauch Piemont aus der Nase. Im Abgang enorm viel Druck, Mann, ist das ein Kraftmeier! Wird mit Luft noch besser, Groß! 96 von 100 Willipunkten, kann vielleicht in den kommenden Jahren noch einen Punkt zulegen.



Dritter Flight: St.-Julien/Pauillac

Château Branaire Ducru 2009
Sehr junge, leicht verschlossene Nase, auch ein Touch Grünes ist drin. Leicht floral, Veilchen, leider weht dazu ein sehr zarter Acetonhauch mit aus dem Glas. Am Gaumen erst vordergründige Cremigkeit, dann auch etwas rote Frucht, das leicht Grüne aus der Nase findet sich auch hier wieder. Hinten heraus leicht trocknend, sehr cabernetig. Wird mit Luft nicht wirklich besser, allerdings etwas voller und druckvoller im Abgang. Zur Zeit nur an die 91 von 100 Willipunkten, Potenzial auf 93, wenn sich das Tannin runden sollte.

Château Gruaud Larose 2009
Nase eine Spur stallig, ansonsten sehr verschlossen, zunächst auch ein wenig grünlich. Wird mit Luft deutlich besser, vor allem voller und harmonischer, das Grüne und das Stallige gibt sich. Am Gaumen ebenfalls noch etwas verschlossen, grünlich. Insgesamt etwas ruppig an der Oberfläche, darunter versteckt sich aber eine satte cremige rote Fruchtigkeit. Tolle Fülle, kommt mit Luft erst richtig heraus. Plötzlich wird er dann auch saftig. Braucht sicher viel Zeit, sollte dann sehr gut werden. Potenzial auf 94 von 100 Willipunkten.

Château Pichon Comtesse 2009
Kraftvolle rotfruchtige Nase, etwas anstrengend, weil noch sehr verschlossen und irgendwo zwischen laktisch und holzbetont. Wird mit Luft noch etwas flacher und stechender. Am Gaumen erst etwas verhalten, hinten heraus dann aber Druck ohne Ende, schöne Rotfruchtigkeit, samtig, charmant, da ist es plötzlich eine echte Comtesse. Kommt mit Luft immer besser, geht aber nicht ganz so nach vorne, wie man es bei diesem Weingut erwarten würde, schon auf dem Weg in die Verschlussphase. Dennoch 93+ von 100 Willipunkten.

Château Pichon Baron 2009
In der Nase oxidative Rotfruchtigkeit, dazu eine johannisbeerig-gewürzige Note, die in einer seltsam laktischen Kopfnote aufgeht. Wirkt nicht ganz ausgewogen. Am Gaumen üppig, cremig, viel Stoff, leider im Abgang eine Spur schlanker, eher zurückhaltende Mineralität und ohne wirklich spektakuläres Finish. Nicht verschlossen, sondern einfach nicht so voll, obwohl da permanent auch noch ein kleiner Würzton mit an Bord ist. Wird mit Luft stärker, bleibt aber anstrengend. Schwer zu beurteilen. Derzeit nicht mehr als 90 von 100 Willipunkten, könnte sich aber noch auf bis zu 94 steigern.

Vierter Flight: Pauillac

Château Clerc Milon 2009
Viel Cabernet in der Nase, insgesamt vom Duft her leider nicht der ausdrucksvollste. Am Gaumen vordergründige Rotfruchtigkeit, die in der Mitte leicht einbricht, dann aber im Abgang wieder stabil. Eine schöne Wiedergeburt also, leider mit einem Hauch grünem Cabernet. Kommt aber mit Luft, wird kräftiger, stabiler und runder. Hier wäre etwas mehr Verkostungszeit ganz fein gewesen. Potenzial auf 91 bis 92 von 100 Willipunkten.

Château Grand Puy Lacoste 2009
Nase von lakritziger Fülle, satte Mineralität, immer mehr Rotfruchtigkeit kommt heraus, sagenhafter Charme, ein toller Nasenwein, auch wenn man deutlich merkt, wie jung er ist. Am Gaumen volle, teerige Mineralität, saftig, im Anklang wunderbar reich, dicht und mörderisch tief. Ab der Mitte sticht der Alkohol leider ein ganz klein wenig hervor. Hinten heraus große Fülle, wenn auch der Druck hinter dem Alkohol abstürzt, was die ganz große Harmonie verhindert. Lebt von der Eleganz. In der Rückprobe nach den beiden folgenden Weinen – Lynch und Pontet – merkt man dann aber doch, dass er ein wenig vordergründig bleibt. 92 von 100 Willipunkten.

Château Lynch-Bages 2009
Nase fleischwürzig, eine Spur alkoholisch, Sanddorn, Schlehe, er entzieht sich ein wenig dem Zugriff meines Riechkolbens. Am Gaumen eine überraschende Cremigkeit, nicht die ganz große Tiefe. Aber sehr fein, sehr dicht, ein unglaublich charmanter Wein, insbesondere im Abgang, wo er in all seiner Jugend sogar schon einen ganz zarten waldpilzigen Ton mitbringt. Herrlich vielschichtig und voll. Mit Luft nimmt die Länge zu, der Alkohol sticht allerdings auch ordentlich hervor. Etwas leichter als der danach verkostete Pontet, 94 von 100 Willipunkten.

Château Pontet Canet 2009
Rauchig-mineralische Nase mit sehr viel Würze und Fleischextrakt, tolle Fülle! Am Gaumen Druck ohne Ende, schöne Rotfruchtigkeit, dazu die Mineralität aus der Nase. Große Harmonie, in den einzelnen Komponenten gar nicht so greifbar und definierbar. Fast omnipräsent jedenfalls die Mineralität und die Frucht. Würzig, dicht gewebt, tief. Wenn es überhaupt etwas zu kritisieren gibt, dann den ganz leicht vorstechenden Alkohol. Ewig lang und sehr kräftig. 96 von 100 Willipunkten. Klar der stärkste Pauillac der Probe, man konnte und kann förmlich zusehen, wie sich das Gut seit 1982 aus dem Mittelmaß an die Spitze der AOC gearbeitet hat.




Fünfter Flight: St.-Estèphe

Château Lafon Rochet 2009
Kork!

Château Calon Ségur 2009
Wunderbar würzige Nase, viel Kaffee, dann aber auch kräftiger Sanddorn, viel rote Frucht, schon sehr verschlossen, aber wunderbar voll. Am Gaumen macht er richtig Alarm. Ganz viel rote Frucht, ungemein dicht, ganz viel Stoff. Das Senkblei muss abgeworfen werden, die Tiefe ist sonst nicht auszuloten. Leider schon auf dem Weg in die Verschlussphase und daher schwer zu bewerten. Derzeit um die 93 von 100 Willipunkten, könnte aber noch zulegen.

Château Montrose 2009
Kühle Mineralik in der Nase, viel Fleischwürze, auch Kräuter sind dabei, die Dominante ist und bleibt aber die dramatische Mineralik. Am Gaumen ungemein viel Stoff, erst kommt die Fleischwürze, dann die unglaubliche Mineralik aus der Nase. Dicht isser, dicht ohne Ende, bis tief in den Abgang hinein extrem konsistent und konsequent. Gerade die Mineralität bleibt bis tief in den Abgang hinein. Der Wein lässt die Zunge gar nicht mehr los, mit einer Urgewalt. Wird mit Luft immer besser. Schon jetzt 96 von 100 Willipunkten, das können durchaus auch noch zwei mehr werden.

Château Cos d´Estournel 2009
Rumtopfige, leicht oxidative Nase, extrem opulent. Eine Spur mineralisch, ein Hauch Kaffee, im Mittelpunkt steht aber die opulente, süßlich-alkoholische Frucht. Am Gaumen ebenfalls im positiven Sinne sehr oxidativ, wunderbar rumtopfig, dazu aber auch mit satter Mineralität unterwegs, herrlich dicht. Sagenhafte Länge, etwas rumtopfiger und vordergründiger wirkend als Montrose. In der Rückprobe dann aber trotzdem kräftiger als der Vorgänger und damit der Sieger des Abends, nicht nur in der Rubrik St.-Estèphe. 97 von 100 Willipunkten. Großer Wein! Den nimmt sich der Igel-Bachelor mit in eine sehr lange gemeinsame Zukunft in seinem Weinkeller. Allerdings wird es eine Menage à trois werden müssen, denn ein Kistchen Palmer sollte schon auch noch mit dabei sein.




Nach dem offiziellen Teil des Abends gab es auch noch einige gereiftere Bordeaux. Einen hochinteressanten Vergleich Haut Brion 1983 gegen Haut Brion 1986. Ich werde mit dem 1983er einfach nicht warm, den verfolge ich schon seit etwa zehn Jahren und er bleibt immer etwas trocknend. War aber eine Einzelmeinung, nicht alle Conbacchanten waren so kompetent, dies zu erkennen  Der 1986er hingegen beeindruckte mit seiner Kraft und einer grandiosen Mineralität. Hat sich inzwischen gut aus dem Tannin befreit. Bei mir mit etwa 93 Punkten weit vor dem 1983er, der die Neun vor dem Komma nicht erreicht.

Ein in der Runde hoch gelobter Angelus 1949 aus der Magnum, ich wage es kaum zu sagen, hat mich nicht wirklich begeistert. Ich freute mich stattdessen am Vergleich Montrose 1959 gegen Montrose 1989. Auch hier klarer Sieg für den „Jungwein“, wie soll es an einem solchen, dem jugendlichen Hedonismus verschriebenen Abend auch anders sein? Der 1989er zeigte sich für mich schöner als je zuvor. Der war immer schon dicht dem legendären 1990er auf den Fersen, jetzt hat er ihn fast eingeholt. 96 von 100 Willipunkte war mir dieser harmonische Kraftprotz wert, der mit einer perfekten Balance von Fruchtsüße und Mineralik bezauberte. Der 1959er, ebenfalls ein Prachtwein, wirkte schon etwas über den Zenit und dementsprechend ein wenig kurz im Abgang. Vielleicht eine etwas früh gealterte Flasche? Vielleicht würde sich das in einem Vergleich mit anderen Weinen ähnlicher Jahrgänge auch nicht so dramatisch darstellen? Punkte sind manchmal eben doch ein wenig relativ. In der Form sehe ich den 1959er jedenfalls „nur“ bei 91 bis 92 von 100 Willipunkten.



Ein großartiger Abend, vielen Dank den edlen Spendern!!!!