Freitag, 8. Januar 2016

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt Heute: Vierschänkentournee Teil 20 Vendome



Da war der Gourmetigel in der letzten Folge extra nach Belgien gereist, um die muslimische Bedrohung in Brüssel am eigenen Leibe zu erfahren. Besser wäre er in Köln geblieben, wo an Silvester gleich an die tausend Menschen ohne Zivilisationshintergrund auf der Domplatte randalierten. Um Zuwanderer habe es sich gehandelt, junge Männer muslimischen Glaubens, will die Polizei wissen, die allerdings selbst nicht anwesend war. Wahrscheinlich waren die Kölnerinnen nicht so zutraulich wie die freundlichen Damen von Brüssel, deswegen kam es zu sexuellen Belästigungen und in einigen Fällen auch zu Diebstählen und Raubdelikten.

So weit, so schlecht. Große Sorgen macht man sich in der Stadtverwaltung nun, dass sich ähnliche Szenen auch bei der nächsten großen Traditionsfeierlichkeit abspielen könnten, wenn nämlich in wenigen Wochen, der Fastelovend seinem Höhepunkt zueilt. Doch haben die Kölner einen genialen Plan. Man müsse den Asylsuchenden und anderen Zuwanderern aus islamischen Staaten den Karneval einfach nur richtig erklären.

Aha! Den Karneval erklären... Call me old-fashioned, liebe Stadtverwaltung, aber ich wohne jetzt mit kurzen Unterbrechungen seit 37 Jahren im Rheinland und habe noch keinen getroffen, der mir den Karneval hätte erklären wollen oder gar können. Und dem Muslim wird es kaum besser gehen als mir. Zunächst einmal wird ihm unangenehm auffallen, dass die Karawane fortwährend weiterzieht. Dies kann er nur als an ihn selbst gerichteten wenig höflichen Hinweis der autochthonen Bevölkerung verstehen, das Rheinland doch bitte umgehend wieder zu verlassen. Sodann wird dem Islamisten schwer zu verständlich machen, dass er von rhetorischen Zündeleien und erst recht von Attentaten mit dem Schießprügel Abstand nehmen soll, wenn gleichzeitig die wesentlichen Karnevalsvereine den Namen "Funken" tragen und allenthalben geböllert wird, dass die Heidewitzka wackelt. Wenn Rathäuser zu zünftiger Marschmusik gestürmt werden und Sachbeschädigungen an der Herrenoberbekleidung an der Tagesordnung sind.



Keine sexuellen Belästigungen darf er sich erlauben, der arme Zuwanderer, während gleichzeitig die in jeder Hinsicht blauen Funken auf offener Bühne ihre Hinterteile aneinander reiben? Und wenn Brings aus dem Playback heraus etwas von der superjeilen Zick auf den Altermarkt hinaus gröhlt, dann wird der Muslim diesen Text zweifelsohne so verstehen müssen, dass die Mädels sich vielleicht zunächst ein wenig zickig anstellen, ansonsten aber durchaus jede Menge unerfüllte Bedürfnisse haben. Ist ja plausibel, wenn die Herren der Schöpfung fortwährend miteinander beschäftigt sind, die Palette reicht vom Stippefott bis zur crossdressenden Jungfrau.

Auch wenn die Funkenmariechen oft eher Funkenmariannen sind, wird doch so mancher Migrant Asyl an der ach so mütterlich wirkenden Brust suchen. Vielleicht sollten die Ordnungsbehörden gleich mit "Die Hände zum Himmel" dagegen halten und die Polizeibeamten der Domstadt sich als Abführmittel gerieren, ehe die Dinge aus der ohnehin notorisch verspäteten Bahn geraten?

Oder wie sonst will man das alles dem Zuwanderer erklären? Und neuerliche Straftaten vermeiden? Wenn zudem auch noch in extremer Einseitigkeit fünf Tage lang nur vom Dom gesungen wird - den man ums Verrecken nicht an einen anderen Ort versetzen will, nicht einmal in das zur Aufbewahrung von Kulturgütern sicherlich deutlich geeignetere Düsseldorf. Oder wenigstens auf die deutliche wohnlichere Rheinseite gegenüber, zu der man ihn mit dem "Müllemer Böötsche" sicherlich ohne größeren Aufwand transportieren könnte.

Während die Sache mit der in Köln zu belassenden Kathedrale, das weiß man, das ist bekannt, bis zum Erbrechen (in vielen Fällen auch wortwörtlich, denn nicht nur der Sultan hett Dooosch) wiederholt wird, fällt nicht ein einziges Wort, nicht ein einziges Mal, nicht einmal in einem Nebensatz oder höflichkeitshalber über eine ähnliche Dringlichkeit des Verbleibs der durchaus formscheußlichen Moschee an ihrem Platz am inneren Ring. "Die kann dann also weg?", wird der Muslim sich fragen und sich gleich noch weniger will(i)kommen fühlen.

Mit diesem Schicksal und dem Dom in Kölle lassen wir ihn nun aber allein, den Muslim, denn den Gourmetigel zieht es auf die schönere Rheinseite hinüber. Glücklicherweise hat der Herr Wissler beschlossen, sein Vendome in Bergisch Gladbach zu lassen. Denn do jehört et hin! Nachdem ich dort vor drei, vier Jahren extrem begeistert war, wurde es Zeit für den nächsten Besuch.

Montag, 4. Januar 2016

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt Heute: Vierschänkentournee Teil 19 Hertog Jan von Gert de Mangeleer



"Raab in Gefahr" So hieß eine Rubrik in der Sendung des ewigen Berufsjugendlichen aus Köln. So eine Art Jackass light - denn auch wenn sich der Raab natürlich nicht in wirkliche Gefahr begab, so tat er doch Dinge, die zu tun einem der Menschenverstand eigentlich verböte. Im Hofbräuhaus nach der Weinkarte fragen. Oder im Stadion beim Effzeh Vorschläge machen, wie man den Geißbock am aromatischsten zubereitete. Da kann man auch gleich auf dem Wochenmarkt in Teheran "zehn nackte Friseusen" singen.

Der Igel ist natürlich viel reifer und abgeklärter als der Raab. Aber manchmal... Kurz vor Weihnachten war so ein Moment. Höchste Terrorwarnstufe für Belgien, insbesondere Brüssel. Und der Igel steigt in den Thalys, fährt einfach mal hin, steigt am Nordbahnhof aus. Wenn man den über die Südeingang verlässt, steht man schon mit beiden Beinen, bzw. im Falle des Igels mit allen vier Pfoten in einem seltsamen Viertel mit jeder Menge leicht bekleideter Damen in den Fenstern. Freundliche Damen, muss man schon sagen, doch, doch. Die winken einem, lächeln einem zu, da liegt eine Herzlichkeit in der Luft, das wird wohl mit dem besonderen Zauber der Vorweihnachtszeit zusammenhängen. Und bei den Temperaturen dieses Dezembers wundert die leichte Bekleidung nicht wirklich. Auch wenn sich konservativere Leute als der Igel vielleicht die Frage nach der Schicklichkeit des einen oder anderen Aufzugs stellten.

Dann sehe ich aber das Unheil in tiefdunkelschwarzen Wolken aufziehen. Zehn junge Männer biegen in die Straße ein. Eher nordafrikanischer Phänotyp, man spricht Arabisch miteinander. Also etwa neunundneuzigprozentige Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Muslime handeln müsse. Wer weiß, vielleicht gar aus Molenbeek. Und der Moslem, erst recht der aus Molenbeek, das weiß man, das ist bekannt, ist eher für die vollständige Verhüllung von Frauen als für die hier praktizierte weitgehende Enthüllung. Dementsprechend suchen die jungen Männer auch sofort das Gespräch mit den freundlichen Damen in den Fenstern. Sicherlich um diese zu einem schicklicheren Aufzug zu überreden. Immerhin haben die jungen Muslime die Höflichkeit, nicht alle auf die gleiche Frau einzustürmen, sie teilen sich die Arbeit, jeder spricht mit einer anderen. So richtig funktioniert die Überzeugungsarbeit aber wohl nicht. Denn die jungen Männer ziehen sich mit den Frauen erst einmal in die Häuser zurück. Ich vermute zu vertiefteren Gesprächen über die Auslegung des Korans. Halb erwarte ich, die jungen Damen im Tschador wieder am Fenster auftauchen zu sehen. Doch nichts dergleichen. Nach etwa zehn Minuten kommen die jungen Männer der Reihe nach wieder auf die Straße zurück. Auch die Frauen stehen wieder in den Fenstern, keineswegs umfassender bekleidet als zuvor. Und die Männer, nun, ich hätte erwartet, dass sie nun, da alles gute Zureden nicht geholfen hat, zu rabiateren Methoden griffen. Man hört und liest ja so viel über den radikalen Islam. Aber nichts dergleichen. Den meisten steht ein seltsames Lächeln ins Gesicht geschrieben und gemeinsam ziehen sie, mit einem Winken in Richtung der jungen Damen, wieder ab, in Richtung der nächsten Moschee, es ist Zeit für das Abendgebet. Da sag noch mal einer, der Islam sei nicht tolerant!

Wenn so wenig los ist, in Brüssel, dann kann ich auch weiterziehen, nach Brügge. Denn da steht im Vorort Zedelgem das Hertog Jan von Gert de Mangeleer, eines der höchstdekorierten Restaurants des Landes. Wobei das mit der Dekoration sich auf Sterne, Punkte und ähnliches bezieht, innenarchitektonisch ist die Bude angenehm nüchtern gehalten, selbst im Advent. Schmuckloser Saal, Designeroptik, schwarze Natursteinwände, glattgehobelter Holzboden mit dicken Bohlen. Keine Bilder, keine Kunst an den Wänden, keine Tischdekoration, das grenzt schon an Purismus. Viel Glas, in die Küche kann man ebenso hineinschauen wie in den Kräutergarten direkt vor der Tür. Zwei Dekoelemente kann ich nach längerer Suche doch noch ausmachen - einmal die großen Steinvasen, in denen getrocknete Rhododendronblüten stecken. Und dann zwei große Glasbecken, in denen dicke Kerzen brennen. Etwa 15 Tische verteilen sich großzügig über den Raum. In der Mitte des Saales ist eine "Serviceinsel" eingerichtet, wo Mineralwasser, Gläser, Servietten und Brot aufbewahrt werden und von wo serviert wird. Bei vollem Haus scheint das eine ziemliche Herausforderung, die Kellner tanzen ausgesprochen hektisch hinter diesem Tresen herum. Das geht ein wenig zu Lasten der Ruhe im Saal, Genussatmosphäre stellt sich nur mühsam ein. Es würde schon reichen, etwas langsamer zu gehen - vielleicht bräuchte es auch einfach nur eine Person mehr im Service? Erst im letzten Drittel des Abends schaltet das Personal dann einen Gang zurück.


Freitag, 1. Januar 2016

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt Heute: Vierschänkentournee Teil 18 Steirereck



"So, jetzt noch auch Haucherl Vanille-Öl dran, und die Sach hat a Eck!" Sagte der Gourmetrat aus Österreich und freute sich daran, dass ihm das Fischfilet wieder einmal so wunderbar geraten war. Die Sach hat a Eck - so spricht er gerne einmal, wenn er etwas besonders gelungen findet. Auf derlei kann nur ein Österreicher kommen. Nun gut, das sympathische Bergvolk ist entwicklungsgeschichtlich irgendwie noch im Zeitalter steckengeblieben, da das Rad noch nicht erfunden war und man nicht wusste, dass runder läuft, was keine Ecken hat.

Trotzdem, er müsste es besser wissen, der Österreicher. Kennt er das mit den Ecken doch vor allem vom Ski-Weltcup. Da gibt es auf fast jeder Piste eine Stelle, die nach einem Österreicher bezeichnet ist. Das Franz Klammer-Eck zum Beispiel in Wengen, so benannt, weil der an sich als Seriensieger gebuchte Skistar dort gerne mal spektakuläre Stürze baute und den formvollendeten Abflug neben die Piste machte. Und wer erinnerte sich nicht an den sensationellen Fünffachüberschlag des Herminators bei Olympia am, na klar, Hermann Maier-Eck in Nagano. Gäbe es beim Abfahrtslauf B-Noten für den künstlerischen Wert, er hätte auch dieses Rennen gewonnen.
(vgl. http://www.spox.com/de/sport/olympia/winterspiele-2014/ski-alpin/1401/Artikel/olympic-moment-hermann-maier-herminator-nagano-1998-sturz-fuer-die-ewigkeit.html )

Auch im Fußball wird er mit Ecken konfrontiert, der Österreicher. Wobei der Fußball nicht unbedingt zu seinen Kernkompetenzen rechnet, das weiß man, das ist bekannt, er kann nicht einmal solche Standardsituationen. Wobei der Österreicher, wenn er an Standard denkt, viel eher seine gleichnamige Tageszeitung vor Augen hat. Das Wort Zeitung müsste in diesem Kontext an sich in Anführungszeichen gesetzt werden, denn mit seriösem Journalismus hat das Blatt nicht viel mehr zu tun als der Haiderjörgl seinerzeit mit seriöser Politik.

Das Eck im Operettenstaate der Hofräte, Geheimräte, Kommerzialräte und Magister mag man auch festmachen an der Zerrissenheit im Verhältnis zu den benachbarten Piefkes, irgendwo zwischen Neid, Bewunderung, Minderwertigkeitskomplexen und Hass. Überhaupt, diese Widersprüche allenthalben im Alpenland - eine der größten Süßwasserreserven des Landes Neusiedler See nennen, gleichzeitig aber die Grenzen dicht machen und den Revolver mit sechs Mozartkugeln durchladen, wenn mal ein paar Flüchtlinge kommen, neue Siedler, wie passt das zusammen? "Meine Hobbys sind Strohrum, Xenophobie und FPÖ", wird etwa der typische Kärntner immer wieder zitiert - und da gibt es durchaus Kausalzusammenhänge zwischen den drei Elementen. Haider und seine Erben in der skilehreresken politischen Klasse Austriens kann man sicherlich nur mit reichlichst Restalkohol wählen. Spätestens hier kommt dann das deutsche Sprachbild ins Spiel, dass einer eine Ecke abhat.

Genügend Grund also, der Sache mit den Ecken mal auf den Grund zu gehen. Wo sonst, wenn nicht im Steirereck, dem nominell besten Restaurant Wiens?!