Donnerstag, 20. Juni 2013

Ramos Pinto Tawny 30 Jahre, abgefüllt 2008


Weh-Weh-Weh Willis Wein Werkstatt


Heute auf der Hebebühne: Ramos Pinto Tawny 30 Jahre, abgefüllt 2008

Oha, da hat der Problempeer der SPD doch neulich auf dem Parteikonvent glatt mal eine Träne verdrücken müssen. Bei Auftritt seiner Frau. Und nun vermarkten die Sozialdemokraten das. Frei nach dem Motto: Seht her, so ganz unmenschlich kann er doch nicht sein! Punkten will man damit vor allem bei den Wählerinnen, die dem Peer bislang so gar nichts abgewinnen können.
Vielleicht sollte man den Gefühlsausbruch für die übliche Wahlkampftour durch die Republik gleich in einen passenden Slogan ummünzen. Der deutsche Schlager ist bei sowas immer hilfreich: „Es geht eine Träne auf Reisen“ hätte ich beispielsweise im Angebot. Das muss dick auf den Tourbus der Sozen, das wäre es doch, oder? Obwohl, irgendwie wäre das auch doppeldeutig…
Ach Peer, wärst Du doch in Düsseldorf geblieben. Über sieben Steinbrücken müssten die Wählerinnen erst gehen, ehe sie Dir ein Ti Amo zuriefen. Zu sehr ist noch in Erinnerung, dass Du Deinem Chef, der ausgerechnet auch noch Gabriel heißt, ganz gunteresk zugerufen hast: „Hey Boss, ich brauch mehr Geld“ und Dich den Banken als Vortragsredner angeboten hast. Skandal im Peerbezirk, das grenzt an Prostitution!
Nein, Frauenversteher geht nicht so, Frauenversteher geht anders. Der dreißigjährige Tawny Port von Ramos Pinot macht es vor: Der bringt eine mandelige Nase mit, einen zarten Marzipanhauch, dazu leicht rumtopfige Frucht, hochintensive Walnuss, die mit mehr Luft immer heftiger ans Rednerpult drängt. Dezente florale Noten, sogar mit einer gewissen Mineralität unterwegs, ein Hauch granitiges Steinmehl. Hinten zarter Karamell, etwas Vanille, sehr sanft.
Am Gaumen dann monumental. Dicke Walnussigkeit, dazu wieder die Mandeln, feine, nicht erdrückende Süße, gerade richtig viel, so dass die anspruchsvolle Weintrinkerin auf dem Sofa neben mir verzückt die Augen gen Himmel rollt. Der deutliche aber nicht brennende Alkohol stört sie da schon gar nicht mehr, Erst- und Zweitstimme für Ramos und für Pinto, der, man stelle sich das bloß vor, bei nur einem kleinen Buchstabendreher zum schnöden Pinot würde. Das ist fast schlimmer als die SPD zur PDS zu drehen.
Erst im Abgang zeigt er richtig, was er kann, da wird der Tropfen immer feiner, verspielter. Dann kommt das Rosinige, Röstig-Vanillige, Karamellige nämlich erst voll aus der Deckung, mit floralen und mineralischen Untertönen. Ein richtiger Blumenstrauß an Aromen, saftig, dicht, marianengrabentief. Das ist ein echter Top-Athlet, der im ewigen Kampf von Spitzentawnys gegen Spitzenvintageports sicher für die Tawnymannschaft punkten könnte. Wenn er einem erstklassigen Vintageport überhaupt in irgendetwas nachsteht, dann vielleicht darin, dass er die ganz leichte alkoholische Schärfe nicht völlig wegpuffern kann, die ein Vintage noch über 50 und mehr weitere Jahre Reifungsprozess verdauen darf, bis sie gar nicht mehr vorhanden ist.
Aber wer wird bei diesem großen Wein noch kritisieren wollen? Lieber weiter reinlauschen, denn da kommt noch etwas. Mit mehr Zeit im Glas zeigen sich plötzlich Pflaumen im Aromenstrauß, schließlich gesellen sich auch noch zart oxidative Töne hinzu, die die Nussigkeit noch großartiger und kraftvoller werden lassen. Ein Monument und ein Pfundsport, der trotz der leichten Alkoholschärfe ungemein charmant und weich über den Gaumen geht
Vielleicht gibt es doch noch Hoffnung für den Problempeer: Den Wählerinnen einfach Tawny kredenzen. Das wird dann die neue Internationale: Marmor, Stein und Eisen brückt, wenn Ramos Deine Frau entzückt!


94 von 100 Willipunkten
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