Freitag, 29. Juli 2016

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt Heute: Vierschänkentournee Teil 28 - Guy Savoy





Wenn man einmal der Beste war, ganz vorne war, der Erste, ganz oben, was kann dann noch kommen? Das Problem kennt man aus dem Sport, wo das Lebensalter verhindert, dass man auf ewig an der Spitze bleibt. Und dann sieht man das Bobele, längst so aus dem Leim (oder muss es in diesem Falle heißen "aus dem Leimen"?) gegangen, dass die Verkleinerungsform entfallen muss und man besser vom "Bobs" spräche. Bei Pokerstars.de gibt er den Pausenclown. Wenn er nicht gerade in irgendeiner Besenkammer sein Sperma longline und unerreichbar versenkt. Während Lothar Matthäus, der ja gerne unter dem Künstlernamen EIN Lothar Matthäus auftritt, inzwischen auf Sky die englische Sprache so vergewaltigt, dass man ihm schon eine gewisse Mitschuld am Brexit zuschreiben dürfte. Ob er sich dort one Lothar Matthäus nennt? Beiden ist gemein, dass sie weder als Kommentator, noch als Pokerspieler je wieder der beste der Welt sein dürften. Der Bobs kann vielleicht als Trainer von Djokovic glänzen, doch ist das abgeleiteter Ruhm und dürfte es ihn täglich wurmen, dass er selbst nicht mehr auf dem Platz steht, nicht mehr die Pokale bekommt.


Auch in der Politik kennt man das Phänomen. Machtverlust, nicht mehr der Erste sein, der Präsident, der Kanzler. Es gibt unterschiedliche Bewältigungsmechanismen. Der eine wird Zeitungsherausgeber, erklärt ganz genau, was seine Nachfolger falsch machen, immer mit dem Unterton, das dumme Volk hätte es ja auch besser haben können, hätte man ihn doch an der Macht gelassen. Dazu schreibt er Bücher ähnlichen Inhalts, schwingt das Weihrauchfass um sich wie ein Hammerwerfer das Sportgerät, was am Ende darin gipfelt, dass er sich herausnimmt, als einziger im Lande die bestehenden (Weih-)Rauchverbote nicht zu akzeptieren. Jedes Jahr gabs obendrein noch einen Preis fürs Älterwerden, schon erstaunlich, wie man dann doch wieder zur Ikone werden kann, allein dadurch, dass man am Leben und irgendwie sichtbar bleibt. Der andere findet sich leichter mit dem Bedeutungsverlust ab, geht sich in Russland, tja, wie vermeide ich jetzt den Ausdruck "prostituieren", wenn ich beschreibe, wie einer für den schnöden Mammon bereit ist, undemokratischste Strukturen zu verherrlichen? Der dritte trägt in Interviews noch immer seine alten Kämpfe mit den Medien aus, ist auch im Alter nicht bereit, für alle anderen klar erkennbare Fehler seiner monumentalen Amtszeit einzuräumen. Und macht sich mit dieser Unsouveränität und "Ehrenworten" so lange kleiner, bis auch die eigentlichen Leistungen der Amtszeit verblassen.

Aber schon vor dem Verlust der Spitzenposition stellt sich eine ähnliche Frage. Was motiviert den, der ganz oben angekommen ist, alles geschafft hat, eigentlich dazu, immer wieder dafür zu kämpfen, an der Spitze zu bleiben? Wenn etwa ein Snookerspieler ein "maximum break" hingelegt hat, ein perfektes Spiel, was treibt ihn, das wieder und wieder zu versuchen, nochmal und nochmal das maximum break zu schaffen? Besser als er beim ersten perfekten Spiel war, kann er nicht mehr werden. Wie motiviert man frisch gebackene Weltmeister, sich nun auch noch um den schnöden Titel des Europameisters zu balgen? Warum soll sich Manuel Neuer für den gefühlt zwanzigsten Titel als Deutscher Meister anstrengen? Und was kann für Frau Merkel noch kommen, was sie nicht schon gehabt hat? Wie stark muss dieser Antrieb bei Sportlern sein, ganz vorne zu bleiben, wenn ein Ole Einar Björndalen mit 42 Jahren verkündet, bis zu den nächsten Winterspielen werde er wohl noch machen. Auch wenn die Luft dünner wird, die Niederlagen sich häufen, der Biss ist noch immer da. So wie auch in der Politik kaum einer die Kraft hat, ohne Zwang aus dem Amt zu scheiden. Ein Helmut Kohl mag als Paradebeispiel herhalten, der 1998 in einen völlig aussichtslosen Wahlkampf ging. Bis heute ist ungeklärt, ob er wirklich glaubte, dass er ein besseres Ergebnis (bzw. ein weniger schlimmes) würde erzielen können als alle parteiinternen Alternativkandidaten oder ob er einfach nicht loslassen konnte. Oder beides.