Mittwoch, 28. Oktober 2015

Weh-Weh-Weh Willis Wein Werkstatt Heute auf der Hebebühne: Rosé Champagner





Das Flüchtlingsthema ist in aller Munde. Aber was bedeutet das für uns Weintrinker? Gewähren wir Asyl für flüchtige Säure? Wird Begrüßungsgeldermann im Erstsaufnahmegelager ausgeschenkt? Gibt es noch Kirchenasyl im Forster Jesuitengarten (wir Pfaffen das!), während in Sachsen, Österreich und Ungarn schon der braune Bruch durch die Gesellschaften geht? Ist der Weinexport aus den sicheren Drittstaatsgütern in Weinsberg, Meersburg und Eltwilli endgültig unterbunden? Und was genau ist diese Balkan-Rute? Darunter hatte ich bisher nur den ruppigen Abgang der tanninüberladenen Vranac-Weine Montenegros verstanden, der das Zäpfchen schlimmer peitscht als die deutsche Domina.


"Hospiz" hieß das Asyl übrigens im Altdeutschen, womit wir eigentlich schon fast in Beaune wären. Und von dort ist es dann wiederum nur ein ordentlicher Pflastersteinwurf bis in die Champagne. Deswegen haben wir im Angesicht des Flüchtlingsdramas beschlossen, uns mal wieder dem Thema Champagner zuzuwenden. Logisch, oder?


Wie der Weinigel so ist, serviert er den Gästen zur Erstaufnahme zunächst einen Piraten. Den Rosé 2013 vom Reichsrat von Buhl. Eine ziemliche Gemeinheit, denn das Zeug ist von der Finesse der Perlage her optisch durchaus für Champagner zu halten. Und anders als bei Rieslingsekt schlägt auch in der Nase keine "deutsche" Rebsorte so durch, dass man den Piraten gleich als solchen identifizierte. Denn bei Buhl setzt man voll auf den Spätburgunder. Feiner Duft, erdbeerig, sogar ein wenig kreidig wirkt das - keine Ahnung, wie die diese Mineralik aus den Pfälzer Böden rausholen. Am Gaumen cremig, ein Spürchen dropsig vielleicht auch. Erfreulich kräftig, gute Länge, zum Beginn des Abgangs ein leicht irritierender Bitterton, der sich dann aber gleich wieder gibt. Auch ein gewisser metallischer Hauch schwingt zwischendrin mal mit. Die meisten der anwesenden Experten fanden den Stoff für einen Champagner nicht überragend, haben ihn jedoch auch nicht als Piraten erkannt. 86 bis 87 Willipunkte, für einen Sekt dieser Preisklasse (14 Euro) absolut überzeugend!