Freitag, 21. August 2015

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt Heute: Vierschänkentournee Teil 14 De Karmeliet


Über den Verfall jeglicher Sitten im Fernsehen hat der Igel sich schon vielfach ausgelassen. Jeder hat da sein Fett weg bekommen, sei es der allgemeine Menschenzoo im Privatfernsehen, seien es die öffentlich-gemächlichen Sender mit ihren grenzdebilen Morgenmagazynikern, dem Musikantenhades des Andy Cyborg und dem Wepperschen Nonnentätscheln zur besten Sendezeit. Bleibt zur Erfüllung des Grundversorgungsauftrags also im Wesentlichen das Radio. Könnte man denken. Wenn man kein Radio hört. Denn wenn man doch Radio hört und den Apparat einschaltet, dann erlebt man Erstaunliches.


Auf SWR 3 wird beispielsweise seit Monaten Eiscreme an die Hörerschaft verteilt. Sehr ehrenwert, gerade bei der Hitze, keine Frage. Nur leider geschieht das von meinen Zwangsgebühren. Wo genau steht eigentlich, dass der Grundversorgungsauftrag des Rundfunks auch die Fütterung von Bürofachangestellten des mittleren nichttechnischen Sparkassendienstes mit Süßwaren umfasst? Versorgung mit Nahrungsmitteln? Wäre das nicht eher ein Fall für die Sozialhilfe? Und wäre nicht auf eine etwas gesündere Ernährung zu achten, so dass man vielleicht Gurken, Radieschen oder ähnliches austeilen sollte?


Zwischendrin werden dann Elche verlost. Die natürlich ebenfalls von meinen Gebühren angeschafft und versandt werden. Inklusive eines eingebauten Mechanismus, der den Elch röhren lässt. Grunzversorgungsauftrag sozusagen. A propos Grunzen - ich bin medizinisch nicht bewandert genug, um über die Therapierbarkeit von Logorrhoe Auskunft geben zu können. Doch sollte man in schweren Fällen nichts unversucht lassen. Und dem Großteil derjenigen, die da an den Mikrophonen des Südwestrundfunks humorfrei vermodern (daher der Name "Moder-ator") eine Gruppentherapie verordnen. Besonders gruselig wird es, wenn das nächste "New Pop Festival" bevorsteht. Was eigentlich immer der Fall ist. Dann wird nicht nur im Zehnminutentakt die Veranstaltung wortreich angekündigt, sondern zwischendrin über Monate nur das Zeug der dort auftretenden Künstler gespielt, was eine angenehme Abwechslungsfreiheit im Programm sicherstellt.


Und dann wird dem Faß die Krone ins Gesäß gerammt, indem SWR3 seine Moderatoren auf Kosten des Zwangsgebührenzahlers an beliebte Reiseziele dieser Welt schaffen lässt, so dass sie von dort über die Menschen berichten können, die z.B. in Monaco Urlaub machen. Offizielle Begründung: "Wir sorgen dafür, dass die Leute, die sich selbst keinen Urlaub leisten können, auf diese Weise wenigstens das Gefühl bekommen, ein wenig an den exotischen Reisezielen gewesen zu sein." Sagt mal, SWR, habt Ihr noch alle Latten an dem Zaun, der bei Euch um das Elchgehege gebaut worden ist? Habt Ihr vielleicht auch mal drüber nachgedacht, dass etliche der Menschen, die sich keinen Urlaub leisten können, auch deswegen zu klamm für größere Reisen sind, weil sie ja mit den Zwangsgebühren Eure Eispartys und die Kinderlandverschickung Eurer infantilen Reporter bezahlen müssen? Auf solche Radioaktivitäten kommt ja wohl nur, wer komplett verstrahlt ist.


Mal ganz abgesehen davon, dass der Verzicht auf diesen Schwachsinn auch dazu führen würde, dass Ihr mit weniger Werbeeinnahmen auskämt. Ich fände es beispielsweise hochgradig verschmerzbar, wenn künftig auf die Ausstrahlung der Werbespots der Firma Seitenbacher verzichtet würde. Von Haus aus kein Anhänger der öffentlichen Flagellation, überdenke ich diese Haltung mehr und mehr, je öfter ich den Kerl zu hören bekomme, der mir in breitestem Schwäbisch im Stundentakt durch zur Kunstform erhobenen Infantilismus die Lust nicht nur an den Produkten seiner Firma, sondern an Müsliprodukten insgesamt nachhaltig verleidet. Kann der nicht statt dessen erklären, wie cool Tätowierungen sind. Das würde dieser Unsitte ein wenig Einhalt gebieten, schätze ich.


Nun ist es im Privatradio auch nicht besser. Da wird über Monate "das rätselhafte Geräusch" gesucht, rufen Sie jetzt an und raten Sie mit, für nur 99 Cent aus dem Festnetz. Oder schmeißen Sie Ihr Geld gleich in die Mülltonne, denn natürlich kommt sowieso keiner durch. Und erkennt auch niemand das Geräusch. Weil man das gesuchte Geräusch - Kriechen einer Nacktschnecke über einen Zahnstocher - allzu leicht mit dem Sound verwechselt, den eine Brillenkobra beim Schielen erzeugt. Oder ein Elch beim Eisessen.


Dafür gibt es im Privatradio Regionalnachrichten. Eventuell heißen die auch "News". Je provinzieller sie sind, desto größer das Risiko, dass man ihnen einen englischen Namen verpasst. Da wird dann brühwarm über abgefahrene Lifestylefacts aus der unmittelbaren Umgebung berichtet. Also zum Beispiel dass sich Oma Erna aus dem Nachbardorf beim Einparken den Außenspiegel abgefahren hat. Wow!


Und so ungefähr in dem Moment, in dem man den Glauben an die Kompatibilität des eigenen Anspruchsniveaus mit der Bodenlosigkeit des im Rundfunk Dargebotenen zu verlieren beginnt, in dem Moment schaltet man versehentlich im Fernsehen den Sender Deluxe Music ein. Reibt sich verwundert die Ohren, hört genauer hin, reibt noch einmal die Ohren und beschließt recht schnell, die meisten anderen Sender zu löschen. Denn bei Deluxe funktioniert Musikfernsehen genau so, wie es der Herrgott gewollt hat. Höchst abwechslungsreiches Programm, mit ganz wenigen Ausnahmen moderationsfrei. Nur dienstagsabends halten die sich da für zwei Stunden eine von Kopf bis Fuß tätowierte Moderatöse, die intellektuell leider auch ins öffentlich-verächtliche Konzept passen würde. Ansonsten wenig Werbung, insbesondere keine Spots von Seitenbacher. Es werden keine Tiere verteilt und auch kein Eis. Warum auch?


Meine persönliche Lieblingssendung steigt freitags und samstags gegen 22:30 Uhr. Da werden mehrere Musikclips zusammengemischt. Ausgesprochen originell, fast immer addiert sich das und ergeben sich erstaunliche Kompositionen, die auf wundersame Weise das Ausgangsmaterial nicht ruinieren, sondern perfekt und überraschend verbinden. Wenn Bee Gees und Roxette zusammenfinden, eine Prise hiervon, ein Hauch davon, im Abgang vielleicht noch eine Messerspitze Eurythmics unergerührt, dann ist es wie die Cuvée eines guten Champagners. Oder wie feine Sterneküche. Um die es in meiner kleinen Gourmetwerkstatt ja eigentlich gehen soll.

Montag, 17. August 2015

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt Heute: Vierschänkentournee Teil 13



Wo steht das eigentlich genau geschrieben, dass das Bundeskabinett immer mindestens ein Mitglied haben muss, das aussieht, als wäre es gerade auf dem Weg zur eigenen Konfirmation? Das fing an mit Claudia Nolte. Dann kamen Kristina Schröder und Fipsi Rösler. Und seit 2013 darf der Heiko aus dem Justizministerium das Regierungs-Maaskottchen spielen. Der ist zunächst gar nicht weiter aufgefallen, der Heiko. Erst jetzt, nachdem er den Schlamaassel mit dem Generalbundesanwalt angerichtet hat, nimmt man ihn zur Kenntnis. Schon in der Bundespressekonferenz merkte man, dass das schwierig werden könnte. Schicker Maassanzug, na klar, aber trotz eigens aufgelegter Maascara blass wie ein Pfund Maascarpone. Maaskulines Gehabe nur am Anfang, nach schwierigeren Fragen dann eher zittrige Grimaassen. Man merkte, da ist einer ohne Maasterplan unterwegs. Auch deswegen ist die Rangelei mit der Bundesanwaltschaft so schnell zu einem Maassaker ausgeufert.

Schuld ist die Schnarre! Aus deren Erbmaasse hatte der Heiko den FDP-Mann Range übernehmen müssen. Und der Range, der hat wohl zu tief in den Maasskrug geschaut, bevor er in seiner Pressekonferenz wie ein Maastiff auf den Heiko los ist. Einen maassiven Eingriff in die Unabhängigkeit der Justiz stelle es dar, wenn der Heiko sich so maasslos über die Ermittlungen wegen Landesverrat aufrege. Na ja, nun agiert der Range selbst wie so ein Maastodon im Porzellanladen, da darf er sich nicht wundern, wenn dann auch der Heiko jeden Maassstab verliert und am selben Tag nicht nur den Range entlässt sondern am liebsten gleich noch den Maaßen, also den Präsidenten des Verfassungsschutzes in den Ruhestand schicken möchte. Maassarbeit! Wie weit soll das noch gehen? Maassenarbeitslosigkeit in der Strafverfolgungs- und Geheimdienstszene? Ja, ja, der Maas macht mobil. Zumindest die Bundesanwaltschaft reagiert mit harten Maassnahmen – nach der Entlassung ihres Häuptlings wird gegen den Heiko wegen möglicher Strafvereitelung ermittelt. Weil der Webmaaster, den Range verfolgt hatte, nun ungeschoren davon kommt. Der hat dann wohl Maassel gehabt!

Dabei ist das Ganze doch wieder einmal nur Sommertheater. Das fängt schon an mit der Betroffenheitsonanie (Maasturbation?) der Gutmenschenmedien, die den Untergang der Demokratie gewärtigen, nur weil es nach Jahrzehnten wieder einmal Ermittlungen wegen möglichen Landesverrates gibt. Als wären die Ermittlungen eine Vorverurteilung. Da muss man als Justizminister sicherlich auch ein wenig Maasochist sein, denn egal, was man tut, man wird im Ergebnis auf jeden Fall der Maaster of Desaster sein. Lässt der Heiko den Range im Amt, regen sich die Betroffenheitstaliban von links auf, schmeißt er ihn raus, feuert die Law and Order-Hamaas von rechts. Je nachdem, wie lange der Sommer noch dauert, wird es am Ende des Theaters auch den Heiko noch erwischen. Die Kanzlerin hat schon Seelenmaassage betreiben müssen und ihm vollen Rückhalt zugesichert. Das klingt bedrohlich. Der Heiko kann wohl sich schon mal ein Häuschen im sonnigen Süden suchen, für den Ruhestand. Mit dem Dreimaaster auf die Bahamaas oder so.

Politisches Sommertheater braucht der Gourmetigel eher nicht. Er zieht lieber durch die Showrooms der besten Köche dieser Welt und genießt die dortigen Aufführungen. Zuletzt beim Abschiedsbesuch bei Kevin Fehling in Travemünde. Kurz bevor der seine Belle Epoque dicht machte, um in Hamburg ein neues Lokal zu eröffnen.

Donnerstag, 13. August 2015

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt Heute: Vierschänkentournee Teil 12


Laurel Munshower? Müssen Sie nicht kennen! Die Munshowerin schreibt eher nur mittelklug für irgendsoeinen anglophonen Internetblogg zum Thema Essen und Trinken. Diese Woche berichtet sie den Lesern aus UK und US über die deutsche Hochküche. Und kommt zu dem überraschenden Befund, da gebe es tatsächlich mehr als Bratwurst und Sauerkraut. Isnichmöglich! Pulitzerpreis! Fehlt nur noch der Hinweis, dass Gulaschkanonen nicht unter das Kriegswaffelnkontrollgesetz fallen und Gaisburger Marsch weder eine Militärparade ist noch mit Hakenkreuzkümmel gewürzt wird. Aus ist es mit den stillen Tagen im Klischee! Auf die dümmsten Vorurteile gegen die Preussen ist kein Verlass mehr. Heinrich, mir Kraut vor Dir! Der Deutsche futtert französisch, er ist zum Radetzkymarschmellow degeneriert.

Muss der Gourmetigel jetzt eigentlich auch darob ins Koma fallen, dass es in den Gourmetschuppen im neuen York mehr als Hot Dogs und Hamburger gibt? Und die dortigen Getränkekarten wider Erwarten wässriges Bier nicht für die alleinige Corona der Schöpfung halten, sondern sogar annehmbaren Wein feil bieten? Trinkt man dort in Wahrheit nicht viel lieber die nach unserem verehrten Herrn Altbundeskanzler benannte Coca Kohl-a? Oder wenigstens Super Bowle? Weil der Kaffee ja sowieso viel zu dünn ist. Trivial Pursuit of Happinescafé und so. Und: Gibt es in den amerikanischen Südstaaten noch Brassentrennung im Fischkühlschrank? Kochen die ihre Clam Chowder im I-Pott?

Jedenfalls nicht im Eleven Madison Park Restaurant, der vorerst letzten amerikanischen Station meiner Vierschänkentournee. Originell ist der Name zwar nicht gerade, kommt von Madison Avenue, Hausnummer 11. So isser nunmal, der Amerikaner, dem fällt nicht viel ein. Klischeeamerika findet man hier trotzdem nicht, das merkt man direkt, wenn man sich mit Elan durch die Drehtür ins Lokal wirbelt. Statt im Saloon mit dem lauschigen Ku Klux Klang viel zu lauter Country- und Westernhagenmusik landet man hier in einem großzügigen Art Deco-Saal, bei dem der Innenarchitekt an nichts gespart hat. Edler Marmorboden, monumentale Blumengestecke, moderne Kunst an der Wand. Und schön hoch ist die Hütte, was angenehm viel von der Lautstärke der Gespräche an den Nachbartischen schluckt. Angenehmer Jazz tut ein Übriges. Von himmlischer Ruhe zu sprechen, wäre übertrieben, aber im Verhältnis zum Le Bernardin und zum Jean-Georges ist es geradezu totenstill. Und, yippieayeah Schweinebacke - bzw. joue de cochon - wie im Brooklyn Fare wird auch hier nur ein Durchgang pro Abend serviert. Es gibt also reichlich Zeit, die insgesamt vierzehn kleineren und größeren Gänge des Menüs (225 Dollar) von Daniel Humm in aller Ruhe zu genießen und in jeder Hinsicht zu verdauen.

Freundlicher Service mit kompetenter Weinberatung, die die beste Igelin von allen und mich zunächst zu einem Gläschen Bereche-Champagner anstiftet. Gute Wahl, cremig und lang, gerade richtig gereift und perfekt temperiert. Ein exzellenter Begleiter zum ersten Häppchen, das uns aus der Küche erreicht, zwei macaronartigen salzigen Keksen mit Apfelfüllung. Simpel aber hervorragend. Fruchtsüße des knackigen Apfels und die salzige Würze des Kekses ergänzen sich wunderbar.

Montag, 10. August 2015

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt Heute: Vierschänkentournee Teil 11



Die Franzosen sprechen ja gerne davon, dass der Chefkoch am "Piano" steht, wenn er in seiner Küche werkelt, auf den Kücheninstrumenten spielt, zwischen Herd, Grill und Mixer. Natürlich spielt er nicht allein, da ist die Brigade um ihn herum, aber er ist der Solist, der Mann am Klavier, der Star des Ensembles. Wenn ich nun aber so in mein Köcheverzeichnis hineinschaue, dann stelle ich fest, dass etlichen der Starköche offenbar die Gabe der Ubiquität geschenkt worden ist. Oder wie kann das sein, dass die Frau Pic gleichzeitig in Valence, in Lausanne und in Paris als Pianistin geführt wird? Von Pierre Gagnaire ganz zu schweigen, der in Paris, Berlin, London, Tokyo, Hong Kong, Courchevel, Seoul, Las Vegas, Moskau und Saint Tropez als Koch gelistet wird.

Mal ganz piano, Leute - irgendwie fehlt mir da der Mittelteil. Ein Koch macht Karriere. Die Sterne purzeln nur so vom Firmament. Und irgendwann kennt man den Namen so gut, dass er sich vermarkten lässt. Gibts schon länger. Früher machte man neben dem eigentlichen Lokal ein Bistro auf und verbreitete die Mär, es werde von der gleichen Küche bedient. In der Oberstudienratsszene kann man damit richtig punkten. Die Jungs, die die Weine beim ALDI kaufen, die fressen auch im Bistro nebendran. Da fallen die elegante besockten Füße in den Sandalen auch nicht so unangenehm auf. Und dann zahlen die Oberstudienräte das Doppelte des Preises anderer guter Bistros, weils ja der Bums vom Dings ist. Und der Dings ist ja berühmt. Aber immerhin, so ein Bistro direkt nebendran, das kann man ja noch ein wenig beaufsichtigen und zumindest so eine Art Qualitätskontrolle herstellen. So dass die Oberstudienräte wenigstens nicht ganz schlecht speisen. Und der Name des großen Chefs an der Tür auch nur eine halbe Lüge ist.

In den Neunzigern kam die nächste Ausbaustufe. Da hatte der Meister Ducasse die Idee, neben seinem Lokal in Monaco auch eines in Paris aufzumachen. Und egal, wie man sich da dann organisiert, es wird kaum möglich sein, die Klaviere in Monte Carlo und an der Seine gleichzeitig zu bespielen. Also mutiert der Koch so ganz langsam zum Unternehmer, zum Geschäftsführer, zum Konzernchef. Der selbst kaum mehr weiß, wie ein Kochlöffel technisch funktioniert. Heute gehört es schon zum guten Ton, dass der Dreisterner aus Paris mindestens auch einen Schuppen in Japan und einen in den USA führt. Insgesamt hat er nicht ganz so viele Filialen wie der Schotte mit den zwei frittengelben Bögen über dem Eingang. Aber auf mehr Präsenz im einzelnen Betrieb als der Herr McDonald in seinen Filialen wird es auch ein Alain Ducasse kaum noch bringen. Das Dumme ist nur, dass der Gourmetigel weder ein Burgerbegehren hat, noch die Mutation der gehobenen Gastronomie zur Systemgastronomie in irgendeiner Weise goutierte. Bei allem Verständnis dafür, dass die besten Köche der Welt gerne mehr Geld verdienen würden als sie mit einem einzelnen Restaurant erwirtschaften können, wenn da Ducasse dransteht, dann soll der auch der Mann am Klavier sein!

Bin ich froh, dass die deutschen Spitzenköche diesen Trend noch nicht mitmachen. Bei uns verhökern sich vor allem die Kameraden aus der zweiten bis vierten Reihe. Kein Fernsehabend, an dem nicht der Lafer irgendwo aus der Glotze winkte. Es würde sich wahrscheinlich keiner wundern, wenn der morgen auch noch im perfekten Dschungelpromifrauentausch mitmachte, beim Totensonntagsschunkelfest der lästigen Musikanten oder im Nonnentraumschiff auf der Fahrt zur Alpenklinik unter Palmen. Direkt neben Furz Wepper und Thekla Carola Wied.

Mittwoch, 5. August 2015

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt Heute: Vierschänkentournee Teil 10


So ganz schlecht ist das ja nicht, wenn die Sternelokale im Einkaufszentrum sind. Man kann die beste Igelin von allen in Ruhe daran arbeiten lassen, den heimischen Kleiderschrank weiter auf seiner Einbahnstraße hin zum Bersten zu begleiten. Während ich inzwischen meinerseits mit erlesenen Gourmethappen die Igelplauze auf ihrer Einbahnstraße hin zum Bersten promoviere. Über das per se im Warner-Center habe ich im letzten launigen Fressay schon berichtet. Am nächsten Tag ging es im selben Megastore eine Tür weiter ins Masa, dem japanischsten unter den Dreisternern New Yorks.

Von außen sehr unscheinbar, eine dicke, völlig undurchsichtige Milchglasscheibe schirmt das Lokal vom Trubel der Einkaufspassagen ab. Daneben eine unregelmäßige Naturholztür, hinter einem dieser typisch japanischen Fetzenvorhänge. Drinnen ein riesiger Tresen aus absolut flecklosem, hellem Naturholz. Sieht aus als hätte man das Ding am selben Morgen erst montiert. Man setzt sich zwanglos dran, nur eine Serviette und zwei formschöne Stäbchen auf einem schwarzen Messerbänkchen vor sich. Im Hintergrund ein eleganter "blühender" Baum, der sogar trügerisch echt aussieht und in sorgfältig geharktem Kies steht, ein Hauch von Zen, Fressoterik halt irgendwie auch. Ansonsten schwarze Möbel, japanischer Minimalismus.

Samstag, 1. August 2015

Weh-Geh-Weh Willis Gastro Werkstatt Heute: Vierschänkentournee Teil 9



Varoufakt ist: Der Grieche vertsiprasst unser Geld. Inklusive Varoufakelaki oder wie in Hellas die Schmier- und Bestechungsgelder eben heißen. Und immer wenn der Grieche kurz vor dem Bankrott ist, legen wir noch ein Schäuble Kohl-e nach. Wirtschafts- und Verheerungsunion nennt man das. Die varoufackeln den Euro ab, schaufeln die Milliarden ins olympische Feuer, bis die gesamte EU aussamarastet. Varoufuck off, Griechen, jetzt langts, jetzt vertsiprasse ich mein Geld selbst. Der Hogxit geht weiter, der Gourmetigel futtert sich durch New Yorks Sternetempel, die Rechnung bitte postlagernd nach Athen!

Dritte Station sollte das per se von Thomas Keller sein. Den kennt man, der hat mit seiner French Laundry in Kalifornien schon Furore gemacht als der Grieche noch mit Drachme zahlte, lange bevor Zorba the Geek als Programmierer im Silicon Valley auf Arbeitssuche ging. Seit 2004 hält der Herr Keller sich auch in New York ein Gourmetlokal. Das man erst einmal kaum findet. Denn wer käme da so ohne weiteres drauf, dass eines der besten Lokale des Kontinents im Obergeschoss eines profanen Einkaufszentrums untergebracht ist. Was sag´ ich eines der besten Lokale? Es sind gleich zwei, denn nebenan auf der gleichen Etage findet sich das Masa, ebenfalls mit drei Sternen ausgezeichnet. Zwei Dreisterner, nur zwanzig Meter von einander entfernt, das Jean-Georges auch nur hundert Meter weg - die Sternedichte erreicht hier am Columbus Circle zweifelsohne rekordverdächtiges Niveau! Und das im Time Warner Building, ein Stockwerk oberhalb vom schwunghaften Handel mit Elektrogeräten und DVDs.

Was solls, entscheidend ist auf dem Teller! Schauen wir uns das per se also mal ganz in Ruhe an! Es gibt einen noblen und zuverlässig ausgebuchten bis überbuchten Saal sowie eine von 17:45 Uhr bis 22:15 Uhr geöffnete "walk in area", für die keine Reservierungen entgegen genommen werden und wo man auf gut Glück vorstellig werden und ggf. anstellig warten muss. Während im Saal eine gewisse Vornehmheit herrscht, es sogar Tischdecken gibt, geht es in der walk-in area eher rustikal-leger zu. Nackte Holztische mit Ledereinlegearbeiten, viel Glas, viel Chrom. Modern aber leicht steril das Ganze, auch der Saal. Gegen später, im Dunklen wirkt es etwas wärmer und freundlicher. Dreisterneatmosphäre ist es aber nicht, seien wir mal ehrlich, das ist eher Edelbar.

Die Weinkarte kommt als e-book. Sagenhafte Auswahl, na klar, wenn der Inhaber schon Keller heißt, muss er auch einen guten solchen haben. Viele ganz große Tropfen, leider alles einen saftigen Schlag zu teuer. Glasweise sieht es besser aus, das turnen wir zwischen 15 und 45 Euro pro Pokal herum und finden einige sehr nette Sachen sofort das Wohlgefallen des Gourmetigels.

Gourmetigel im per se



links die Weinkarte, rechts der Billecart

Im Saal hat man die Auswahl zwischen zwei Menüs, die beide bei 310 Dollar liegen. In der walk-in area gibt es ausschließlich à la carte-Gerichte, für 30 bis 45 Dollar pro Gang, egal ob Vorspeise, Hauptgericht oder Dessert.

Zum Warmlaufen erst einmal ein Glas Billecart-Salmon Rosé. Mit 42 Dollar jetzt nicht gerade nachgeschmissen, doch gut ins Riedel-Glas eingeschenkt. Feine Reife, perfekte Temperatur, so darf das sein!



Dazu etwas sparsame Amuses, zwei Häppchen, zu denen man durchaus auch ein Mikroskop hätte reichen dürfen, um das Auffinden zu erleichtern. Erst warme Gougeres mit einer halbflüssigen Käsefüllung. Der reine Wahnsinn, das Zeug, simpel aber großartig! Und dann eine winzige mit Lachstatar, roten Zwiebeln und schwarzem Sesam gefüllte Eiswaffel. Ebenfalls gut aber etwas weniger mitreißend.



Bemerkenswert dafür der tischweise servierte Brotkorb, da stehen plötzlich drei kleine Baguettestangen, vier Laugenstangen, drei Vollkornbrötchen und drei Ciabattarundlinge auf dem Tisch. Alles hausgemacht und noch warm, Respekt! Dazu Salzbutter von der Loire.