Weh-Weh-Weh Willis Hausbesuche
Heute: Weingut Heymann-Löwenstein
Hui, der Peer! Sitzt mit versteinbrückter Miene bei Herrn Jauch im Gasometer und wehrt sich tapfer gegen alle Versuche, Konkreteres über seine Nebeneinkünfte in Erfahrung zu bringen. Überhaupt, wie kann man bei gefühlt mehreren Millionen Vortragshonorar noch von Nebeneinkünften sprechen? Üblicherweise indiziert doch das Präfix „neben“, dass es da noch eine deutlich größere Hauptsache gibt? So ist es zum Beispiel mit den weitgehend nutzlosen und überdies entzündungsanfälligen Nebenhöhlen im Schädel, die kleiner sind als die höchst nutzbringende Haupthöhle, die einem die Zufuhr so wertvoller Stoffe wie Atemluft oder Riesling ermöglicht. So scheint es dann auch mit den Vorträgen vom Peer zu sein. Die bringen das Haupteinkommen, machen ja auch die Hauptarbeit – denn Vorträge hat er seit der letzten Bundestagswahl deutlich über achtzig gehalten, Bundestagsreden wohl nur vier. Die Vorträge sind also die Hauptsache, das Abgeordnetenmandat die Nebentätigkeit. Das will er als Politiker nur vielleicht nicht so an die große Glocke hängen.
Beim Jauch hat der Peer dann auch noch sein Wahlprogramm erläutert: Den Spitzensteuersatz will er erhöhen und wieder eine Vermögensteuer einführen. Man merkt, da trainiert einer schon darauf, wieder Finanzminister unter Frau Merkel zu werden. Aber, Mensch, Steinbrück, bei all diesen Reichensteuern, da bist Du mit den Vortragsmillionen doch dann selbst Dein bester Kunde!!?? Dann reicht es am Ende doch nur wieder für den Golf mit der Holzbank. Wusste ich übrigens gar nicht, dass VW den im Programm hat, ich dachte, die hätten nur unwooded, ganz wie mein Weißweinkeller. Aber wahrscheinlich rechnet sich das für die Wolfsburger, wenn der Bankenrettungsschirm vom Peer dann auch auf Holzbanken ausgedehnt wird.
Aber mal ganz von der Frage abgesehen, in welcher Sänfte sich Peer später einmal als demokratisch gewählter Vizekanzler durchs Land tragen lassen will, möchte ich doch noch einmal kritisch anmerken, dass mir nicht ganz klar ist, was eigentlich eine Vermögensteuer soll. Die hat doch ihre volkswirtschaftliche Kontraproduktivität längst bewiesen und wurde mir Recht 1997 abgeschafft. Wie wäre es stattdessen denn mal mit einer Unvermögensteuer? Da wären dann neben Peer auch die meisten anderen Politiker mit bei den Einzahlern. Da käme viel mehr bei herum.
Wie dem auch sein und egal, ob der Mann am Ende aus Versehen doch Kanzler wird oder nur Finanzminister, es wird gefährlich für unser Geld. Wir sollten es schnell in unauffälligen Werten anlegen, die bei den Vermögensteuereintreibern nicht so auf dem Radar sind. Zum Beispiel in Wein. Vor diesem Hintergrund trafen sich dieser Tage einige handverlesene Experten, um wieder einmal der Alterungsfähigkeit der Rieslinge aus dem Hause Heymann-Löwenstein auf den Grund zu gehen. Ehe man das Geld in die Schweiz trägt…
Anknüpfungspunkt war die große Uhlen-Probe, die wir fast auf den Tag genau drei Jahre zuvor in den Katakomben der Kölner Seilschaft abgehalten hatten. Und natürlich haben wir uns damals auch Urteile über die Alterungsfähigkeit der Uhlens erlaubt. Mal sehen, ob wir Recht behalten haben. Um die Sache etwas spannender zu machen, wurde blind verkostet. Und es waren Piraten mit an Bord, so dass die Runde nicht einmal wusste, ob nun ein Löwenstein-Wein im Glas war oder nicht. Da von allen Weinen etwas übrig geblieben war, konnte ich am zweiten Tag noch einmal nachverkosten.