Montag, 30. Juli 2012

Gurken Joghurt und Lillet


Die klassische Gurken-Joghurt-Suppe ist doch bei diesen Temperaturen immer gerne genommen. Dazu schmeckt ein Lillet ganz hervorragend. Natürlich mit dem Schnitz Gurke, passend zur Suppe.

6cl Lillet blanc
8cl Tonic Water
1 Gurkenschnitz
Zweig Minze
2-3 Eiswürfel

Auch sehr Lecker und Erfrischend Lillet nur auf Eis mit einem Zitronenschnitz


zum Rezept:

Freitag, 27. Juli 2012

Vina Ardanza Rioja Reserva 2001



Weh-Weh-Weh Willis Wein Werkstatt


Heute auf der Hebebühne: Vina Ardanza Rioja Reserva 2001


Wofür steht eigentlich FIFA? Ists Französisch für Federation d´Imbeciles pour la Fraude Artisanale? Englisch für Fraudulence, Incompetence, Flatulence and Arrogance? Oder Deutsch für Finanzdelikte-Inkassoverein von Funktionärs-Altherren? Genau weiß das keiner, nicht einmal der Seppl aus der Schweiz, der ja immerhin der Korruptionsbeauftragte dieser seltsamen Vereinigung ist. Blattern war ja früher eine schwere Krankheit, an der man starb. Der Singular ist kaum besser, Experten fürchten inzwischen schon, der Fußball könne daran zugrunde gehen. Was ich nur nicht verstehe: Warum will der Blatterseppl jetzt einen Torrichter. Der Torrichter, wenn ich das richtig verstanden habe, ist doch dafür zuständig, die Toren des Monats zu verurteilen, oder? Und seit dem viel zu späten Abgang von Heribert „gutnabendallerseits“ Fassbender von der internationalen Fußballbühne, wird der Blatterseppl doch ohne echten Gegenkandidaten, ganz im demokratischen Sinne der FIFA, alle vier Wochen zum Tor des Monats gewählt. Ohne Bewährung! Bewährt hat der sich schließlich schon lange nicht mehr. Aber, huch, darf man so etwas überhaupt schreiben? Der Blatterseppl ist schließlich Leiter des Exekutionskomitees der FIFA, oder wie das bei denen heißt, und da wird’s schnell gefährlich. Zumal der Seppl ja im Alter auch dem Berlusconi immer ähnlicher sieht, da gibt es sicher schon längst Beziehungen zur italienischen Mafia, Vorsicht, Vorsicht!

Freitag, 20. Juli 2012

1999er Ornellaia, Bolgheri





Weh-Weh-Weh Willis Wein Werkstatt
Heute auf der Hebebühne: 1999er Ornellaia, Bolgheri


Aufmerksame Beobachter haben mit leicht kritischem Unterton festgestellt, dass in letzter Zeit relativ viele Italiener auf meine kleine Hebebühne gewuchtet worden sind. Ja, liebe Leute, das kennt man aber doch von den Italienern, das ist doch bei deren Autos auch so, dass die überdurchschnittlich oft in die Werkstatt müssen. Hier eine Schraube nachziehen, dort das aufgebrochene Türschloss ersetzen, da das Haargelfach kalfatern, an italienischen Schlitten ist immer etwas zu tun.

Italienische Produkte sind eben störungsanfällig. Deswegen habe ich im Juni auch eine große internationale Ornellaia-Rückrufaktion gestartet. Hat nicht wirklich funktioniert. Nur sehr wenige Flaschen sind mir in die Weinwerkstatt eingeschickt worden. Eigentlich nur dieser 1999er. Ich bin dann gleich in meinen Overall geschlüpft, habe ihn aufgebockt und die große Inspektion begonnen:

Was für eine schokoladige Nase, viel röstige Kakaobohnen! Dazu kommt jede Menge Kaffee, das ist fast schon ein Margauxnäschen, und der lebt nach all den Jahren auf den ersten Schnupperer noch immer ein wenig vom Fass und vom Toasting, ganz erstaunlich. Mit etwas mehr Luft gesellt sich eine geniale Mineralität hinzu, das riecht plötzlich vor allem schiefrig-teerig. Dazu ein ganz leicht floraler Hauch, so in Richtung Veilchen, das bleibt aber wirklich nur ein pointillistischer Tupfer im Gesamtkunstwerk.

Am Gaumen schon im Anklang etwas Tabak, schöne Mineralität, noch ziemlich verschlossen. Deutliche, aber sehr feinkörnige, mürbe Tannine. Ein Hauch angebratener Rosmarin, fast schon Rosmarinöl, auch das sind aber alles nur Momentaufnahmen, der Wein wandelt sich gerade am Anfang rasend schnell. Nach zwei, drei Minuten drängt sich das Mineralische mit einer gewissen Brutalität in den Vordergrund. Und hinten heraus nimmt der Druck immer noch weiter zu. Wahnsinnig dicht, sehr, sehr komplex und tiiiief, mit vier „i“. Fast hätte ich sogar ein fünftes mit reingetippt und damit mein Rechtschreibprogramm in den Selbstmord getrieben. Saftig, auch wenn die Frucht sich erst einmal noch heftig hinter dem Tannin versteckt. Schon nach zehn Minuten wird es grandios, weil die Mineralität die Frucht nun endlich ins Rampenlicht lässt. Und dann wird es sofort sehr schnell richtig rund.Betörende Fruchtsüße, die perfekt eingebunden ist in das Gerüst von Mineralität, Würze und typisch italienischer Säure. Pflaumig, schwarzkirschig, herrlich. Und: Man glaubt es kaum, der legt auch nach zwei Stunden noch immer zu, und zu, und zu…

95 von 100 Willipunkten. Inspektion ohne Beanstandung überstanden. Die Flasche kann bedenkenlos mit Chianti Classico wieder aufgefüllt und an den Einsender zurückgeschickt werden. Alle anderen Ornellaia-Inhaber, bitte unbedingt die noch in Euren Kellern verbliebenen Flaschen an Willis Weinwerkstatt schicken, die Rückrufaktion läuft weiter!

Freitag, 13. Juli 2012

Domdechant Werner Hochheimer Kirchenstück, Riesling Erstes Gewächs 2009, Rheingau



Weh-Weh-Weh Willis Wein Werkstatt


Heute auf der Hebebühne: Domdechant Werner Hochheimer Kirchenstück, Riesling Erstes Gewächs 2009, Rheingau


Was ist eigentlich ein Domdechant und was tut der so den ganzen Tag? Wenn ich nicht so ein ungläubiger Willhelm wäre, wüsste ich es vielleicht. Im schönen Rheingau, in Hochheim gibt es zwar keinen Dom, wohl aber eine Weinlage Domdechaney und ein Weingut Domdechant Werner. Also scheint so ein Domdechant vor allem zu winzern. Oder zu trinken, was weiß ich! Das führt gleich zur nächsten Frage: Wie mache ich das nur, mir jetzt bis zum Ende dieses launigen kleinen Beitrags die Frage zu verkneifen, die in mir auf der Kalauer liegt – ob man nämlich die Wernerschen Weine in eine Karaffe dechantieren muss. Nee, aber der wäre dann doch zu platt, oder?

Also reden wir ernsthaft über das Weingut. Dessen Lage ist schon einmal traumhaft. Direkt über den Hochheimer Weinbergen. Von der Terrasse kann der Herr Dechant zwanglos in die eigenen Rebzeilen hineinspazieren, die Trauben streicheln und sich auf den nächsten Jahrgang freuen. Seine besten Parzellen liegen in den Hochheimer Paradelagen, in der Hölle und im Kirchenstück, in der Domdechaney und im Stielweg. Klangvolle Namen, das sind genau die Wingerte, aus denen der Mitbewerber Franz Künstler seit vielen Jahren immer wieder mit die besten trockenen Rieslinge Deutschlands auf die Flasche bringt.

Dementsprechend gehörte auch das Wernersche Weingut vor dreißig, vierzig Jahren in die Spitze des Rheingaus. Wer das Glück hat, mal den einen oder anderen gereiften Restsüßen des Hauses aus den Sechzigern oder Siebzigern ins Glas zu bekommen, wird das nachvollziehen können. Nach dieser glorreichen Zeit kam eine etwas weniger überzeugende Phase. Den Weinen aus den Achtzigern und vor allem aus den Neunzigern fehlte es an der Konzentration und Tiefe, die das Hochheimer Terroir an sich hergegeben hätte. Auch so starke Rheingau-Jahrgänge wie 2001 und 2002 waren beim Domdechant eher mager und wenig druckvoll, das waren kein Dome, das waren maximal Kapellchen.

Tja, und wie das so ist, wenn man die Weine eines Erzeugers immer wieder als eher belanglos empfindet – irgendwann probiert man nicht mehr regelmäßig und verliert so ein Weingut aus den treuherzigen Igelaugen. So gings mir mit den Werners. Aber der Weinigel ist ja voller Güte, endgültig abgeschrieben wurde bei ihm spätestens seit den Mathearbeiten vor gefühlt fünfzig Jahren nichts und niemand mehr. So habe ich mir bereitwillig einschenken lassen, als Catharina Mauritz, die Tochter des derzeitigen Weingutsinhabers bei der letzten Weinpräsentation der Kinkelstuben die Wernerschen 2009er und 2010er ausschenkte.

Und, Tusch, es war nicht weniger als eine Auferstehung zu verzeichnen. Der 2010er Riesling Kabinett trocken aus dem Kirchenstück zum Beispiel war nicht einfach nur gut, es war nicht weniger als der beste Kabinettriesling des Jahrgangs in ganz Deutschland. Irgendwie ist es gelungen aus diesem „Arschjahrgang“ (Captain Cork) einen eleganten und trotzdem druckvollen Wein zu erzeugen, einen Wein, der perfekt balanciert ist, in dem Süße, Säure und Mineralität wunderbar miteinander spielen. Anstatt dass, wie bei so vielen anderen 2010ern, die Säure vierspurig über die anderen Komponenten des Weines rumpelt. Ein Harmoniewunder also. Präzise, geradlinig, ausgewogen. Während die meisten anderen Weine aus diesem seltsamen Jahr mehr Schlagseite haben als ein CSU-Landbürgermeister nach der achten Maß Löwenbräu.

Umso gespannter war ich auf das Erste Gewächs aus 2009. Sollte etwa auch dieser Jahrgang gelungen sein? Jaha, das ist er, vor Begeisterung wären mir fast ein paar Stacheln aus dem Pelz geschossen:

Was für ein Duft, unglaublich ausdrucksvoll, so eine richtig schöne, opulente Rheingau-Rieslingnase, etwas erdig, aber auch mit viel Zitrusfrucht, Orange, ein Hauch Zitrone, dazu eine bildhübsche Mineralität, da riecht es zwischendrin immer wieder mal wie Steinmehl im Sommergewitter.

Am Gaumen viel, viel Druck, eine süße Orange, reichlich Schmelz, auch ein leichter Hauch Zitrone, mit etwas eingemachter Ananas auf dem Dachgepäckträger. Auch hier ein kräftiger mineralischer Einschlag, der uns bis tief in den sehr langen, wunderbar druckvollen Abgang begleitet. Ganz am Ende verschlankt er sich ein klein wenig. Da kippt dann das Zitronige auch ein Spürchen ins Bittere, das fällt aber angesichts der Tiefe und der prachtvollen Saftigkeit kaum auf.

Ölig kommt er daher, und mit mehr Luft wird er immer mineralischer. Phasenweise erinnerte er fast sogar an die großen Gewächse aus Rheinhessen, zum Beispiel von Kühling – wäre da nicht diese leicht erdige, würzig-fruchtige Rheingaunote mit ihrem orangefruchtigen Schmelz. Sehr dicht gepackt, ein Kraftpaket! Für mich der beste Wein, den ich von diesem Gut seit mindestens zwanzig Jahren probiert habe. Das ist der Abstand zu den Künstlers nicht mehr groß. 93 von 100 Willipunkten.